Die Zahl der Ransomware Attacken ist etwas zurĂĽckgegangen – doch dafĂĽr gehen Hacker nun noch gezielter und deutlich raffinierter vor. AuĂźerdem – so der aktuelle Ransomware-Report 2021 von Sophos – zahlen die Opfer vermehrt Lösegeld, bekommen dafĂĽr ihre Daten allerdings häufig trotzdem nicht zurĂĽck.
Die Opfer einer Ransomware-Attacke sind mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert. Im Zentrum steht meistens die Frage, ob sie Erpressern mit ihren Lösegeldforderungen nachgeben sollen oder nicht. Das Dilemma lässt sich nicht einfach lösen – denn die hohen Geldforderungen der Hacker reißen besonders bei mittelständischen Betrieben ein riesiges Finanzloch. Und dass die Unternehmen nach der Lösegeldzahlung tatsächlich wieder auf ihre Daten zugreifen können, ist alles andere als sicher.
Der „Ransomware-Report 2021“ des Security-Spezialisten Sophos belegt, dass diese Befürchtung nicht aus der Luft gegriffen ist. Wie die Ergebnisse der von dem Marktforschungsinstitut Vanson Bourne unter mittelständischen Betrieben in 30 Ländern vorgenommenen Erhebung zeigen, beißen immer mehr Unternehmen im Worst Case in den sauren Apfel und zahlen Lösegeld – mit steigender Tendenz.
Waren es 2020 noch 26 Prozent, zahlten 2021 schon 32 Prozent der Betroffenen Lösegeld, um wieder an ihre Daten zu kommen. Dabei geht es nicht um Kleckerbeträge, sondern um enorme Summen: Der Erhebung zufolge überwiesen deutsche Unternehmen Hackern im Schnitt 1 Million (!) Euro, um den Schaden nach einem Angriff wieder zu beheben.

Noch schlimmer ist, dass sich das Problem damit häufig nicht aus der Welt schaffen lässt. Vielmehr ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer Lösegeldzahlung wieder auf alle Daten komplett zugreifen zu können, laut der Sophos-Studie eher gering. So erhielten Unternehmen, die Lösegeld bezahlt hatten, im Durchschnitt nur 65 Prozent ihrer Daten zurück. Gerade mal acht Prozent der Opfer konnten ihre Daten danach komplett entschlüsseln. Eine Garantie, dass die Daten wieder vollständig zur Verfügung stehen, gibt es demnach nicht.
Hohes Angriffsniveau – vermehrt Extortion-Attacken
Generell zeigt die Studie, dass sich die Häufigkeit von Ransomware-Attacken nach wie vor auf einem hohen Niveau bewegt. Mehr als jedes dritte mittelständische Unternehmen (37 Prozent) weltweit fiel im vergangenen Jahr einer Ransomware-Attacke zum Opfer. In Deutschland war sogar fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) mit einem solchen Angriff konfrontiert.
Die positive Nachricht ist: Die Tendenz geht nach unten. Die aktuellen Zahlen von 2021 sind niedriger als in den vergangenen Jahren. So waren 2017 weltweit 54 Prozent von einem Ransomware-Angriff und 2020 mit 51 Prozent deutlich mehr als 2021 betroffen. Die Studienautoren führen dies darauf zurück, dass wesentlich mehr Unternehmen Angriffe stoppen konnten, bevor es zur Verschlüsselung ihrer Daten kam – ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich Investitionen in Anti-Ransomware-Technologie bezahlt machten.

Entspannung oder gar Entwarnung ist trotzdem nicht angesagt. Eine genauere Analyse des Angriffsverhaltens zeigte, dass die zurückgehenden Zahlen nicht zuletzt auch eine Folge der zunehmenden Raffinesse der Cyber-Kriminellen sind. So konzentriert sich eine Vielzahl der Hacker mittlerweile nicht mehr auf groß angelegte, automatisierte Attacken, sondern geht vielmehr gezielt und manuell vor – und diese Angriffe haben ein weitaus größeres Schadenspotential.
Noch besorgniserregender ist allerdings, dass es vermehrt zu Extortion-Attacken kommt. Dabei verschlüsseln Hacker keine Daten mehr, sondern drohen mit der Veröffentlichung sensibler Unternehmensinformationen, wenn die Lösegeldzahlung ausbleibt. Extortion-Angriffe sind weniger aufwendig, da keine Ver- bzw. Entschlüsselung erforderlich ist. Dabei treiben Cyberkriminelle ihre Forderungen in die Höhe, indem sie auf die drastischen Geldstrafen hinweisen, die bei einer Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten verhängt werden können.
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Die Angriffe werden also tendenziell weniger, dafĂĽr aber gezielter und lukrativer fĂĽr Hacker – und noch schwerwiegender fĂĽr die Betroffenen.
FĂĽr die Zukunft gehen 65 Prozent der Befragten davon aus, dass sie Opfer von Ransomware werden könnten. Der Rest – etwa ein Drittel – rechnet nicht mit erfolgreichen Angriffen. Von diesen begrĂĽnden 60 Prozent ihren Optimismus damit, dass sie ĂĽber geschultes Fachpersonal verfĂĽgen, das Angriffe abwehren kann. Etwa ein Drittel der „Optimisten“ arbeitet auĂźerdem mit Partnern in einem umfassenden Security Operations Center (SOC) zusammen, die auf Cybersecurity spezialisiert sind.

Positiv ist auch, dass 90 Prozent der befragten Unternehmen über einen Wiederherstellungsplan nach einem Angriff verfügen. Etwa die Hälfte (51 Prozent) hat einen vollständig ausgearbeiteten Plan, 39 Prozent haben diesen bereits teilweise erstellt.
Unzureichender Schutz
Bei den Abwehrmaßnahmen gegen Ransomware zeigen sich allerdings auch bedenkliche Ergebnisse: So vertrauen 55 Prozent der Umfrageteilnehmer, die in nächster Zeit nicht von Angriffen ausgehen, auf einen Sicherheitsansatz, der keinerlei Schutz vor Ransomware bietet. Und 37 Prozent verlassen sich ausschließlich auf Backups – ein probates Mittel zur Datenwiederherstellung, das aber nicht vor Angriffen schützt.
Als Schutz vor Ransomware-Attacken empfiehlt die Studie mehrere Maßnahmen, die im Report ausführlicher erläutert werden:
- Rechnen Sie damit, dass Sie einem Angriff zum Opfer fallen und seien Sie deshalb grundsätzlich vorsichtig
- Sichern Sie Ihre Daten
- Nutzen Sie das Know-how von Security-Experten
- Setzen Sie auf mehrschichtige AbwehrmaĂźnahmen
- Zahlen Sie nie Lösegeld
- Arbeiten Sie einen Wiederherstellungsplan aus.
Die vollständige Studie in deutscher Sprache können Sie hier herunterladen.
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