„Kleinster Rechner mit erstaunlicher Erweiterbarkeit“

Nach dem Auspacken habe ich direkt einen Schraubenzieher in die Hand genommen und beide Seitenfenster (oben und unten) abgeschraubt. Da ich bisher noch nie einen PC mit diesem kleinen Formfaktor besaß und auch schon den ein oder anderen Mini-ITX Build hinter mir hatte, war ich sehr an der inneren Anordnung interessiert.

Von Till Heinzerling

Mein allererster Eindruck fällt sehr positiv aus: Der zentrale Lüfter ist mit einem Plastikring zwecks (optimaler) Luftführung direkt an die obere Wabenöffnung und somit an Frischluft angebunden.

Geliefert wurde der MSI PRO DP20Z 5M direkt von MSI mit einem 8-GB-RAM-Riegel, ein Slot bleibt für Erweiterungen frei. Bekommen habe ich die Variante mit AMD 5600G und somit sechs Kernen (zwölf Threads), 3,8 GHz und einer 256-GB-SSD. Interessanterweise war der serielle Port nicht standardmäßig installiert, das macht sich wohl nicht mehr so gut auf Produktbildern. Da ich dafür aber mehrere Anwendungen sah, ging es direkt zur Installation. Hier sollte mir eindrücklich die Kompaktheit des Systems vergegenwärtigt werden. Mit Zange gelang das Einstecken des COM-Headers letztlich aber doch.

Ansonsten ist zum Inneren noch Folgendes zu sagen:

Man kann insgesamt zwei (dünne) SATA-Festplatten unterbringen und zusätzlich zwei NVME-SSDs. Das war von der Website zumindest für mich nicht klar ersichtlich: „STORAGE: M.2-2280 M-KEY, (256GB*1) 256GB, 2, 1, 2, 2“

Positiv ist zudem der ausschließliche Gebrauch von Feststoff-Kondensatoren zu erwähnen. Bei einem Arbeitsrechner ist dies auch durchaus sinnvoll. Auch fällt auf, dass die WLAN-Karte (Intel Wi-Fi 6 AX200) zumindest austauschbar ist. Das kann für einen Hackintosh durchaus Sinn machen. Leider fällt diesbezüglich das natürlich fest auf dem Mainboard verlötete Realtek Gigabit Ethernet negativ auf. Zudem scheint die AMD-Plattform generell kein Freund von Hackintoshs zu sein.

Schluss mit den trockenen Fakten, let‘s rumble

Nach dem erneuten Kampf mit Ekel durch den Einrichtungsassistenten (Windows 10!) präsentiert sich das System mit Papierkorb und Chrome-Download-Behelfstool: Microsoft Edge. Hätte ich für den Rechner bezahlt, würde ich mich direkt über die bezahlte, aber für den angedachten Einsatzzweck in Kubernetes irrelevante Windows-10-Home-Lizenz ärgern.

Als erstes mache ich einen Ausflug in die installierten Programme und entdecke das MSI-Center. Beim Öffnen muss man, wie soll es in der heutigen Zeit auch anders sein, der Datenweitergabe zustimmen. Ich bleibe fair und stimme zu. Ein kurzer Abstecher in die Einstellung, und schon ist dem Sammeln von Daten widersprochen. Im MSI-Creator kann man wohl mit AI-Funktionen der APU oder CPU seine Bilder mit Tags versehen.

Ich mache ein schnelles Backup auf einen USB-Stick über die bereitgestellte Funktion. Der Lüfter ist zwar nicht laut, aber doch direkt auf dem Schreibtisch hörbar. Das kann jetzt an der Dachgeschosswohnung und der prallen Sonne liegen, dennoch entscheide ich mich unter Features für den Silent-Modus. Den Custom-Modus braucht man sich nicht weiter anzuschauen: „This CPU does not support CPU Ratio adjusting“, „This Motherboard does not support Base Clock adjusting“. Dennoch lässt sich mit Programmen wie Project Hydra noch etwas aus den Kernen rauskitzeln. Doch dazu mehr im ausführlichen Review.

Arbeitsplatz in der Heimat. Es ist zwar kein Laptop, den man zuklappt und mitnimmt. Für mich ist es eine mobile Virtualisierungslösung und aktuell ad-hoc der Host für meine Arbeitsumgebung. Die boote ich bequem mit Windows-2-Go von einer USB3 SSD.

Energieverbrauch

Das erste Mal staunen musste ich beim Stromverbrauch: An meiner mobilen Ecoflow-Delta-Mini-Solarstation stehen 17 Watt Stromaufnahme im Silent-Modus im Leerlauf. Das bedeutet konkret, dass in einem späteren Camper-Szenario hier ein Einsatz durchaus auch infrage käme. Wie viel hier im Schnitt tatsächlich pro Stunde anfällt, muss ein Test unter Realbedingungen zeigen. Mit Windows kann/will ich nicht arbeiten. Da es sich hier jedoch um eine recht junge Prozessorgeneration handelt, schwelgt mir aber im Hinterkopf auch schon die Nachlässigkeit von AMD bezüglich Stromsparfunktionen im Linux-Kernel.

Schaltet man im MSI-Center um auf „Extreme Performance“, steigt die Stromaufnahme auf 55 Watt mit Furmark und Prime95. Wenn man in Windows die Energieoptionen auf „AMD Ryzen High Performance“ stellt, steigt die Stromaufnahme dann aber zusätzlich auf 85 Watt. Für ein Worst-Case-Estimate bezüglich Akkukapazität schon mal nicht schlecht. Mein Akku zeigt hier 6,5 h. Dann wird jedoch die CPU über die Dauer auch schnuckelige 85 °C warm.

Zeitgemäße Technologie: Fehlanzeige

Etwas, das man MSI nicht primär anlasten kann, sind aus meiner Sicht zeitgemäße, aber fehlende Features wie Remote Management, 10 Gbit Lan, USB4 aka. Thunderbolt. Für mich ist es wichtig, Geräte über eine offene Schnittstelle ansprechen zu können. Dass dafür der Rechner und das Betriebssystem laufen müssen, ist schade. Lösungen wie IPMI gibt es bereits, warum also nicht Hardware ad-hoc hochfahren können, zum Beispiel über Rest-API. Eine Hybrid-Cloud, die Ressourcen zum Beispiel anhand des Batteriestands oder des Sonnenstroms dazu- und wegschalten kann, fallen sonst flach.

Für mich mit einem 5k-Monitor mit zwei benötigten Kabeln zudem schade: Man braucht zwei DisplayPorts. Das könnte man mit Adaptern kompensieren, leider fehlt dem Rechner jedoch Thunderbolt.

Andere Dinge, die mir aufgefallen sind

Zum einen sorge ich mich etwas um die Temperaturen meiner SSDs. Nach dem anfänglichen Nutzen der mitgelieferten SSD habe ich mich recht schnell entschlossen, diese gegen meine Synology Write-Cache SSD Samsung 970 Pro auszutauschen. Die 256 GB SSD läuft nun als Read-Cache darin weiter. Da jedoch die zweite Festplatte auf der Rückseite des Mainboards installiert wird, bekommt diese wohl nicht genug Luft und ist im Schnitt rund 10 °C wärmer als die baugleiche SSD auf der Vorderseite.

Der hintere SSD-Steckplatz soll vermutlich eher zu Back-up-Zwecken dienen, nicht im Raid-Verbund.
Zudem war keine Schraube für die zweite SSD mitgeliefert. Als ich das in einem Review im Internet gelesen habe, habe ich noch gelacht. Nachdem ich eine halbe Stunde nach einer Schraube mit passendem Gewinde gesucht hatte, jedoch nicht mehr.

Mein eigentlicher Anwendungszweck

Ich bin noch zwiegespalten, ob ich den Rechner ohne Display als Proxmoxx Server für diverse VMs verwende. Hier wäre der Vorteil ein einfaches Aufsetzen eines ZFS-Mirrors, um dann verschiedene VMs zu hosten. Kubernetes Worker und Master würden hier also zusammen mit den anderen Hardware-Nodes (Raspberry Pi & Threadripper) laufen. Das PiHole verwendet aktuell einen dedizierten Raspberry, das würde ich dann in eine VM migrieren.

Nachteilig wirkt sich hier die integrierte APU aus, die sich nicht ohne Weiteres virtualisieren lässt. Alternativ setze ich einen Worker nativ auf Ubuntu auf und verzichte auf einen Raspberry Pi für das Cluster zwecks DNS.

Da der Rechner mit seinen schnellen Kernen bestimmte Data-Science-Workloads stark begünstigen wird und ich manche Docker-Dienste von meiner Synology Station endlich in Kubernetes migriert habe, steht anschließend umfangreichen ETL-Strecken nichts mehr im Weg. Auch die APU ließe sich dann theoretisch in Machinelearning-Workloads mit einem geeigneten Operator nutzen.

Was man sich bei Dateisystemen wie ZFS natürlich wünscht, ist ECC-RAM, das ist leider auf dieser Plattform wohl nicht möglich. Persistente Daten würden aber sowieso auf NFS-Shares liegen.

Klar ist in beiden Anwendungsfällen jedoch: 8 GB RAM werden niemals reichen, 64 GB sind schon bestellt.

Fazit

Die Maschine macht definitiv Spaß und kann selbst Dinge bewerkstelligen, die man ihr erstmal nicht zumuten würde. Ich hatte in ersten Tests schon komplett ein Kubernetes darauf virtualisiert. Der Flaschenhals war hier aber natürlich sofort der RAM, die CPU lief selbst mit drei Master Nodes + Worker im Ruhezustand bei zehn Prozent Auslastung. Was man aber definitiv lassen kann, sind Spiele. Dafür ist die APU zu schwach. Ob ich mich für diesen Rechner entschieden hätte, wenn ich dafür bezahlt hätte: Im Nachhinein gut möglich, im Vorhinein wahrscheinlich nicht.

Mehr Eindrücke von Till Heinzerling zum MSI-PC mit AMD-Prozessor gibt es im ausführlichen Testbericht.

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