Der Preisträger des ersten European SFS Award ist ein wahrer Pionier. Als Keynote Speaker der SFSCON im NOI Techpark in Bozen sprach er über die Rolle der KI in der Entwicklung der freien Software.
Alljährlich bringt die SFSCON, die South Tyrol Free Software Conference, das Who’s who der freien Software nach Bozen, genauer in Südtirols Wissenschafts- und Technologiepark NOI Techpark. Die Konferenz ist ein Fixpunkt für alle, die mit Open Source zu tun haben und manche ziehen mittlerweile den Vergleich mit Davos. Was der Schweizer Skiort für die Wirtschaftswelt ist, ist Südtirols Landeshauptstadt für die Open-Source-Community: Ein Ort, an dem Vordenker Ideen austauschen und wichtige Kontakte geknüpft werden.
Seit 20 Jahren werden auf der SFSCON herausragende Persönlichkeiten für ihre Leistungen im Bereich freie Software geehrt. Erstmals wurde der SFS Award nun gemeinsam von der Linux User Group Bozen (LUGBZ) und der Free Software Foundation Europe (FSFE) vergeben. Für FSFE-Präsident Matthias Kirschner eine richtungweisende Entscheidung: „Wir sind glücklich, dass wir unsere Kräfte bündeln und Menschen aus ganz Europa, die einen wichtigen Beitrag zur freien Software leisten, gemeinsam mit der LUGBZ auszeichnen können.“
European SFS Award für einen Visionär und Pionier
Erster Preisträger des European SFS Award ist der Gründer und CEO von Nextcloud, Frank Karlitschek. „Er ist ein Europäer, der die Werte der Softwarefreiheit lebt, der seine jahrzehntelange Arbeit der freien Software gewidmet hat und sie auf die nächste Stufe gebracht hat. Ein wahrer Visionär und Pionier“, so Matthias Kirschner bei seiner Laudatio.
Raphael Barbieri, Vorstand der LUGBZ ergänzte: „Frank Karlitschek ist nicht nur ein begnadeter Entwickler, sondern auch ein Verfechter der Idee der digitalen Freiheit als universelles Recht. Er lebt die Ideale der Transparenz, der Privatsphäre und der individuellen Kontrolle über digitale Informationen und hat damit auch den Grundstein für eine vielfältige und engagierte Community gelegt.“ Der Geehrte zeigte sich gewohnt bescheiden. Er nehme diese Auszeichnung im Namen von Nextcloud sowie einer engagierten Community und einem fleißigen Team von klugen Köpfen entgegen. „Heute gewinnen wir alle“, sagte Frank Karlitschek.

KI – Chance und Herausforderung für Open Source
Einen ihrer inhaltlichen Schwerpunkte widmete die diesjährige Ausgabe der SFSCON der Künstlichen Intelligenz. Frank Karlitschek war Keynote Speaker zu diesem Thema. KI-Systeme wie ChatGPT, Stable Diffusion, Dall-E und andere ermöglichen eine Vielzahl neuer innovativer Funktionen und Produkte und werden die Welt revolutionieren, so viel ist bereits klar. „Diese großen autoregressiven Sprachmodelle bringen aber auch viele Herausforderungen mit sich, die negative Auswirkungen auf die Open-Source- und Open-Tech-Gemeinschaft haben können“, so Karlitschek.
So ist beispielsweise unklar, ob in Zukunft alle Zugang zu denselben ML-Modellen und Trainingsdaten haben werden. Können Studierende, Start-ups und die Open-Source-Community innovative neue Produkte mit Hilfe von KI entwickeln? Wie kann sichergestellt werden, dass die KI-Systeme keine Minderheiten diskriminieren? Wie hoch sind der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen dieser neuen, großen KI-Systeme? Das sind nur einige der Fragen, die derzeit noch auf Antworten warten.
Mögliche Antworten könne die Open Source Software liefern, glaubt Karlitschek: „KI-Systeme können sehr nützlich sein. Sie bergen aber auch erhebliche Risiken wie Datenschutzprobleme, übermäßigen Energieverbrauch, Falschinformationen sowie die Verstärkung von Vorurteilen“, betont der Nextcloud-Gründer. „Hier ist es wichtig, auf freie und lokal installierbare KI-Systeme zu setzen, bei denen auch die Trainingsdaten vollständig transparent und verfügbar sind. Genau das entwickeln wir als Nextcloud-Assistent.“
Die Eclipse Foundation: Supporter der SFSCON
Die Eclipse Foundation zählt seit Jahren zu den Supportern der SFSCON. Auf der diesjährigen Ausgabe sprach Sara Gallian, SDV Program Manager bei Eclipse Foundation, über den Einsatz der Freien Software im Bereich Automotive: „In diesem Jahr haben wir unsere Eclipse Software Defined Vehicle Working Group auf der SFSCON präsentiert“, so Sara Gallian.
„Die Eclipse SDV WG, die mittlerweile 41 Mitglieder zählt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die branchenübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, um eine offene Technologieplattform für die softwaredefinierten Fahrzeuge der Zukunft zu schaffen“, erklärt Gallian und fügt hinzu: „Wir freuen uns auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem NOI Techpark in den kommenden Jahren. Der NOI Techpark und die SFSCON verkörpern unsere Werte der Offenheit und Transparenz und tragen dazu bei, eine lebendige Community rund um FOSS zu fördern.“

Nach der SFSCON ist vor der SFSCON
Neben Vorträgen, Informationsaustausch und Diskussionsrunden gab es auf der SFSCON 2023 auch viele Gelegenheiten zum Networking. Sergio Vemic, Chief Technical Officer von Telmekom, einem Südtiroler Unternehmen, das von Beginn an zu den Supportern der Konferenz zählt, sieht darin eine besondere Stärke der SFSCON: „Man trifft Menschen, die begeistert von Open Source Software sind und aus Überzeugung an Projekten arbeiten, mit denen man sich selbst auch beschäftigt.“
Wichtig sei auch der Austausch mit hochrangigen Vertretern und Vertreterinnen von EU-Gremien aus dem Bereich Open Source. „Auch um zu verstehen, wo die Reise aus EU-Sicht oder aus Sicht der regionalen und nationalen Politik hingehen soll und was das für uns als Unternehmen in diesem Bereich bedeutet“, erklärt Vemic.
100 Speaker, 1.000 Teilnehmende und 10 Themenbereiche von KI über Cybersecurity und Data4SmartHealth bis hin zu Open Data, Open Hardware und vielem mehr, dazu zahlreiche Workshops, Rahmenveranstaltungen und natürlich der Hackathon SFSCON Edition – all das war die SFSCON 2023, die von der EU im Rahmen des Projekts FESR 1048 IMPACT kofinanziert wurde.

Wer nicht dabei sein konnte: Unter sfscon.it gibt es alle Informationen zur aktuellen und zu den vergangenen Ausgaben der Konferenz. Derweil steht die Planung der nächsten Edition schon in den Startlöchern.
Dieser Beitrag ist bereits älter als 90 Tage. Hier finden Sie die Übersicht neuer Sponsored Articles
.kommentar field