Pixelschwund?
Wer sich an die beworbenen 13 Megapixel Auflösungsvermögen erinnert, kann sich die Frage stellen, was Jabra mit den „restlichen“ 4,7 Megapixeln macht? Sowohl im Video- als auch im Fotobetrieb sind der Kamera nicht mehr als UHD-Bilder mit 3.840 x 2.160 Pixeln zu entlocken, was knapp 8,3 Millionen Bildpunkten entspricht. Wofür werden die restlichen Bildpunkte genutzt?
Man kann mutmaßen, dass nur ein Teil der Sensorfläche für das aktive Bild verwendet wird und die restlichen Pixel der „Kamera-KI“ zur Bildverbesserung dienen. Es werden demnach nicht alle Sensorpixel 1:1 in Bildpixel umgewandelt und nur ein Teil der Sensorfläche für den UHD-Bildausschnitt verwendet. Diese These sollte sich im Gespräch mit Jabra bewahrheiten.
Gespräch mit dem Hersteller
Im Rahmen des Lesertests bestand die Möglichkeit, Erfahrungen, Fragen aber auch Kritik direkt an zwei Mitarbeiter des Herstellers GN Audio zu adressieren. Dabei bestätigte sich die aufgestellte Hypothese zum „Pixelschwund“. Verschiedene Optimierungslogiken der Bildverarbeitung und die Intelligent-Zoom-Funktion nutzen auch die über die 4K-UHD-Auflösung hinausgehende Pixel des 13-Megapixel-Sensors zur kontinuierlichen Adaption und Optimierung des Videosignals.
Nach Auffälligkeiten beim Test der Jabra Direct Software, bei dem nicht immer alle manuell eingestellten Werte zu den Kamerafunktionen und Bildparametern in den Presets abgespeichert bzw. geladen werden konnten, bestätigte Jabra, dass hierfür bald eine Bugfixversion veröffentlicht werden würde.
Außerdem habe ich den Hersteller nach einer zwar beworbenen, aber in der Jabra Direct Software nicht auffindbaren Funktion gefragt. Hiernach kann die PanaCast 20 bereits geräteintern eine Maskierung des Hintergrundes vornehmen. Die Neutralität des Hintergrundes wird wahlweise durch Einfarbigkeit oder eine verschwommene Darstellung erreicht. Gemäß den technischen Daten und dem Produktdatenblatt (Abruf jabra.com 29.03.2023) „ …können Sie Ihren Hintergrund … komplett unscharf machen.“ und „ …verarbeitet die leistungsstarke Edge-KI alles geräteintern… Ihr tatsächlicher Hintergrund ist vor potenziellen Cyberangriffen geschützt“. Sicherheitstechnisch ein sehr interessantes Feature, das im Test gerne betrachtet, aber vermisst wurde.
Gerade im (Qualitäts-)Vergleich, mit der Maskieren-Funktion anderer Webconferencing-Tools, wäre es interessant gewesen, wie gut das Edge-Processing in der PanaCast den Sprecher von einem Hintergrund trennen kann. Aus Security-Sicht ergäbe sich zudem der Vorteil, ein bereits mit verschwommenem Hintergrund versehenes Videobild direkt von der Kamera auszuliefern. Bei guter Qualität wäre es im Business-Bereich ein echter Mehrwert.
Meine Gesprächspartner teilten mit, dass dies wohl zu früh in den Dokumenten auf der Produktwebseite veröffentlicht wurde, aber die Funktion demnächst im Rahmen eines Feature-Updates bereitgestellt werden soll. Man kann gespannt sein, wie gut Jabra diese Funktion in ihrer PanaCast umsetzen kann.
Stromverbrauch und Wärme
Weniger für den stationären Gebrauch, aber im mobilen Business durchaus relevant, ist der Stromverbrauch. An meinem Laptop-Testsystem verbrauchte die Cam, primärseitig gemessen, auch im inaktiven, d.h. nicht filmenden Zustand, knapp 3 W. Für die Mobilnutzung bedeutet das, dass der Akku auch ohne Nutzung der Cam belastet wird. Es wäre schön, wenn die PanaCast die Inaktivität erkennt und sich in einen tieferen Standby-Modus versetzt, der weniger Strom verbraucht. Insbesondere wenn der Privacy Shutter vor der Linse geschlossen ist, könnte dessen Auswertung helfen, Strom zu sparen, indem die Kamera ganz abgeschaltet wird. Dass die PanaCast 20 permanent Strom zieht, fällt schon dadurch auf, dass sie, auch inaktiv, merklich warm wird. Per Infrarotthermometer werden bei Inaktivität über die gesamte Oberfläche 35 bis 37 °C gemessen.
Leider gilt dies auch für den Zustand bei ausgeschaltetem Laptop. Wird die PanaCast an einem USB-Port betrieben, der auch bei abgeschaltetem System Strom liefert, läuft auch die PanaCast weiter. Die Interpretation des USB-Power-Off-Signals wäre sinnvoll und wünschenswert.

Um den Verbrauch im Betrieb zu beurteilen, wurde er unter Gebrauch der schnörkellosen und wenig Systemlast produzierenden Windows-Kamera-App gemessen. Im Testaufbau eines frischen Systems mit aktivierter Kamera im 4K-UHD-Modus konnten zum System-Idle-Verbrauch zusätzliche 8 bis 10 W am Messgerät gemessen werden. Der Verbrauch reduziert sich marginal, wenn die PanaCast nur im 2K-FHD-Modus filmt.
Wobei am Messgerät zu erkennen ist, dass bei ruhendem Sprecher eher der untere Wert und beim Herumlaufen vor der Kamera der obere Wert auf dem Verbrauchsmesser steht. Hier merkt man, dass die „KI“ des Intelligent Zoom bei Bewegung etwas zu tun hat. Spürbar auch an der Gehäusetemperatur, die im 4K-Videobetrieb deutlich ansteigt und auf der Oberseite bis knapp 46 °C erreicht. Da die Cam nach USB-3.0-Spezifikation betrieben wird, sollte der Stromhunger bei 4,5 W enden. Höhere Messwerte resultieren aus der insgesamt höheren Systemlast im Cam-Betrieb sowie Wanderverlusten im Netzteil.
Vermutlich ist, neben Design und Haptik, die Kühlung mit ein Grund für den massiven Alukörper, aus dem das Gehäuse der PanaCast 20 gefräst ist.

Kurz und knapp – Beobachtungen aus dem Alltagstest:
- Die Bildqualität der Jabra PanaCast 20 ist sehr gut. Feine Strukturen werden klar und scharf wiedergegeben, der Weißabgleich passt, Farben werden naturgetreu getroffen.
- Belichtung und Schärfe werden flüssig und zügig an sich ändernde Umgebungsverhältnisse angepasst. Der Fokus „pumpt“ nicht.
- Auch ohne Zusatzsoftware arbeitet der gut funktionierende „Intelligent Zoom“.
- Relativ einzigartig ist die Bild-in-Bild Funktion, bei der der Betrachter ein zusammengesetztes Videobild aus zwei unterschiedlichen Bildbereichen sieht.
- Die „Vivid HDR“-Funktion verbessert den Kontrastraum und bietet etwas bessere Bilder bei schwachem/einseitigem Licht, zeichnet jedoch merklich weich, wodurch das Bild an Schärfe verliert.
- Bei dem doch recht starren USB-3.0-Kabel wünscht man sich für unterwegs eine biegsamere Ausführung. Bei dünnen Laptop-Bildschirmen reicht ein leichter seitlicher Zug am Kabel, um die Cam von ihrem Platz zu ziehen.
- Mechanik und Gehäuse sind massiv, haptisch wertig und top verarbeitet.
- Ein sinnvolles Feature ist das eingelassene 0,25-Zoll-Gewinde, womit die Cam mittels Stativ frei auf dem Tisch positioniert werden kann.
- Der USB-C-Stecker sitzt klar einrastend und fest in seinem Gegenstück, wird durch das starre Kabel jedoch mit seitlichen Zugkräften belastet. Die Dauerhaftigkeit der mechanisch wie elektrisch nur auf den kleinen USB-C-Steckerkopf beschränkten Arretierung muss sich im Langzeiteinsatz beweisen.
- Die Wertebereiche der Slider zur manuellen Bildparameter-Justierung sind zu breit, sodass es mühsam ist, exakte Werte einzustellen. Die Abstufung ist zu fein.
- Die drei Mikrofone der PanaCast 20 müssen einmalig über die Jabra Direct Software aktiviert werden. Der Ton ist „okay“, jedoch dem herausstechenden Videobild nicht ebenbürtig.
- Auch im inaktiven Zustand wird Strom verbraucht. Selbst bei ausgeschaltetem System braucht die Cam Strom, wenn an einem „Always on“-USB-Port betrieben. Das zieht im mobilen Einsatz den Akku leer.
- Durch die Bildverarbeitung in der Kamera gibt es deutliche Erwärmung im Videobetrieb.
- Beim Videobild sind in allen Auflösungen maximal 30 fps möglich.
- Beigefügt ist ein praktisches und stabiles Reiseetui mit wertiger Haptik für Kabel und Cam.
Fazit
Mit der PanaCast 20 hat Jabra nicht nur die Pixelanzahl in die Höhe geschraubt, sondern auch die Messlatte für Bildqualität bei Webcams. Attribute wie fein, scharf, rauscharm sowie eine gute Belichtung und Farbwiedergabe beschreiben das Bild. „Intelligent“ und gut funktionierend sind die Features für den Videostream. Somit hat man in Videokonferenzen meist das beste Bild und gewinnt mit den Features manch bewundernden Aha-Effekt der Kollegen.
Etwas feilen kann Jabra noch an der Software und dem – für eine Webcam in dieser Preisklasse – mauen Ton. Die Verarbeitung dagegen ist hochwertig, Funktion wie Handhabung sind tadellos und unkompliziert.
Nicht nur für den Business-Einsatz bietet Jabra mit der PanaCast 20 eine tolle Webcam für Leute, die Wert auf hohe Bildqualität legen.

Autor: Christian Schneider
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