Esther Trapp: „Beeindruckender Business-PC mit Privatanwender-Allüren“

MSI bringt einen All-in-One-PC auf den Markt, der vor allem Business-Nutzer unterstützen soll. Die Hardware-Basis ist vom Feinsten und Modernsten, was heute erhältlich ist – beim business-typischen Umfeld von Gerät, Support und Dokumentation gibt es Nachholbedarf.

Von Esther Trapp

Trotz seiner Größe ist die Verpackung des All-in-One-PCs „MSI Modern AM271P 11M“ handlich und gut zu transportieren. Nach dem Öffnen die erste Herausforderung: Wie geht es weiter? Das Gerät ist extrem sicher und gut in einem „Geschachtel“ verschiedener Sicherungsmaterialien verpackt. Eine sofort erkennbare Anleitung fehlt bzw. der kurze Flyer enthält keine Angaben dazu, wie der Inhalt sich am sichersten und schnellsten „befreien“ lässt. Teilweise ist ein ziemlicher Kraftaufwand erforderlich, um den PC und sein Zubehör aus dem Karton zu bekommen. Eine Tastatur oder eine Maus sind nicht dabei.

Aufbau und Installation

Der eigentliche Zusammenbau ist schnell erledigt: Fuß auf die Halteplatte setzen und verschrauben (geht ohne Werkzeug), Bildschirm mit den Schrauben an den Fuß anschrauben (dazu ist wiederum ein Schraubendreher notwendig). Dann noch Strom, Tastatur und Maus anschließen und schon ist das Gerät einsatzbereit. Die mitgelieferte Aufsatzkamera für den Monitor wird zunächst installiert.

Windows ist vorinstalliert (gut: Windows 10 Pro!). Also schnell mit dem eigenen Account synchronisieren und schon ist das Gerät grundsätzlich einsatzbereit. Als Small-Businness-User steht natürlich kein Image zur Verfügung, mit dem die Standard-Office-Installation durchführbar wäre, also heißt es, die Anwendungen einzeln und von Hand zu installieren (Office 365, Adobe, Video-Tools, Passwort-Manager, Verschlüsselungstool, VPN-Client, Signal, Slack, Zoom etc.) und zu testen – das braucht Zeit. Natürlich fehlen eine ganze Reihe von Microsoft-Updates, die ebenfalls installiert werden müssen (es fehlt 20H2 sowie Funktionsupdate 21H1).

„Teilweise ist ein ziemlicher Kraftaufwand erforderlich, um den PC und sein Zubehör aus dem Karton zu bekommen. Der eigentliche Zusammenbau ist schnell erledigt.“


Erster Eindruck

Das Gerät ist schnell – logisch, es ist die modernste Hardware, die es derzeit gibt. Wunderschön ist der Monitor: matt, gleichmäßig, spiegelfrei, hell. Die Auflösung ist ausreichend (wenn auch niedriger als bei meinem bisher genutzten EIZO-Monitor), die gesamte Verarbeitung ist solide. Das Gerät steht stabil und zittert auch dann nicht, wenn ich zum Beispiel während einer laufenden Videokonferenz aufstehe oder mich hinsetze und dann die Position des Schreibtischs elektromotorisch verändere.

Das Lüftergeräusch ist zu hören, natürlich unter Schwerlast, aber auch beim einfachen Schreiben von Text. Nicht laut, aber die Frequenz ist etwas unangenehm (eine Mischung aus hochfrequenten Tönen). Das parallel genutzte Notebook „Microsoft Surface Pro 7“ ist dagegen mucksmäuschenstill – wie machen die das nur?

Überraschend war, dass Windows-Hello mit Gesichtserkennung nicht funktioniert (Kamera wird nicht unterstützt) – das hatte ich eigentlich erwartet. Später stellte sich heraus, dass das Mikrofon eines gleichzeitig angeschlossenen Headsets zwar tadellos erkannt und installiert wurde, sich aber bei gleichzeitigem Anschluss der Kamera nicht mehr nutzen ließ (Kamera-Mikro hatte immer Vorrang). Warum auch immer. Da sowieso eine Panasonic HC-V777 für Videokonferenzen verwendet wird, verschwand die mitgelieferte Kamera wieder im Karton.

Unklarheiten bei den Tools

Völlig undurchsichtig ist allerdings, welche zusätzliche Software MSI installiert und was deren Zweck ist. Außerdem fehlt eine Dokumentation der installierten sowie der möglichen Tools. Beim bereits installierten Tool „QuickSettingBar“ war zum Beispiel erstmal unklar, was das macht, wie es bedient wird etc. Hier war mühsame Selbsterforschung notwendig.
Wichtig ist das „MSI-Center“, das aber gesondert gesucht (MSI-Support-Seite) und installiert werden musste. Als Business-Anwender erwarte ich einen regelmäßigen herstellerspezifischen Autoscan, um sicherzustellen, dass mein System bios- und treiberseitig up-to-date ist. Das Tool selbst verrät seine Funktion sehr widerwillig, es ist nicht ganz klar, was der „Scan“ bewirkt. Spannend ist zudem die Frage, wie dann kritische Updates wie ein BIOS-Update funktionieren – ob automatisch integriert oder ob zahlreiche Zwischenschritte mit Benutzereingriff notwendig sind. Kriterium hierfür ist die Betriebssicherheit und die Verfügbarkeit des Systems.

Auf der gerätespezifischen Supportseite gibt es weitere Tools oder Software, die allerdings kryptische Namen tragen und keinerlei Hinweis auf ihre Funktion enthalten. Auch hier gilt: Die Beschreibung zu Sinn und Zweck fehlt.

Einstellungen am Monitor

Unerklärt ist die „Eye-care-Funktion“ des Monitors – außer dass der Blauanteil bei der Darstellung reduziert wird. Der Effekt ist stark, das Bild wird schon fast gelblich und ist damit nur bedingt tauglich. Ein vernünftiges „paper-white“ wäre deutlich besser. Auch nicht erkennbar ist, ob diese Funktion automatisch gesteuert wird oder ggf. von der Umfeldausleuchtung abhängig ist.

„Unerklärt ist die „Eye-care-Funktion“ des Monitors – außer dass der Blauanteil bei der Darstellung reduziert wird. Der Effekt ist stark, das Bild wird schon fast gelblich und ist damit nur bedingt tauglich.“


Die Einstellung von Funktionen per Joystick an der Rückseite ist nett, aber gerade bei solch großen Monitoren sitzen Nutzer auch mal weiter weg – der Arm ist dann leider zu kurz. Besser wären Einstellmöglichkeiten per Hotkey über die Tastatur – EIZO macht das vor.

Vermisst wird eine aussagefähige Dokumentation des Gesamtsystems (Hardware, Wartung, Fehlerbehebung) – das (natürlich per Download und selbst zu suchende) „Handbuch“ ist eher ein erweiterter Marketingprospekt. Das ist schade, denn die dadurch notwendige zeitaufwändige Recherche ist gerade im Business-Umfeld mit Verlust von Arbeitszeit und damit einem hohen Kostenaufwand oder Produktionsausfall verbunden. Eine Selbsthilfe ist damit ausgeschlossen. Das ist auch deswegen hinderlich, weil teilweise externe Anforderungen durch Auftraggeber in Bezug auf IT-Sicherheit (Treiber, Updates) oder aus DSGVO-Gründen bestehen und entsprechende Dokumentationen erfolgen müssen.

Spannend wird auch, wie lange der Hersteller das Gerät „erkennen“ und offiziell unterstützen wird: Die bisher genutzten Dell-Geräte (Baujahr 2013) werden bis heute von Dell über den Autoscan richtig und mit Seriennummer inklusive aller Verweise auf Support-Möglichkeiten identifiziert.

„Die Hardware-Basis ist vom Feinsten und Modernsten, was heute erhältlich ist – beim business-typischen Umfeld von Gerät, Support und Dokumentation gibt es Nachholbedarf.“


Fazit

Der MSI Modern AM271P 11M besitzt eine sehr gute Hardware-Basis. Für Business-User besteht aber das Manko, dass die Dokumentation zu dünn, zu sehr verteilt und zu wenig strukturiert dargestellt wird. Der Vergleich mit Dell mag etwas unfair sein, aber im Kontext eines geschäftlichen Einsatzes ist eine einfache und dokumentierbare Systemverwaltung erforderlich. Das ist schade, denn zeitaufwändige Recherche kostet gerade im Business-Umfeld viel Zeit. MSI ist hier gefordert, langfristigen, stabilen und dokumentierten Support bereitzustellen. Wenn das realisiert werden kann, ist es mehr als das „Sahnehäubchen“ in dieser Produktkategorie.

Mehr Eindrücke von Esther Trapp zum All-in-One-PC von MSI gibt es im ausführlichen Testbericht.

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