Raus aus dem Lock-in: So gelingt digitale Souveränität in der Cloud

Cloud-Technologie ist das digitale Fundament der Wirtschaft. Doch der Markt wird dominiert von US-amerikanischen Tech-Konzernen. Wie können europäische Unternehmen digitale Souveränität erreichen, ohne technologisch ins Hintertreffen zu geraten?

Ein Beitrag von Lars Neumann, Senior Vice President T Cloud bei der Deutschen Telekom

Vernetzte Fabriken, weltweiter Online-Handel oder hybride Arbeitsplätze: Eine Wirtschaft ohne Cloud ist heute unvorstellbar. Die Technologie bildet das digitale Fundament fast jeder Branche. Laut aktuellem Cloud-Report des Digitalverbands Bitkom nutzen 86 Prozent der Unternehmen hierzulande bereits Cloud-Dienste, weitere 14 Prozent planen deren Einsatz.

Allerdings gibt es auch ein Problem. Der Anbietermarkt ist sehr verengt und wird von Tech-Konzernen aus den USA dominiert. Rund 70 Prozent des globalen Cloud-Geschäfts läuft aktuell in den Rechenzentren US-amerikanischer Anbieter. Das ist insofern nachvollziehbar, als dass Unternehmen überall auf der Welt die besten Lösungen nutzen wollen. Wohlwissend, dass in deren Entwicklung enorme Summen geflossen sind.

Vom Mindshift zum Actionshift

Diese Marktmacht birgt jedoch auch Risiken. Sie schafft Abhängigkeiten und ist politisch heikel. So erlaubt der US-amerikanische CLOUD Act Heimatschutz- und Justizbehörden den Zugriff auf Daten, die Unternehmen bei Anbietern aus den USA speichern und verarbeiten – selbst, wenn deren Server in Frankfurt oder München stehen. Das BSI empfiehlt in seinen C3A-Kriterien daher ganz klar, dass Unternehmen jederzeit die alleinige technische und rechtliche Hoheit über ihre Daten behalten müssen.

Mit anderen Worten: Europäische Unternehmen müssen raus aus dem Vendor Lock-in. Und das möglichst, ohne technologisch den Anschluss zu verlieren. Wie kann das gelingen?

Die Antwort lautet digitale Souveränität. Laut der Bitkom-Studie „Digitale Souveränität 2025″ messen 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland digitaler Unabhängigkeit bereits heute eine große Bedeutung bei. Der Wille ist da, der Mindshift geschafft. Auch die Technologie ist vorhanden. Multi-Cloud, offene Standards und souveräne Infrastrukturen. Was fehlt, sind Entscheidungen, die dem Anspruch auf Unabhängigkeit Rechnung tragen. Auf den Mindshift muss der Actionshift folgen.

Lars Neumann, Senior Vice President, T Cloud bei der Deutschen Telekom

Wer am schnellsten lernt, gewinnt

Dieser lässt sich nicht über Nacht vollziehen, aber schrittweise umsetzen. Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie tief ist die Abhängigkeit wirklich? Viele Unternehmen unterschätzen, dass sie im Laufe der Jahre Architekturen aufgebaut haben, die sie selbst kaum mehr verstehen. Diese gilt es zu entwirren.

Erst danach folgt die technische Umsetzung – über eine Zielarchitektur auf Basis offener Standards. Anwendung für Anwendung muss geprüft werden: Was lässt sich entkoppeln, was muss neu gebaut werden und was kann vorerst bleiben? Der schwerste Fehler ist zudem Sorglosigkeit bei Neuverträgen. Wer Verträge ohne Exit-Klauseln unterschreibt, baut bereits die nächste Abhängigkeit auf. Deshalb sind Optionen entscheidend, die es ermöglichen, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Zugleich muss die Architektur so dokumentiert werden, dass nicht nur der Anbieter sie versteht.

Soweit die Theorie. In der Praxis stehen sich die Unternehmen jedoch oft selbst im Weg. So herrscht in Deutschland ein Hang zu Perfektionismus. In der physischen Welt, etwa im Maschinenbau, ist das eine Stärke. In der digitalen Welt gelten andere Gesetzmäßigkeiten. Hier gewinnt nicht, wer am längsten plant, sondern wer am schnellsten lernt. Eine 80-Prozent-Lösung, die live ist, ist mehr wert als eine 100-Prozent-Lösung, die nie kommt.

Was Souveränität wirklich bedeutet

Auch die Sorge um regulatorische Hürden bremst viele Unternehmen aus. Dabei könnten sie sich sogar als Vorteil erweisen. DSGVO, NIS-2, Datenhoheit und Schutz geistigen Eigentums werden oft als bürokratische Last abgetan, unter den heutigen Souveränitätsansprüchen könnten sie jedoch plötzlich auch als Qualitäts- und Differenzierungsmerkmal gelten. So wird aus der vermeintlichen Bremse ein neuer Standard.

Europa hat bereits Fahrt aufgenommen. So prognostiziert Gartner für 2027 europäische Sovereign-Cloud-Investitionen von 23 Milliarden Dollar. Zwar lässt sich damit nicht zu den US-Hyperscalern aufschließen. Aber das braucht es auch gar nicht. Genauso wenig wie Abschottung. Souveränität bedeutet nicht Isolation. Es geht nicht darum, sich von US-Cloud-Plattformen zu trennen. Das wäre weder wirtschaftlich noch technologisch sinnvoll. Worum es wirklich geht, ist Wahlfreiheit.

Diese zu erreichen, ist ein fortlaufender Prozess. Wer heute damit beginnt, eine souveräne Architektur aufzubauen, ist morgen besser auf Veränderungen vorbereitet; egal, ob es sich dabei um regulatorische Anpassungen, geopolitische Verschiebungen oder technologische Umbrüche handelt. Das unterscheidet souveräne Unternehmen von abhängigen: Sie haben Optionen, wo andere nur noch reagieren können.

Wer das live erleben will, findet am 8. September auf der DIGITAL X in Köln den richtigen Rahmen: Unter dem Motto „Navigate what’s next“ zeigen die Telekom und mehr als 90 Partner dort, wie digitale Souveränität im Kontext von Cloud, KI, Sicherheit und Konnektivität in der Unternehmenspraxis aussehen kann. In mehr als 100 Masterclasses teilen Expertinnen und Experten ihr Wissen kompakt und praxisnah. Das Programm auf zwei Bühnen ist hochkarätig besetzt – von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern) und Hendrik Wüst (NRW) sowie Ex-Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck über Siemens-CEO Roland Busch und Telekom-Chef Timotheus Höttges bis hin zu Historiker und Autor Yuval Noah Harari, Philosoph Richard David Precht, NATO-Zukunftsforscherin Florence Gaub und Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel. Dazu kommen rund 6.000 Entscheiderinnen und Entscheider, die den digitalen Wandel in ihren Unternehmen verantworten. Beste Voraussetzungen also, um die digitale Transformation gemeinsam voranzutreiben!

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Zum Autor
Lars Neumann ist Senior Vice President T Cloud bei der Deutschen Telekom. Er verantwortet das souveräne Cloud-Portfolio für Geschäftskunden und setzt sich für offene Standards und europäische Alternativen ein. Sein Credo: Abhängigkeit ist kein Geschäftsmodell.

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