So nutzen Sie iCloud mit Android

Sie haben ein MacBook auf dem Schreibtisch, aber ein Android-Smartphone in der Tasche? Die Kombination aus Apple- und Google-Hardware ist alles andere als selten. Leider gestaltet es Apple nach wie vor schwierig, seine iCloud-Dienste unter Android zu nutzen. Wer seine Kontakte, Termine und Mails lieber bei Apple als bei Google lagert, muss diese über Umwege auf seinen Androiden holen. Bis Apple ein Herz für Android-Fans zeigt und den Abgleich erleichtert, helfen unsere Tipps bei der Nutzung von iCoud mit Android.

iCloud-E-Mails unter Android abrufen

Die einfachste Möglichkeit, iCloud-Dienste unter Android zu nutzen, bietet der Apple-E-Mailservice. Eine "xyz@icloud.com"-Adresse lässt sich unter Android mit jeder beliebigen E-Mail-App abrufen. Die einzige Voraussetzung: Sie müssen ein so genanntes "anwendungsspezifisches Passwort" einrichten. Ihr "normales" iCloud-Passwort funktioniert nicht. Die notwendigen Schritte zur Einrichtung eines anwendungsspezifischen Kennworts für Apple-Dienste finden Sie hier: https://support.apple.com/de-de/HT204397.

Für den Abruf von iCloud-E-Mails unter Android benötigen Sie ein anwendungsspezifisches Passwort.

Anschließend können Sie die iCloud-E-Mail mit jeder Mailapp abrufen. Viele Apps erkennen die iCloud-Servereinstellungen dabei automatisch, beispielsweise Blue Mail oder Outlook für Android. Hier loggen Sie sich einfach mit Ihrem iCloud-Benutzernamen und dem erstellten Passwort ein. Alternativ dazu müssen Sie einen eigenen IMAP-Account einrichten. Dabei verwenden Sie die folgenden Daten:

  • Servername: imap.mail.me.com
  • SSL erforderlich: Ja (sollte das nicht funktionieren, wählen Sie alternativ TLS)
  • Port: 993
  • Benutzername: der Namensteil vor "iCloud.com" (also "jondoe" statt "jondoe@icloud.com")
  • Passwort: Ihr anwendungsspezifisches Passwort (s. oben)

Beim Postausgangsserver geben Sie die folgenden Daten ein:

  • Servername: smtp.mail.me.com
  • SSL erforderlich: Ja (bei Problem nutzen Sie alternativ TLS oder STARTTLS)
  • Port: 587
  • SMTP-Authentifizierung erforderlich: Ja
  • Benutzername: Ihre vollständige iCloud-E-Mail-Adresse (z. B. jondoe@icloud.com, nicht nur jondoe)
  • Passwort: Ihr anwendungsspezifisches Passwort (s. oben)

Mit diesen Daten können Sie künftige Ihre E-Mails von iCloud unter Android abrufen.

Viele E-Mail-Apps für Android kommen ohne besondere Einstellungen mit iCloud-Mails zurecht.

Kontakte und Kalender von iCloud zu Android synchronisieren

Was bei E-Mails noch recht einfach ist, wird bei Kontakten und Terminen zum Problem. Eine direkte Synchronisation mit den Standardkalendern oder der Kontakte-App von Android ist de facto nicht möglich. Zwar bieten viele Hersteller die Möglichkeit, die Daten bei der ersten Einrichtung des Smartphones zu importieren, eine echte Synchronisation ist aber mit Android-Bordmitteln nicht möglich.

Glücklicherweise gibt es im Google Play Store eine Reihe von Apps, die die Synchronisation der iCloud-Daten mit Android ermöglichen. Im Test überzeugen uns die Apps von Mike Dev. Die gibt es in Form von "iCalender Sync Cloud" für den iCloud-Kalender und "Sync Contacts Cloud" für die Kontakte als werbefinanzierte Gratis-Versionen. Die Einrichtung ist in beiden Fällen einfach: Nach dem Start müssen Sie den Apps jeweils Zugriff auf Ihre Kalender bzw. die Kontakte geben. Anschließend loggen Sie sich mit Ihren iCloud-Zugangsdaten ein, wobei Sie wieder ein anwendungsspezifisches Kennwort (s. oben) verwenden müssen.

Sie können genau bestimmen, welche Daten abgeglichen werden und wie oft das passieren soll.

In Zukunft laufen die Apps im Hintergrund, ohne dabei viele Systemressourcen zu belegen. Sämtliche Änderungen, die Sie auf dem Smartphone vornehmen, werden regelmäßig mit dem iCloud-Datenstamm abgeglichen und umgekehrt. Beachten Sie, dass die Synchronisation nicht in Echtzeit stattfindet. In den Einstellungen der Apps können Sie aber einstellen, wie oft die Daten mit den Apple-Servern abglichen werden sollen. Außerdem können Sie hier auch noch bestimmen, welche Kalender und Kontaktgruppen in die Synchronisation einbezogen werden.

Änderungen am Kalender oder den Kontakten erfolgen im Hintergrund.

Der Entwickler bietet auch eine kostenpflichtige Version seiner iCloud-Synchronisations-App an. Für einen Preis von 1,49 Euro vereint diese nicht nur die beiden Sync-Funktionen in einer Oberfläche, sie kommt auch ohne nervige Werbung aus. Sie finden "Sync Contact & Calendar Cloud" im Google Play Store unter diesem Link: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.mike.icloud.sync. Wie bereits erwähnt gibt es im Play Store noch jede Menge andere Möglichkeiten, Kontakte und Kalender mit iCloud abzugleichen. Insgesamt haben uns die vorgestellten Lösungen aber am besten gefallen.

Rund 1,50 für die zuverlässige Synchronisation von Kontakten und Kalendern mit iCloud - ein fairer Preis.

Was ist mit Notizen, iWorks und Co.?

Apples iCloud bietet mit den Notizen, Erinnerungen und natürlich der Office-Suite iWorks noch weitaus mehr Funktionen. Als Android-Nutzer schauen Sie hier aber größtenteils in die Röhren. Während die Dienste beispielsweise nahtlos auf Mac, iPhone und iPad verzahnt sind, schließt Apple das Google-System weitgehend aus. Auch Apps aus dem Play Store, die den Zugriff auf Pages, Apple Notizen und Co. versprechen, sind in der Regel keine Hilfe und zum Teil sogar gefährlich. So verspricht beispielsweise "Cloud-Browser" den reibungslosen Zugriff auf iCloud, nach Eingabe eines (zum Glück nur für Testzwecken) angelegten Kontos landeten wir aber auf einer Werbeseite - wo genau das eingegebene Passwort gelandet ist, werden wir wohl nie erfahren.

Finger weg von solchen Apps!

Es gibt jedoch zumindest eine rudimentäre Lösung, um Daten auf Apples iCloud unter Android zu sehen: Besuchen Sie die iCloud-Homepage mit einem Android-Browser und fordern Sie die Desktop-Version an. Bei Google Chrome öffnen Sie die dazu die Einstellungen über die drei Punkte und wählen die Option "Desktop-Version anfordern". Nun erscheint die iCloud-Homepage so, wie Sie sie vom Mac- oder PC-Browser her kennen. Loggen Sie sich jetzt mit Ihren Standard-Zugangsdaten ein (hierfür benötigen Sie kein anwendungsspezifisches Kennwort), kommen Sie an die Online-Dienste von Apple.

Die iCloud-Dienste funktionieren über Umwege auch im Android-Browser. Wirklich Spaß macht das aber nicht.

Die werden allerdings auf dem Smartphone-Display genauso dargestellt, wie an einem Desktop-Browser. Soviel sei verraten: Spaß macht die iCloud-Nutzung über den Minibrowser nicht, vor allem die Bearbeitung der Daten ist eine Qual. Um einen kurzen Blick auf eine Apple-Notiz oder ein Pages-Dokument zu werfen, eignet sich der Umweg aber im Notfall. Selbst Apples Cloudspeicher iCloud Drive ist auf diese Weise erreichbar, im Vergleich zu Diensten mit nativer App leidet der Komfort aber enorm.

Mittelfristig empfiehlt es sich daher, für systemübergreifende Apps nach Alternativen Ausschau zu halten. Ein Beispiel dafür ist die App Standard Notes: Die Notiz-App arbeitet sowohl auf dem Mac als auch unter Android und speichert Notizen verschlüsselt und synchronisiert sie sauber zwischen den Geräten.