Die im oberen Preissegment angesiedelte Jabra PanaCast 20 zeichnet Bilder in 4K Ultra-HD und Ton mit drei Mikrofonen auf. Garniert mit einem intelligenten Folgemodus sowie einer PIP-Funktion. Ein erster Eindruck.
Von Christian Schneider
Dem Trend, Produktwertigkeiten schon beim „Unboxing“ dem Käufer zu vermitteln, folgt auch Jabra und verpackt die kleine Kamera PanaCast 20 in einer schicken Schiebeschachtel. Damit kein Zweifel über deren Aufbewahrungsort aufkommt, lässt die Schachtel ein stabiles Reiseetui entdecken. Dieses macht sich optisch fein und fühlt sich haptisch wertig an.
Nachdem der umlaufende Reisverschluss geöffnet wurde, enthüllt das Klapp-Case auf der einen Seite ein passend schwarzes USB-C-Kabel und auf der gegenüberliegenden Seite die in ihrer Filzmulde eng umschlossene PanaCast 20.
Das erste Mal in der Hand glaubt man, dass Jabra die versprochenen Features wohl in massive Bauteile gegossen hat. So hat die Webcam ihr Gewicht. Ein Blick ins Datenblatt bestätigt es: 136 Gramm – und so fühlt es sich auch an.

ein Handschmeichler in mattem Voll-Alugehäuse
mit praktisch-schickem Reiseetui für Kabel
und Cam.
Aufbau
Das massive metallische Gehäuse ist matt schwarz, mit griffiger Rippenstruktur an der Oberseite und schön anzusehen. Wie aus einem Stück Alu gefräst. Ein edler Eindruck, es standen wohl minimalistisches und modernes Design im Lastenheft der Designer. Beim Betrieb wird sich herausstellen, dass die Massivität wohl nicht nur dem Qualitätseindruck dient, sondern auch funktional ihren (thermischen) Beitrag leistet.
Ohne Schnörkel ist der Befestigungsmechanismus. Unmissverständlich – nur aufklappen und schon hängt die PanaCast 20, mit ihrer Einkerbung an der Unterseite, an der Oberkante des Bildschirms und stützt sich lässig mit dem Klappfuß ab. Dieser ist simpel, nur auf und zu, aber stabil. Das Scharnier zeigt einen angenehm hohen Widerstand, der einen sicheren Sitz auf dem Monitor erwarten lässt. Das Anschlusskabel ist nach unten ausgeführt, so neigt die Webcam bei Zug weder zum Nachhintenkippen, noch biegt sich das Kabel nach unten durch.
Installation
Nach dem Auspacken geht es an den Rechner. Die Jabra selber hat einen modernen USB-C-Anschluss, wird jedoch über das mitgelieferte, 1,5 m lange, USB-3.0-Kabel an eine USB-A-Buchse am PC angeschlossen. Die Befestigung ist selbsterklärend, so braucht und gibt es auch kein Papier mit Installationshinweisen. Kabel anschließen, Haltefuß ausklappen, am oberen Bildschirmrand einhängen, fertig.
Die PanaCast 20 kann über den Sitz des Klappfußes in Grenzen nach oben und unten gekippt, jedoch nicht gedreht werden. Die Cam ist gut ausbalanciert, wenn sie auch durch ihr Gewicht ein wenig wie ein „Klotz“ auf dem Bildschirm sitzt. Leichte Ultrabooks können da schon mal etwas Nachwippen. Das erste Aufstecken auf einen dünnen Laptopbildschirm zeigt jedoch (fast) keine Schwächen.
Nichts wackelt, zumindest nicht solange, bis seitlicher Zug über das starre USB-Kabel auf die nur durch ihr Eigengewicht fixierte Jabra PanaCast 20 kommt. Hierfür reicht schon das Verschieben des Laptops auf dem Tisch. Das „hinterherziehende“ Kabel leistet durch seine griffige Struktur genug Widerstand, um die Jabra zu kippeln. Ansonsten hält jedoch der Klappfuß durch die gummierte Oberfläche und den guten Rückstellwiderstand die Webcam sicher an Ort und Stelle.

Nur seitlichen Zug oder Druck vom starren USB-C-Kabel
mag sie nicht.
Für einen ersten Test wird die PanaCast 20 an einen Windows-10-Rechner angeschlossen. Wie erwartet, meldet sich der Windows-Benachrichtigungsdienst zur Installation neuer Hardware – und zwei Sekunden später wird die Jabra im Gerätemanager angezeigt. Die Cam ist einsatzbereit. Wer möchte, kann also gleich in den ersten Videocall einsteigen. Für ihre Hauptfunktion, dem Filmen, braucht es keine zusätzliche Software.
Bild bitte…
Noch bevor der erste Videocall ansteht, führt der erste Weg zur Begutachtung des Bildes in die Windows-eigene Kamera-App. Hier ist noch standardmäßig die integrierte Laptopkamera vorausgewählt, sodass das angezeigte Bild direkt als erstes Vergleichsbild fungiert. Was man über die integrierte Webcam sieht, ist ein typisches Webcam-Bild. Das Bild ist grieselig, verwaschen, mit grünem Farbstich und durch die Weitwinkligkeit entsteht ein verzerrender Fischaugeneffekt.
Kein sehenswertes Bild, welches durch Komprimierung und Übertragung mit einer Conferencing Software nicht besser wird. Doch dies zu ändern, verspricht die Jabra PanaCast 20, auf deren Bild jetzt umgeschaltet wird. Die Jabra als Eingangsquelle ist gewählt und tatsächlich, kein Vergleich zu vorher. Das Bild des Jabra-Geräts ist klar, mit deutlich natürlicheren Farben, ruhig, bis an den Rand scharf, mit wenig Verzeichnung und im 16:9-Format.
Der erste Bildeindruck per Directshow kann sich sehen lassen und das, obwohl gerade nur mit Full HD anstatt mit 4K Auflösung gefilmt wird. Ändert man die Auflösung auf UHD, vergrößert sich der Bildbereich deutlich. Man rückt aus dem gestalterischen Fokus etwas in den Hintergrund, da der (digitale) Intelligent Zoom der PanaCast nur automatisch deaktiviert wird.
Die Bildqualität ist nun noch feiner, wenn auch durch den größeren Bildausschnitt nun auffällt, dass bei wenig Licht eines bedeckten Himmels der Weißabgleich leicht daneben liegt. Eine im Hintergrund befindliche weiße Wand zeigt einen ganz leichten Gelb-/Grünstich. Ansonsten gefällt das Bild und überzeugt mit erstaunlich gleichmäßigen und gut belichteten Bildinhalten, auch auf der von der Lichtquelle abgewandten Seite. Für eine Webcam sehr gut.
Beim Zurückwechseln der Auflösung in 1080p oder 720p zeigt sich ein Feature der PanaCast 20. Wenn man nicht direkt im Fokus des Bildausschnittes sitzt oder sich (nach Auffassung der Kameralogik) zu weit weg befindet, wird der „Intelligent Zoom“ aktiviert. Dieser erkennt automatisch das Gesicht und richtet den Bildausschnitt direkt auf die Person aus. Neben hoch, runter, links und rechts zoomt die Kamera selbstständig auf die Person und wieder hinaus, sodass man stets im Zentrum des Bildes steht. Der Bildausschnitt wird also, in gewissen Grenzen, nachgezogen. Es ergibt sich der Eindruck, als würde die Kamera dem Präsentator folgen. So einen Folgemodus kannte man bisher nur von professionellen Conferencing-Lösungen oder von iPads mit Apples Center Stage.

…und der Ton?
Neben dem hochauflösenden Bild soll die PanaCast 20 auch klaren Ton mit ihren drei Mikrofonen liefern. Dieser ließ sich jedoch bitten. In diesem ersten Test, ohne die Jabra-eigene Software Jabra Direct installiert zur haben, ließ er sich nicht aktivieren. Es ist kein Zugriff auf die Kamerafunktionen möglich. Eine Audio-Eingangsquelle wird nicht erkannt.
Wie sich später herausstellt, kann der Ton über die Jabra Direct Software aktiviert werden. Per Default ist er im Auslieferungszustand jedoch deaktiviert. Schade, denn so bleibt der Einsatz im Business-Umfeld tatsächlich erst einmal nur auf die Kamerafunktion beschränkt, da auf von zentraler IT-Stelle gemanagten Arbeitsplatzsystemen oft keine Fremd-Software installiert werden kann.
Als Vorgriff auf den weiteren Test im Alltagseinsatz, bei dem auch die Jabra Direct Software einbezogen wird, sei erwähnt, dass sich dort der Default-Wert für das Mikrofon auf „aktiv“ ändern lässt. Somit funktioniert danach auch das Mikrofon der PanaCast auf Systemen ohne Jabras Direct Software.
Was ohne Jabras Software noch außenvorbleibt, ist die Picture-in-Picture-Funktion (PIP), das Ausschalten des Intelli-Zooms sowie Feinjustierungen von Pan-Tilt-Zoom (PTZ-Funktion) und Farbwerten. Dies ist jedoch zu verschmerzen, da die Hauptfunktionen für Videocalls auch ohne Zusatzsoftware uneingeschränkt zur Verfügung stehen.
Alltagstest und weitere Betrachtung
Nach diesem ersten Eindruck zeigt sich die Jabra PanaCast 20 in ihrem Metier der Bildaufnahme als Webcam mit sehr gutem Bild. Sie ist hochwertig verarbeitet, sieht edel aus und ist einfach in der Handhabung. Für stationäre Installationen im Home-Office oder Büro stört auch das störrische Kabel nicht. In Videocalls hat man ein sichtbar besseres Bild als mit den Notebook-Cams oder früheren Webcam-Modellen. Im Alltagseinsatz der folgenden Büro- und HomeOffice-Nutzung muss sich dieser gute Eindruck nun behaupten.

Mehr Eindrücke von Christian Schneider zur Jabra PanaCast 20 gibt es in seinem ausführlichen Testbericht.
Dieser Beitrag ist bereits älter als 90 Tage. Hier finden Sie die Übersicht neuer Sponsored Articles
.