Coding mit generativer KI

Generative KI ist die Technologie der Stunde. Sie macht auch den Entwicklungsprozess produktiver: mit hochwertigem Code und besserer Zusammenarbeit.

(von Michael Ameling, Senior Vice President, Head of Intelligent Enterprise & BTP Foundation)

Zeichnen, ohne zeichnen zu können? Texte in einer fremden Sprache schreiben, ohne sie gelernt zu haben? Programmieren, ohne tiefergehende Programmierkenntnisse zu haben? Generative künstliche Intelligenz (KI) macht all dies möglich und bietet enormes Potenzial. Selbst dann, wenn das entsprechende Know-how eigentlich schon vorhanden ist. Software-Entwickler:innen können simple, aber zeitintensive Arbeitsschritte abkürzen – beispielsweise, indem sie die KI über einfache Spracheingabe Ergänzungen in den Code einfügen oder Aufgaben automatisiert erledigen lassen. Oder sie weisen die KI an, ein erstes Code-Gerüst zu erstellen, das weit über Boiler Plates, also sich wiederholende und nicht oder nur geringfügig veränderte Code-Segmente, hinausgeht. Generative künstliche Intelligenz wird auch die Coding-Welt prägen und zu mehr Geschwindigkeit, Effizienz und Produktivität in der Entwicklung von Software führen.

Ansatz und Anspruch von SAP sind in dieser Hinsicht klar definiert:
Erstens soll jede:r Entwickler:in im SAP-Umfeld, also auch bei Partner- und Kunden-Unternehmen, generative KI nutzen und „KI-Entwickler:in“ werden können. Hierzu hat SAP neue Werkzeuge entwickelt, die bei der Entwicklung und Bereitstellung intelligenter Datenanwendungen in großem Umfang unterstützen.

Zweitens vereinfacht SAP die Interaktion mit großen Sprachmodellen (sogenannte Large Language Models, kurz: LLMs), sodass Entwickler:innen intelligente Anwendungen implementieren können. Dank der Erweiterung der SAP HANA Cloud-Datenbankfunktionen um eine Vektor-Engine können Entwickler:innen den meist generischen LLMs den benötigten Kontext mit unternehmensspezifischen und aktuellen Daten hinzufügen. Das steigert die Relevanz der KI-generierten Ergebnisse.

Drittens ist die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) die erste Wahl, wenn es darum geht, Anwendungen mit KI auszustatten. Über die SAP BTP ist generative KI in SAP-Cloud-Lösungen eingebettet. Entwicklungsteams von SAP-Kunden und -Partnern haben dadurch stets Zugang zu den neuesten KI-Technologien und können einfach und sicher eigene Unternehmensanwendungen auf Basis von SAP BTP entwickeln.

Anwendungsentwicklung mit Hilfe von KI beschleunigen

Wie können Entwicklungsteams das Potenzial von generativer KI nun praktisch über SAP BTP nutzen? Eine Antwort auf diese Frage liefert beispielsweise SAP Build Code. Dieses speziell für Software-Entwickler:innen konzipierte Angebot innerhalb von SAP BTP beinhaltet KI-gestützte Werkzeuge und Dienste für die Arbeit mit Java und JavaScript. Dazu gehört SAPs neuer digitaler Assistent Joule. Mit Joule können die Teams direkt in der Entwicklungsumgebung komplexe Aufgaben automatisieren. Mittels Spracheingabe können App-Logiken, Datenmodelle und Testskripte generiert und neu entwickelte Applikationen in die Plattform eingebunden werden.

Dies revolutioniert die Entwicklungsarbeit. Warum? Beim herkömmlichen Vorgehen muss händisch in einem Editor Programmcode geschrieben, weitere Entwicklungsartefakte müssen dann – ebenfalls manuell – an die richtigen Orte der Dateistrukturen abgelegt werden. Schließlich erstellen die Teams möglichst realistische Datensätze, mit denen das Programm dann getestet werden kann. Diesen Prozess kürzt die KI radikal ab. Mit einer einfachen Beschreibung der gewünschten Anwendung in natürlicher Sprache, einem sogenannten Prompt, erstellt die KI selbstständig eine funktionstüchtige Anwendung – inklusive Schnittstelle zu vorhandenen Lösungen, Applikationslogik in Form von Code, Datenmodellen und Testdaten. Die Entwickler:innen können nun nach Bedarf die Anwendung in gewohnter Form weiter verfeinern und ergänzen.

SAP Build Code fördert zudem die Zusammenarbeit zwischen professionellen Entwickler:innen und anderen technisch versierten Mitarbeitenden aus den verschiedenen Unternehmensbereichen in sogenannten Fusion-Teams. SAP bündelt die gewohnten Werkzeuge beider User-Gruppen in SAP Build Code, um gemeinsam in kürzeren Zyklen zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Dabei ist eine nahtlose Integration in die SAP-Anwendungssysteme gewährleistet.

Vektordatenbank als KI-Modell-Turbo

Wichtig ist: Die Ergebnisse, die generative KI liefert, sind nur so gut wie die Daten, auf deren Basis sie arbeitet. Ist die Datenbasis veraltet ist oder weist sie keinen Bezug zu spezifischen betrieblichen Fragestellungen auf, führt dies zu unzureichenden Ergebnissen oder sogar „KI-Halluzinationen“ – objektiv falschen Resultaten der KI. Eine weitere Herausforderung für KI-Anwendungsfälle im Unternehmenskontext ist die Komplexität und vor allem Diversität der zu verarbeitenden Daten, die herkömmliche Datenbanken nicht bewältigen können. KI-Applikationen im Unternehmenskontext müssen also die effiziente Verarbeitung von solch aufwändigen Datenstrukturen unter Bewahrung der logischen (semantischen) Zusammenhänge leisten können.

All die neuen KI-Applikationen stützen sich daher auf sogenannte „Vector Embeddings“. Darunter versteht man die Möglichkeit, die komplexen und diversen Daten in relativ niedrig-dimensionaler Vektor-Form abzubilden. Vereinfacht gesprochen erlauben es Embeddings, komplexe und unstrukturierte Daten sehr effizient in einer strukturierten Form abzubilden und gleichzeitig den logischen Zusammenhang der Daten zu bewahren. Das ist für hochwertige KI-Resultate sehr wichtig.

Um diese nun strukturierte Abbildung der Daten zu speichern und zugänglich zu machen, wird eine spezielle Art von Datenbank benötigt. Die sogenannten Vektordatenbanken erfüllen genau diese Anforderungen und sind optimiert für das Speichern und Abfragen von Embeddings. Die SAP HANA Cloud bietet künftig eine Vektordatenbank-Funktionalität als Teil der SAP BTP. Eine Vektordatenbank zusammen mit Embeddings erlaubt es KI-Modellen, fortgeschrittene KI-Szenarien umzusetzen: Beispielsweise das Finden und Abrufen von vergleichbaren Objekten (Semantic Information Retrieval), die Entwicklung eines „Langzeitgedächtnis” der KI für das eigene Unternehmen oder das Hinzufügen von aktuellen und relevanten Informationen aus verschiedensten Quellen als breiterer Kontext für die KI. Damit wird SAP HANA Cloud die Ergebnisse, Performance, Skalierbarkeit, Flexibilität und Datenstruktur der generativen KI optimieren. Entwickler:innen können KI-Anwendungsfälle und Geschäftsprozesse des Unternehmens zusammenbringen – eingebettet in die täglich genutzten SAP-Systeme.

Ideale KI-Integration ist „Built-in”

Doch egal um welche KI-Lösung es sich letztlich handelt: Entscheidend ist, dass sie nicht einfach nur ein zusätzliches Modul ist, das auf eine bestehende Anwendung aufgesetzt wird. Bei SAP ist sie vollständig in die SAP-Cloud-Lösungen integriert und bietet den Anwender:innen so den größtmöglichen Nutzen. „Built-in“ eben.

Dieser Beitrag ist bereits älter als 90 Tage. Hier finden Sie die Übersicht neuer Sponsored Articles

.

kommentar field