Brauche ich einen Virenscanner für mein Android-Smartphone?

Ja, es gibt sie: Viren-Apps und andere Schadsoftware („Malware“), die gezielt Android-Smartphones angreifen. Bösartige Apps nutzen dein Smartphone zum Bitcoin-Mining, spähen Bank- und andere sensible Daten aus. Die gute Nachricht: So gefährlich die Android-Schadsoftware auch ist, so einfach kannst du dich in der Praxis davor schützen. Wir zeigen dir, wie es geht und klären, ob ein Virenscanner unter Android wirklich nötig ist.

Nach Windows und macOS haben die Hersteller von Anti-Viren-Programmen schon seit geraumer Zeit Android als neuen Markt für sich entdeckt. Tatsächlich finden sich fast alle großen Sicherheitssuiten aus der Windows-Welt mittlerweile auch im Google Play Store. Avira, G-Data, Avast und Konsorten versprechen, dein Android-Smartphone vor Malware und anderen Sicherheitsbedrohungen zu schützen. Doch brauchst du wirklich eine dauerhaft laufende App, um dich zuverlässig vor Android-Viren zu schützen?

Google Play Protect: So nutzt du den integrierten Virenscanner von Android

Seit Sommer 2017 verteilt Google mit Google Play Protect eine neue Sicherheitslösung für Android. Google Play Protect prüft automatisch alle bereits installierten sowie alle neuen Apps auf Sicherheitsbedrohungen. Erkennt der Dienst ein Sicherheitsproblem, warnt er dich automatisch und entfernt die gefährlichen Apps. Der Clou dabei: Play Protect kommt durch ein automatisches Update der Google-Play-Dienste auf alle Androiden, du musst die Sicherheitslösung also nicht manuell installieren und aktivieren. Selbst die mittlerweile komplett veralteten Android-Versionen 4.x (unter den Codenamen „Ice Cream Sandwich“ und „Jelly Bean“) erhalten Play Protect.

Google Play Protect überwacht dein Android-Gerät fortwährend auf Sicherheitslücken (Quelle: Android.com)

Um den Status und die Verfügbarkeit von Play Protect zu prüfen, gehst Du folgendermaßen vor:

6 Tipps: So schützt du dein Android-Smartphone vor Schadsoftware

Die Wahrscheinlichkeit, dass Google mit Play Protect gefährliche Apps identifiziert, ist hoch. Dennoch solltest du nicht nur auf den Google-Service vertrauen. Hier sind sechs einfache Tipps, mit denen du dein Android-Smartphone schützen kannst:

  1. Keine Apps aus unbekannten Quellen installieren:
    Die meisten Malware-Apps verbreiten sich nicht über den Google Play Store, sondern über alternative Downloadportale. Auch „Drive-by-Downloads“, also bösartige Apps, die sich über korrumpierte Webseiten auf dein Handy schmuggeln, sind eine reale Gefahr – zumindest, wenn du die Installation erlaubst. Denn: Ab Werk unterbindet Android die Installation von Apps außerhalb des Play Stores. Um sicherzustellen, dass dies der Fall ist, werfe einen Blick in die Einstellungen deines Smartphones. Du findest die Option zur Installation von Apps aus unbekannten Quellen im Bereich „Sicherheit“. Deaktiviere sie, um unbefugte Installationen zu verhindern.

    Der Nachteil dieser wichtigen Sicherheitsmaßnahme: Du musst auch auf seriöse Alternativ-Quellen wie den Open-Source-Marktplatz F-Droid oder das App-Archiv APKMirror verzichten. Bei Bedarf kannst Du die Einstellung vorübergehend deaktivieren. Übrigens: Ab Android 8.0 alias „Oreo“ gibt es die Einstellung nicht mehr. Hier fragt Android bei jeder Installation aus fremden Quellen nach, ob du die Installation erlauben willst oder nicht. So kannst du von Fall zu Fall entscheiden, ob du der App traust oder nicht.
  2. Android-Updates installieren:
    Nicht nur installierte Apps können dein Smartphone gefährden. Wie jedes Betriebssystem tauchen in Android immer wieder Sicherheitslücken auf, die Angreifer ausnutzen können. Google liefert aus diesem Grund regelmäßige Sicherheitsupdates für sein Mobilsystem – leider kommen diese nur selten auf allen Geräten an. Abseits von Googles Nexus- und Pixel-Smartphones hängen viele Geräte alten Android-Versionen fest. Wenn es ein Update für dein Smartphone gibt, solltest du es aber dennoch installieren. Ob ein Update verfügbar ist, kannst du in den Smartphone-Einstellungen überprüfen. Suche hier nach einem Eintrag wie „Systemupdates“ oder ähnlichen und befolge die Anweisungen, um deinen Androiden zu aktualisieren. Infos über den aktuellen Stand der Android-Sicherheitsupdates bekommst du direkt von den Android-Entwicklern unter https://source.android.com/security/bulletin/.
  3. Auf Rootzugriff verzichten:
    Für viele Android-Fans macht das Google-System erst mit Rootzugriff richtig Spaß. Auf einem gerooteten Androiden können Apps auf eigentlich gesperrte Systembereiche zugreifen, was völlig neue Möglichkeiten bei der Smartphone-Nutzung eröffnet. Die Kehrseite: Viele schädliche Apps versuchen, sich per Root-Zugriff tief ins System einzunisten um größeren Schaden anzurichten. Vor allem auf älteren Android-Versionen wie Android 4 oder Android 5 versuchen bösartige Apps, über den Rootzugriff Chaos anzurichten. Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du darauf verzichten, dein Smartphone zu rooten. Das hat übrigens auch Vorteile: Viele App-Anbieter erlauben die Ausführung ihrer Anwendungen auf gerooteten Androiden aus Sicherheitsgründen nicht. Das gilt beispielsweise für viele Banking-Apps.
  4. App-Berechtigungen prüfen:
    Allen Sicherheitsbemühungen seitens Google zum Trotz: Android-Apps können bei Bedarf auf viele sensible Daten zugreifen. Davon macht natürlich auch Malware fleißig Gebrauch. Zum Glück findest du im Play Store unter „Berechtigungsdetails“ alle Zugriffe, die eine App auf deinem Smarthone braucht. Hier solltest du aufmerksam sein: Will ein simples Handy-Spiel beispielsweise deine SMS oder gar E-Mails lesen, solltest du skeptisch sein. Seriöse App-Entwickler erklären in der Play-Store-Beschreibung, warum die Berechtigungen nötig sind.
  5. Augen auf bei App-Updates:
    Auch nach der Installation solltest du deine Android-Apps im Auge behalten. Das gilt erst recht, wenn du sie später aktualisierst. Es gab in der Vergangenheit mehrere Fälle, in denen Malware-Entwickler zunächst harmlose Programme per Update zum Android-Schädling gemacht haben. Prüfe also vor allem bei „kleineren“ Apps vor der Aktualisierung, was diese mit sich bringt. Besonders aufmerksam solltest du sein, wenn eine App für ein Update neue Zugriffsrechte auf deinem Smartphone verlangt. Android weist in diesem Fall darauf hin. Du solltest dann im Changelog der App prüfen, wofür die neuen Rechte nötig sind.
  6. Informiert bleiben:
    Die Kombination aus Google Play Protect und unseren Sicherheitstipps sollten dein Smartphone vor so gut wie allen Android-Gefahren schützen. Dennoch schadet es nicht, in Sachen Android-Sicherheit auf dem neuesten Stand zu bleiben. Webseiten wie Heise Security oder das offizielle Android Security Center informieren regelmäßig über aktuelle Bedrohungen und wie du dich dagegen schützen kannst.

Sind Android-Virenscanner überflüssig?

Die Frage, ob separate Virenscanner unter Android völlig überflüssig sind, lässt sich dennoch nicht so pauschal beantworten. Wenn du regelmäßig Apps aus fremden Quellen installierst, kann eine „zweite Meinung“ in Sachen Sicherheit gegebenenfalls sinnvoll sein. Außerdem bieten viele Sicherheitssuiten für Android Zusatzfunktionen, die das Basis-System nicht bietet. So können sie beispielsweise bestimmte Anrufe blockieren oder per Firewall-Funktion Apps daran hindern, im Hintergrund Daten zu verschicken. Außerdem bieten die Suiten oft erweiterte Funktionen, um verlorene oder gestohlene Smartphones wiederzufinden oder bei Bedarf aus der Ferne zu löschen.

Die angeblichen kritischen Probleme, die Malwarebytes für Android gefunden hat, bestehen lediglich in einem noch nicht durchgeführten Scanvorgang.

Einiges davon kann Android zwar auch mit Bordmitteln, je nach Smartphone und Android-Version, doch gegebenenfalls sind die Extra-Features die Installation wert. Größere Nachteile in Sachen Akkulaufzeit und Performance entstehen unseren Erfahrungen nach durch die Installation von Android-Malware-Scannern nur selten. Dennoch solltest du darauf achten, dass die Sicherheitslösungen nicht ihrerseits durch übertriebene Datensammelei oder nervige Werbung auffallen. Ist dies der Fall, schmeiß die App lieber weder von deinem Smartphone – einen größeren Sicherheitsmalus erleidest du dadurch nicht.

Keine Sicherheitsbedrohungen gefunden – die Wahrscheinlichkeit, dass ein Malware-Scanner ein solches Ergebnis präsentiert, ist dank Play Protect überaus hoch.