Linux auf dem Smartphone nutzen - so klappt's

Linux lässt sich auf unterschiedliche Weise auf dem Smartphone nutzen - auch wenn es nicht ganz trivial ist. Wir zeigen Ihnen im Folgenden, welche Möglichkeiten es gibt und wie man Linux auf dem Smartphone nutzt.

Übersicht der Möglichkeiten

Smartphones sind im Grunde ziemlich leistungsfähige, kleine Computer. Und Android ist im Grunde nichts weiter als eine (sehr spezielle) Linux-Distribution. Was liegt da näher, als eine normale Linux-Distribution auf dem Smartphone zu nutzen? Ganz so einfach ist das aber leider nicht.

Es gibt alternative Betriebssysteme für Smartphones, Linux kann als App laufen oder als Remote Desktop und alternativ können Sie auch einfach nur Linux-Tools auf der Kommandozeile nutzen. Alles hat seine Vor- und Nachteile.

Linux als Betriebssystem

Der Wunsch nach einem "richtigen" Linux-Smartphone ist nicht so ganz einfach zu befriedigen. Das wohl vielverpsrechendste System mag Ubuntu Touch sein, das Android tatsächlich komplett ersetzt. Die Installation funktioniert über einen geführten Installationsassistenten ganz simpel, aber das Problem erscheint auf der Seite "Devices": Hier werden die kompatiblen Geräte gelistet. Und das sind derzeit: OnePlus One, Fairphone 2, Nexus 4/5, zwei Meizu- und drei bq-Geräte; zudem wird das Moto G von 2014 als "Community Device" aufgeführt.

Ähnlich sieht die Situation bei anderen Ansätzen aus, echte Linux-Smartphones gibt es bestenfalls nur bei einzelnen (seltenen) Geräten. Das gilt auch für das Librem 5, das sich allenfalls vorbestellen lässt.

Linux als App

Linux kann aber auch als App direkt unter Android laufen - und das Beste: Ohne Root! Zwei Optionen wollen wir Ihnen zeigen: Debian noroot und die Kombination GNURoot Debian und XServer XSDL. Erstere App stellt das eigentliche Linux-System zur Verfügung und die Zweite sorgt dafür, dass dessen Desktop-Umgebung auf dem Display landet.

Debian noroot läuft mit wenigen Klicks - aber nicht wirklich rund.

Die Variante mit der App Debian noroot ist trivial einzurichten: Installieren Sie die App, warten Sie unter Umständen einige Minuten und schon poppt ein typischer Linux-Desktop auf. Leider funktioniert hier vieles nicht, zumindest auf einigen Geräten. Zudem ist das Tool, jedenfalls hier auf einem Honor 6X, extrem langsam. Im Grunde taugt es nur, um schnell mal einen Blick auf ein Linux zu werfen.

Die zweite Variante läuft deutlich zuverlässiger und schneller, muss aber etwas aufwändiger eingerichtet werden. Installieren Sie zunächst die beiden Apps aus Google Play. Anschließend starten Sie XServer XSDL. Die App zeigt zunächst nur einen blauen Bildschirm mit Befehlen, die in der anderen App eingegeben werden sollen.

Wechseln Sie zu GNURoot Debian. Hier haben Sie bereits das laufende Debian, aber eben noch ohne jegliche grafische Oberfläche. Zunächst aktualisieren Sie das System mit folgenden Befehlen:

apt-get update
apt-get upgrade

Ein wenig Vorarbeit im Terminal von GNURoot Debian muss leider sein.

Anschließend installieren Sie die Desktop-Umgebung LXDE, die "Audio-Ausgabe" (pulseaudio) und den grafischen Paketmanager Synaptic, um später Software ohne den Terminal installieren zu können:

apt-get install lxde pulseaudio synaptic

Zu guter Letzt müssen Sie GNURoot Debian noch mitteilen, wo Grafik- und Audio-Output landen sollen, was über den Befehl "export" funktioniert. Als Adresse geben Sie die IP des Smartphones an, im Beispiel die "192.168.178.89". Die können Sie über Ihren Router auslesen, über viele Netzwerk-Apps oder direkt in GNURoot Debian über den Befehl "ip a". In der etwas unübersichtlichen Ausgabe finden Sie die IP unter dem Abschnitt "default".

export DISPLAY=192.168.178.89:0
export PULSE_SERVER=tcp:192.168.178.89:4712

Nun können Sie endlich zu XServer XSDL wechseln - wo Sie ein LXDE-Desktop erwarten sollte. Ein Tipp für beide Varianten: Wenn Sie das Smartphone-Display über Chromecast auf einen Monitor senden und dann noch Maus/Tastatur über einen USB-OTG-Adapter an das Smartphone koppeln, haben Sie im Grunde einen kompletten Desktop-Rechner. Wenn auch nicht den Schnellsten.

In dieser Variante läuft der Desktop eigentlich sehr flüssig, auch auf Nicht-Highend-Smartphones.

Linux als Remote-Desktop

Wenn es nur darum geht, Linux zum Beispiel unterwegs nutzen zu können, gibt es natürlich immer auch die Variante Remote Desktop: Linux läuft daheim zum Beispiel auf der NAS und Sie lassen einfach den Desktop rein grafisch übertragen. Das ist bisweilen ziemlich ruckelig und nichts für den Alltag, aber zumindest können Sie so auch rechenaufwändige Aufgaben erledigen, schließlich muss das Smartphone nur das Bild darstellen, kein zweites Betriebssystem betreiben. Im Heimnetzwerk ist das Setup auch sehr schnell aufgesetzt: Auf dem Linux muss ein VNC-Server laufen und auf dem Smartphone ein VNC-Viewer.

Auf dem Linux können Sie zum Beispiel den x11vnc Server über "apt-get install x11vnc" installieren und anschließend mit "x11vnc" starten. Unter Android bietet sich etwa der VNC Viewer an: Einfach installieren, eine neue Verbindung erstellen, die IP-Adresse des Linux-Rechners angeben und schon landet der Desktop auf dem Smartphone. Aber Vorsicht: Das ist keine sichere Verbindung - x11vnc weist Sie nach dem Start darauf hin und auch der Viewer meldet sich diesbezüglich. Hinweise zur Absicherung mittels Passwort liefert x11vnc in der Meldung gleich mit. In einem Netzwerk, in dem sich auch andere Nutzer befinden, sollten Sie diese Variante aber nur nutzen, wenn Sie allen Teilnehmern vertrauen können. Oder Sie eignen sich tiefergehende Kenntnisse in Netzwerksicherheit an.

Kompliziert wird es, wenn diese Linux-unter-Android-Variante über das Internet funktionieren soll: Damit Ihr Heimnetzwerk überhaupt immer von außen erreichbar ist, müssten Sie Dynamisches DNS einrichten. Kurz gesag ist das ein Dienst, der es ermöglicht, dass eine Adresse wie zum Beispiel "meinrechner.dynmischer-dns-anbieter.de" immer auf die aktuelle IP Ihres Routers verweist. Diese IP ändert sich nämlich, je nach DSL-Provider mal häufiger mal weniger häufig - aber sie ist eben nicht fix. Aber Dynmisches DNS ist wieder ein eigenes Thema.

Ein entfernter Desktop - arbeiten lässt sich damit aber auch.

Alternativ: Linux-Tools

Wenn Ihnen das alles zu viel Aufwand ist und Sie eigentlich nur ab und an einen Linux-Terminal brauchen, geht es natürlich auch ohne eine komplette Linux-Distribution. Ein wunderbares Tool, das auf keinem Android-Smartphone fehlen sollte, ist die kostenlose App Termux. Termux ist ein Terminal-Emulator, der gleich eine ganze Reihe typischer Linux-Tools mit sich bringt. Im Grunde lässt sich genauso arbeiten, wie vor dem heimischen Rechner. Ein ganz triviales Beispiel: Über den Befehl "htop" lässt sich ein grafisch aufbereiteter Taskmanager aufrufen, der ziemlich genau Auskunft darüber gibt, wie es um die Verwendung der Systemressourcen steht.

In dem Terminal können Sie auch nach Herzenslust skripten und automatisieren. Und da lohnt es sich, auch die Termux-Erweiterungen, allen voran Termux:API zu installieren. Die API-Funktion gewährt Termux Zugriff auf die Hardware-Features, also beispielsweise Vibration, Kamera oder GPS-Daten. Und so ließen sich etwa Skripte erstellen, die GPS-Daten auswerten und das Gerät vibrieren lassen, wenn etwa ein bestimmter Punkt erreicht ist.