Android-Virus entfernen - so klappt's
Das Smartphone verhält sich komisch? Vielleicht haben Sie einen Virus! Und so wird man ihn wieder los.
- Cornelia Möhring
Wenn Sie unter Android Probleme mit Viren haben, ist die Sorge schnell groß - aber Sie können so eine Pest auch wieder loswerden. Im Folgenden erklären wir Ihnen, welche Maßnahmen Sie im Notfall unbedingt ergreifen sollten.
- Schadsoftware unter Android verstehen
- Problem identifizieren
- Fehlalarm durch Browser-Tricks unterscheiden
- Entfernung ĂĽber den abgesicherten Modus
- SicherheitsmaĂźnahmen nach der Bereinigung
- Prävention: Drittanbietersperre beim Mobilfunkanbieter
Schadsoftware unter Android verstehen
Wenn von Viren auf dem Smartphone gesprochen wird, ist meist etwas anderes gemeint. Klassische, sich selbst vervielfältigende Viren existieren unter Android im Grunde nicht. Der Begriff Virus wird heute als Sammelbezeichnung für Malware verwendet, also für jede Form schädlicher Software. Unter Android handelt es sich dabei fast ausnahmslos um schädliche Apps.
Android unterscheidet sich grundlegend von Systemen wie Windows. Anwendungen laufen isoliert voneinander in sogenannten Sandboxes. Eine App kann nicht ohne explizite Erlaubnis auf Daten anderer Programme zugreifen oder im Hintergrund weitere Software installieren. Das Hauptrisiko sitzt daher meist vor dem Bildschirm: Häufig werden schädliche Apps von Nutzerinnen und Nutzern selbst installiert, indem Täuschungen, gefälschte Webseiten oder gefälschte App-Bewertungen Vertrauen vorgaukeln.
Zur Vorbeugung ist Achtsamkeit der beste Schutz. Prüfen Sie vor jeder Installation genau, welche Berechtigungen gefordert werden. Ein einfaches Spiel benötigt weder Zugriff auf Ihre Kontakte noch auf Ihre SMS oder das Mikrofon. Google Play Protect scannt Apps bereits vor dem Herunterladen und prüft installierte Anwendungen regelmäßig im Hintergrund. Dennoch empfiehlt es sich, maximale Vorsicht bei der Installation von APK-Dateien aus externen Quellen walten zu lassen.
Problem identifizieren
Android zeigt nicht von selbst eine Warnmeldung an, dass eine schädliche App aktiv ist. Oft machen sich Schadprogramme jedoch durch typische Symptome bemerkbar.
Eine ungewöhnlich hohe Akkubelastung, eine starke Erwärmung des Geräts im Leerlauf oder ein plötzlich stark angestiegener Datenverbrauch können Hinweise sein. Auch ungewollte Benachrichtigungen, ständige Pop-up-Werbung außerhalb des Browsers oder unerklärliche Systemruckler deuten auf unerwünschte Aktivitäten hin.
Wenn Sie einen Verdacht hegen, sollten Sie in den Systemeinstellungen den Akku- und Datenverbrauch der einzelnen Anwendungen prüfen. Taucht dort eine App auf, die Sie nicht kennen oder die ungestört im Hintergrund aktiv ist, empfiehlt sich die sofortige Überprüfung.
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Fehlalarm durch Browser-Tricks unterscheiden
Nicht jede bedrohliche Warnung bedeutet automatisch, dass sich eine schädliche App auf dem Gerät befindet. Sehr häufig nutzen unseriöse Webseiten die regulären Funktionen des Webbrowsers aus, um Infektionen vorzutäuschen.
Erscheint beim Surfen eine vermeintliche Systemmeldung über angebliche Viren oder lässt sich ein Tab nicht mehr schließen, liegt meist keine Malware vor. In diesem Fall genügt es, das Beenden der Browser-App in den Einstellungen unter "Apps" zu erzwingen und dort den Cache des Browsers zu leeren.
Ebenso führen unbedacht eingeräumte Berechtigungen auf Webseiten oft zu gefälschten System-Pop-ups. Wenn eine Seite die Erlaubnis erhält, Benachrichtigungen zu senden, kann sie kontinuierlich Warnmeldungen einblenden, die wie echte Android-Hinweise wirken. Diese Berechtigungen lassen sich direkt in den Einstellungen des jeweiligen Browsers unter dem Punkt "Website-Einstellungen" prüfen und für verdächtige Adressen wieder entziehen.
Entfernung ĂĽber den abgesicherten Modus
Die effektivste Methode zur manuellen Entfernung hartnäckiger Schadsoftware ist der abgesicherte Modus. In diesem Zustand startet Android ausschließlich mit den vom Hersteller vorinstallierten System-Apps. Drittanbieter-Apps werden komplett blockiert und können somit weder im Hintergrund laufen noch das Löschen verhindern.
Leider kommen Sie nicht immer auf dieselbe Weise in diesen Modus, das wankt von Hersteller zu Hersteller - und manchmal werden Lösungswege auch durch Updates verändert. Die folgenden Anleitungen sind daher immer mit ein wenig Skepsis zu sehen. Wenn etwas nicht funktioniert, versuchen Sie einfach die andere Variante.
- Standardlösung für viele Geräte mit nur mäßig veränderten Android-Systeme, etwa Huawei, Google, Motorola:
- Halten Sie den Power-Knopf gedrĂĽckt bis das MenĂĽ erscheint.
- Halten Sie die Schaltfläche "Ausschalten" (gegebenenfalls auch "Neustart") gedrückt, bis die Option "Im Abgesicherten Modus starten" erscheint und wählen Sie diese.
- Alternative Lösung, zum Beispiel für Samsung oder OnePlus:
- Schalten Sie das Smartphone komplett aus.
- Starten Sie wie gewohnt.
- DrĂĽcken und halten Sie die Leiser-Taste, sobald das (erste) Hersteller-Logo verschwunden ist. Wenn das nicht funktioniert:
- DrĂĽcken und halten Sie die Leiser-Taste (bei Samsung auch MenĂĽ-Taste), sobald das Hersteller-Logo erscheint.
In beiden Fällen erscheint unten links die Meldung "Abgesicherter Modus" und Android startet entsprechend.
Öffnen Sie nun die Einstellungen Ihres Smartphones und navigieren Sie zum Menüpunkt Apps. Suchen Sie nach verdächtigen Einträgen, unbekannten Anwendungen oder Programmen ohne eigenes Icon. Wählen Sie die entsprechende App aus und tippen Sie auf Deinstallieren. Starten Sie das Smartphone danach ganz normal neu, um den abgesicherten Modus wieder zu verlassen.
Sollte sich eine Schad-App nicht löschen lassen, liegt dies häufig an erweiterten Systemrechten. Prüfen Sie in den Einstellungen unter Sicherheit den Bereich App-Berechtigungen oder Spezielle App-Zugriffe und entziehen Sie der betroffenen App die Rechte als Geräteadministrator. Danach lässt sie sich gewohnt deinstallieren.
Natürlich gibt es auch noch die radikale Lösung: Das Gerät komplett auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Sie finden diese Option unter "Einstellungen/Erweiterte Einstellungen/Sichern und Zurücksetzen". Ihre eigentlichen Dateien können Sie dabei ausnehmen und App-Einstellungen können über die Option "Automatische Wiederherstellung" später zurückgespielt werden. Beides spart viel Zeitaufwand, aber: Sie müssen dennoch bedenken, dass Sie die Apps alle neu installieren müssen, was unter Umständen recht zeitaufwändig sein kann. Dafür gehen Sie so auf Nummer sicher, dass das Gerät anschließend wieder garantiert Malware-frei ist.
SicherheitsmaĂźnahmen nach der Bereinigung
Sobald das Gerät bereinigt ist, sollten Sie umgehend die Passwörter aller auf dem Smartphone genutzten Konten ändern. Dazu gehören insbesondere Ihr Google-Konto, E-Mail-Postfächer, Banking-Zugänge und soziale Netzwerke. Führen Sie diesen Schritt am besten von einem sicheren Zweitgerät aus.
Überprüfen Sie anschließend in den Systemeinstellungen unter Spezieller App-Zugriff den Punkt Unbekannte Apps installieren. Stellen Sie sicher, dass keiner App die Erlaubnis erteilt ist, eigenständig externe Installationsdateien herunterzuladen und auszuführen.
Aktivieren Sie zudem, falls noch nicht geschehen, die Zwei-Faktor-Authentifizierung fĂĽr Ihre wichtigsten Konten. Damit bleibt Ihr Zugang selbst dann geschĂĽtzt, falls Zugangsdaten kurzzeitig ausgelesen worden sein sollten.
Prävention: Drittanbietersperre beim Mobilfunkanbieter
Ein oft vergessener Schutz gegen finanziellen Schaden durch Malware oder Abo-Fallen ist die Drittanbietersperre.
Sollte eine Schad-App versuchen, im Hintergrund kostenpflichtige Sonderrufnummern anzurufen, Premium-SMS zu verschicken oder Abos über die Handyrechnung abzurechnen, greift diese Sperre direkt beim Mobilfunkanbieter. Sie lässt sich bei fast allen Anbietern kostenlos über die jeweilige App oder den Kundenservice aktivieren.
(como)