Infomaniak kSuite im Test: Cloud-Office mit Datenschutz-Fokus
Unsere Erfahrungen mit dem Cloud-Office kSuite
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Es müssen nicht immer Microsoft Office 365 oder Google Workspace sein: Die US- Lösungen sind zwar bewährte Partner für das Online-Office, für digitale Souveränität und Datenschutz aber nicht die ideale Wahl.
Genau in diese Lücke grätscht der Schweizer Anbieter Infomaniak mit seiner „kSuite”. Die bietet ein vollständiges Cloud-Office mit Kollaborationsfunktionen ähnlich wie bei Google und Microsoft, legt aber großen Wert auf Privatsphäre und Datenschutz. Dazu gibt’s ein E-Mail-Konto und ein Cloud-Laufwerk mit reichlich Speicher – und das in der Basisversion sogar vollständig kostenlos.
Online-Office mit Ethik
Die kSuite ist laut Selbstbeschreibung von Infomaniak eine „ethische Collaboration-Lösung”. Infomaniak betont, dass Daten ausschließlich auf den hauseigenen Rechenzentren verschlüsselt und vollständig DSGVO-konform gespeichert werden. Und dass für den Betrieb ebendieser Rechenzentren ausschließlich erneuerbare Energien zum Einsatz kommen.
Der Mail-Client bietet alles, was das Herz begehrt – und 20 Gratis-Gigabyte!
(Bild: Screenshot)
Nutzer erhalten nach Registrierung bei kSuite schon in der kostenlosen Basisversion lebenslang eine vollwertiges E-Mail-Konto mit 20 Gigabyte Speicher, 15 Gigabyte kDrive-Cloudspeicher und die vollwertige, mit Microsoft Office-kompatible Cloud-Office-Lösung OnlyOffice, die auch Kollaborations-Funktionen bietet.
Tarife & Kosten
Die Dienst- und Tarifstruktur erscheint bei Infomaniak zunächst etwas undurchsichtig: Die kostenlose „my kSuite” richtet sich dabei an Privatanwender und kleine Unternehmen, die einfach Office-Funktionen und Cloud-Speicher benötigen. Wer mehr Speicher für Mails und Cloud braucht, kann für 19 Euro im Jahr auf „my kSuite+“ upgraden: Dann gibt es ein Terabyte Cloudspeicher und unbegrenzten Mailspeicher. Es gibt auch die Option für 6 Terabyte, dann kostet der Dienst günstige 98,18 Euro im Jahr.
Nicht zu verwechseln ist my kSuite mit mit dem kDrive-Tarif: Der ist auf Cloud-Funktionen beschränkt, gibt dafür aber WebDAV-Zugang zur Cloud. Und dann gibt es noch die kSuite Pro für größere Unternehmen und Organisationen, die Cloud-Kontingente und Speicher pro Benutzer erstellt und entsprechend tarifiert. Das Objekt dieses Tests und Tool der Wahl für alle „normalen“ Anwender ist aber zunächst die kostenlose my kSuite; von hier aus können weitere Tarife gebucht werden.
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E-Mail-Adresse mit IMAP-Zugriff und Mail-Import
Während der Registrierung müssen Anwender zunächst ihre kostenlose kSuite-Mail-Adresse erstellen: Infomaniak bietet die Domains „ik.me“, „etik.com“ und „ikmail.com“ als Endung an. Hier sollten Nutzer sich gut überlegen, welche Adresse sie verwenden möchten, eine nachträgliche Änderung ist derzeit nicht möglich.
Diese E-Mail-Adresse dient, ähnlich wie bei Google und Microsoft, nicht nur für den Login, sondern ist Dreh- und Angelpunkt der gesamten kSuite. Infomaniak erlaubt allerdings, später eine weitere E-Mail-Adresse bei einem Drittanbieter für den Login zu verwenden. Zudem kann eine „Notfall-Mailadresse“ für die Kontowiederherstellung vergeben werden. Bereits bei der Registrierung achtet der Dienst auf hohe Passwort-Sicherheit mit vernünftiger Länge, Groß- und Kleinschreibung und Ziffern.
Wer sich registriert, muss ein sicheres Passwort setzen.
(Bild: Screenshot)
Der Freemail-Service ist dabei absolut vollwertig: Vom Spam-Filter, Signaturen und Formatierungen über zahlreiche Filter, IMAP-Zugriff per Mailprogramm bis zur Definition von Alias-Adressen (nur im Bezahltarif) ist alles an Bord, was Nutzer von einem E-Mail-Service erwarten.
Praktisch ist die Import-Funktion für Drittanbieter-Maildienste wie Gmail via Mbox und anderer Dienste via IMAP-Import oder CSV-Datei: kSuite kann auf diese Weise mit wenig Aufwand alle Mails von diversen Freemail-Diensten ins Konto übernehmen. Allein durch die großzügigen 20 Gigabyte Mailspeicher lohnt sich ein my-kSuite-Konto schon für viele Nutzer, die bisher auf andere Freemailer wie GMX oder Web.de gesetzt haben.
15 Gigabyte Cloudspeicher gratis
Insgesamt 15 Gigabyte Cloudspeicher im Gratis-Tarif sind für die sichere Aufbewahrung der wichtigsten Dokumente ausreichend. Große Medienarchive oder andere datenintensive Sicherungen sind damit jedoch nicht möglich. Anders als der separate kDrive (Test) von Infomaniak erlaubt der Cloudspeicher in der my kSuite keinen WebDAV-Zugriff. Eine einfache Anbindung per NAS (etwa FritzNAS) oder Microsoft Explorer oder Mac-Finder ist damit nicht möglich. Wer die Cloud direkt auf dem Desktop oder dem Smartphone/Tablet anbinden will, ist mit my kSuite also auf die kostenlose kDrive-App angewiesen. Allerdings ist die Web-Oberfläche der kSuite sehr gelungen: In vielen Fällen reicht es aus, diese zu verwenden.
Die App ist notwendig, wenn das kDrive mit dem Rechner synchronisiert werden soll.
(Bild: Screenshot)
Nimmt man ein kostenpflichtiges Upgrade auf ein oder sechs Terabyte Speicher vor, dann bietet die Cloud Speicher satt für alle Archivierungszwecke. Wie beim Mail-Service erlaubt auch die Cloud-Funktion den Import von anderen Diensten wie OneDrive oder Dropbox. Alternativ können die Daten natürlich auch einfach mit den jeweiligen Desktop-Apps verschoben werden. Wie beim Mailservice gilt außerdem: Die Cloud ist frei von Hürden. Wer jemals andere Cloud-Dienste genutzt hat, findet sich sofort zurecht und kann bei Bedarf Dateien und Ordner freigeben. Zum Teilen gibt es öffentliche Links, mit denen auch Nutzer ohne Infomaniak-Konto Dateien aus der Cloud laden können. Öffentliche Sammel-Ordner, über die sich etwa nach einer Veranstaltung bequem Fotos von den Teilnehmern einsammeln lassen, gibt es jedoch nicht.
Schade ist das Fehlen einer Zero-Knowledge-Verschlüsselung. Zwar verschlüsselt Infomaniak die Daten beim Transport und auf den eigenen Servern, eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung oder einen separat per Passwort geschützten Tresor-Bereich gibt es jedoch nicht. Wer wirklich sensible Daten im kDrive sichern will, ist also auf Drittanbieter-Tools wie Cryptomator (Gratis-Download) angewiesen. Damit präsentiert sich die Infomaniak-Cloud solide, preiswert und mit hohem Datenschutz-Niveau.
Kollaboration mit dem kSuite Online-Office
Dokumente, die in die Cloud geladen werden, können im Online-Office im Browser angeschaut werden. Eine eigene App für den Desktop oder Smartphones gibt es zum Testzeitpunkt nicht. My kSuite ist dabei in der Lage, nicht nur PDF-Dateien, sondern auch alle Arten von Microsoft-, Open-Office- und LibreOffice-Dateien anzuzeigen. Allerdings arbeitet das in der kSuite verwendete OnlyOffice hauptsächlich mit Microsoft-Formaten wie XLSX oder DOCX.
Mediendateien wie MP3/MP4 und allerlei übliche Bilddateien wie JPEG können ebenfalls abgespielt werden. Was jedoch fehlt, ist eine Möglichkeit, Playlisten zu erstellen oder mehrere Songs oder Videos hintereinander wiederzugeben – hier sind andere Dienste mitunter besser aufgestellt.
Es kann bei der Wiedergabe zu Darstellungsfehlern kommen.
(Bild: Screenshot)
Die Anzeige von Office-Dateien gelingt in der Regel gut: My kSuite zeigte auch komplexe Tabellen und Office-Dokumente sowie Power-Points ordentlich an. Es kann aber vorkommen, dass Schriftarten nicht verfügbar sind und OnlyOffice dann Standard-Schriftarten einsetzt. Zudem kann es zu Darstellungsfehlern wie abgeschnittenem Text kommen. Das ist bei Online-Office-Lösungen dieser Art leider oft der Fall ist: Wer auf Nummer sicher gehen will, kommt am Original-Office leider nicht vorbei. Kurioserweise waren die Fehler nur bei der Wiedergabe, aber nicht im Editor sichtbar. Letzterer bietet eine hervorragende Online-Office-Oberfläche.
Der leistungsstarke Editor ist eine hervorragende Alternative zu anderen Office-Lösungen.
(Bild: Screenshot)
Vorhandene Dateien im kDrive können bequem mit einem Klick für die gemeinsame Bearbeitung freigegeben werden. Andere Nutzer müssen dafür ebenfalls über ein Infomaniak-, also kSuite-Konto verfügen; hier reicht aber immer die Gratis-Version. Der Editor erlaubt die simultane Live-Bearbeitung von Office-Dokumenten inklusive Versionierung und Chat. Dadurch ist es ein Leichtes, sich mit den Kollegen abzustimmen und gemeinsam Dokumente zu erstellen und zu bearbeiten. Bei Bedarf können fertige Dateien anschließend im Microsoft-Format für die weitere Verwendung exportiert werden. Das ist ausgesprochen praktisch, zumal der Editor ausgezeichnete Bearbeitungsmöglichkeiten bietet: Hier ist das verwendete OnlyOffice auf hohem Niveau und eine echte Alternative zu den Platzhirsch-Produkten aus den USA.
Weitere Funktionen: KI, Messenger, Videochat
Für eine reibungslose Zusammenarbeit bietet die kSuite noch eine Reihe von Hilfsmitteln an: Sie besitzt einen integrierten Videochat namens kMeet, einen Messenger, der auch während der Kollaboration zum Einsatz kommen kann und einen Kalender. Alle diese Dienste sind auf dem ausgereiften Niveau, das im Office-Alltag benötigt wird. Ebenfalls an Bord sind die KI Euria (Test) und der Filesharing-Dienst SwissTransfer (Test). Bei Euria ist das kSuite-Gratiskonto zwingend, um die KI im Experten-Modus betreiben zu können.
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Fazit: Alltagstaugliches Online-Office aus Europa
Infomaniak zeigt mit der kSuite, dass ein modernes Cloud-Office kein Datenschutz-Risiko darstellen muss. Die Schweizer liefern eine praxistaugliche und ethische Alternative zu US-Diensten wie Microsoft 365 oder Google Workspace. Bereits die Gratis-Version bietet mit 20 GB Mail- und 15 GB Cloud-Speicher ungewöhnlich viel Ausstattung, punktet zudem mit Import-Funktionen.
Schwächen zeigen sich im Detail: Wer hohe Systemintegration via WebDAV oder Zero-Knowledge-Verschlüsselung sucht, muss manuelle Umwege gehen oder kostenpflichtige Tarife wählen. Auch bei der Anzeige sehr komplexer Microsoft-Dokumente sind vereinzelte Layout-Fehler nicht völlig ausgeschlossen.
Insgesamt ist die kSuite eine Empfehlung für Privatanwender, Freiberufler und kleine Teams, die eine Komplettlösung ohne US-Abhängigkeit suchen.
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