"Nicht identifiziertes Netzwerk" unter Windows 10? Das ist zu tun

Wenn das Netzwerk streikt und der Zugriff auf LAN und/oder Internet nicht mehr funktioniert, ist die Sorge groß. Häufig verbunden mit der Fehlermeldung: "Nicht identifiziertes Netzwerk". Wir zeigen Ihnen Lösungswege.

Die Fehlermeldung

Die Fehlermeldung selbst finden Sie an zwei Orten: Zum einen als Tool-Tip, wenn Sie mit der Maus über das Netzwerk-Symbol in der Taskleiste fahren. Zum anderen in den Netzwerkeinstellungen unter "Systemsteuerung/Netzwerk und Internet/Netzwerk- und Freigabecenter" - die Sie selbstverständlich auch direkt über das Tray-Icon öffnen können. Im Wesentlichen gibt es hier zwei unterschiedliche Grundprobleme: Wenn der Internet-Zugriff funktioniert, handelt es sich wohl möglich um aus Windows-Sicht "falsche" Einstellungen, aber nicht zwangsläufig um einen echten Fehler. Funktioniert er nicht, müssen Sie definitiv tätig werden.

Die Fehlermeldung in den Netzwerkeinstellungen der Systemsteuerung.

Die mit Abstand häufigste Ursache dürfte eine Fehlkonfiguration in den Netzwerkeinstellungen sein - die in Netzwerken normalerweise vollautomatisch per DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol) zugewiesen werden. Daher machen die DHCP-Lösungen auch gleich den Anfang und zwar in aller Ausführlichkeit. Seltener könnten es aber auch Probleme mit der Hardware sein, mit Treibern oder anderen Misskonfigurationen.

Bevor Sie sich aber überhaupt ans Werk machen und spezielle Lösungen versuchen, sollten Sie zwei Dinge erledigen, die bei nahezu jedem PC-Problem zu empfehlen sind: Prüfen Sie die Kabel! Auch wenn Sie meinen, nichts berührt oder kürzlich noch kontrolliert zu haben - prüfen Sie! Jeder Support-Mitarbeiter wird Ihnen bestätigen, dass man das nicht oft genug sagen kann. Das gilt auch für Maßnahme 2: Starten Sie den Rechner einmal neu und wenn das nicht hilft auch den Router. Neustarts wirken nicht nur in der Windows-Welt oft Wunder.

DHCP-Fehler: Schnellschuss

In der Regel sind Router und Rechner so eingestellt, dass der Rechner die benötigten Netzwerkdaten automatisch vom Router zugewiesen bekommt. Über DHCP werden dabei vor allem die IP-Adresse, das Standard-Gateway (der Weg nach "draußen", also der Router) und Domain-Name-System(DNS)-Server-Adressen übergeben; letztere sorgen dafür, dass eine von Ihnen eingegebene Adresse wie "google.de" in eine IP-Adresse übersetzt wird. Und diese drei Werte müssen passen, ansonsten kann der Rechner weder mit LAN noch Internet kommunizieren.

Die schnellste mögliche Lösung ist ein wenig ein Schuss ins Blaue: Sie können einfach die aktuelle IP-Adresse lösen (release) und eine neue anfordern (renew), in dem Sie folgende Befehle in der Eingabeaufforderung ausführen:

ipconfig /release
ipconfig /renew

Das könnte funktionieren, wenn aus irgendeinem Grund durch irgendeine Software manuell eine falsche IP-Adresse angegeben wurde. Gegebenenfalls auch, wenn es irgendwo im Netz einen Adresskonflikt gibt. Letztlich gibt es viele mögliche Ursachen, sodass dieser erste Schnellschuss einen Versuch wert ist.

DHCP-Fehler: Schritt für Schritt

An DHCP sind wie gesagt sowohl Router als auch Rechner beteiligt, also müssen Sie auch auf beiden prüfen und gegebenenfalls reparieren. Beginnen Sie mit dem Router, hier am Beispiel einer Fritzbox:

  1. Öffnen Sie die Fritzbox-Seite im Browser über fritz.box.
  2. Navigieren Sie zu "Heimnetz/Heimnetzübersicht/Netzwerkeinstellungen".
  3. Klicken Sie unter "IP-Adressen" auf "IPv4-Adressen".
  4. Setzen Sie hier ein Häkchen bei "DHCP-Server aktivieren".
DHCP muss auf dem Router aktiviert sein.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dieses Häkchen jedoch bereits gesetzt. Weiter geht es auf dem Windows-10-Rechner. Öffnen Sie die Netzwerkeinstellungen unter "Systemsteuerung/Netzwerk und Internet/Netzwerkverbindungen". Markieren Sie die betroffene Verbindung, standardmäßig "LAN-Verbindung", und wählen Sie oben "Verbindung untersuchen", um die automatische Problemlösung zu starten. Das ist bei Windows traditionell ein Glücksspiel und auch bei Win 10 scheint das nicht anders: Im Test hat dieser Weg tatsächlich das provozierte (Standard-)Problem gefunden - die Problemlösung aus den Windows-10-Einstellungen (also nicht Systemsteuerung) brachte keinen Erfolg. Oft landen Sie aber eher in langen Frage-Antwort-Schleifen, die nur Zeit kosten.

Die automatische Problemlösung ist traditionell ein Glücksspiel.

Als Nächstes können Sie noch versuchen, diese Netzwerkverbindung, genauer gesagt Netzwerkadapter, zu beenden und neu zu starten: Rufen Sie das Kontextmenü auf und klicken Sie auf "Deaktivieren". Warten Sie zwei, drei Sekunden und starten Sie die Verbindung dann per Doppelklick. Vermutlich wird aber auch das nicht helfen und Sie müssen die Verbindung manuell korrigieren.

Rufen Sie dazu die Eigenschaften des Adapters via Rechtsklick auf "LAN-Verbindung" auf. Doppelklicken Sie in dem Dialogfenster auf "Internetprotokoll, Version 4 (TCP/IPv4)". Hier sollten die beiden Optionen "IP-Adresse automatisch beziehen" und "DNS-Serveradresse automatisch beziehen" aktiviert werden, also die Versorgung via DHCP. Sobald Sie den Dialog bestätigen, wird die Verbindung zurückgesetzt und das Netzwerk sollte korrekt funktionieren. Falls nicht: Starten Sie den Adapter nochmal manuell neu. Funktioniert auch das nicht, ist DHCP vermutlich gar nicht Ihr Problem.

Auch unter Windows muss DHCP aktiviert sein.

Übrigens: Es kann auch sehr gut vorkommen, dass es heißt "Nicht identifiziertes Netzwerk", der Zugriff aufs LAN nicht funktioniert, der Internet-Zugriff aber sehr wohl. Dann ist vermutlich die IPv4-Konfiguration hinüber - die IPv6-Konfiguration aber in Ordnung, die für den Internet-, aber eben nicht für den LAN-Zugriff reicht.

Weitere Lösungen

Abseits der üblichen DHCP-Probleme gibt es noch einige andere Kandidaten, die aber alle nur auftreten, wenn Sie tatsächlich etwas am Netzwerk geändert haben. Mit einer Ausnahme: Windows 10 hat einen "Airplane-Modus" - und naturgemäß sorgt der Flugmodus für abgeschaltete Netzwerke. Sie können den Modus über das Benachrichtigungsmenü, also das Tray-Icon ganz rechts, deaktivieren. Wahrscheinlicher: Einige Laptops haben physische Flugmodus-Schalter, meist kleine Schieberegler, die sich auf Grün und Rot schalten lassen - eine nette kleine Fehlerursache, die man gerne übersieht.

Hardware-Probleme: Natürlich liegt es im Rahmen des Möglichen, dass schlicht irgendwo ein Hardware-Defekt vorliegt, sehr wahrscheinlich ist das aber nicht. Eher, dass irgendein Netzwerkgerät Unfug treibt. Vielleicht hat Ihr Partner, Ihre Partnerin, eines der Kinder oder ein schelmischer Besucher ein Gerät ans LAN angeschlossen? Ein unbedacht angesteckter Router kann selbst Firmennetze kurzfristig lahmlegen. Im Zweifelsfall entfernen Sie alle Netzwerkgeräte während der Problemlösungsversuche und starten Sie alles neu, was Sie in die Finger bekommen.

Treiber-Update: Das Windows-Update erledigt in der Regel fast alles, aber eben nur fast. Die Treiber für Ihr Mainboard beispielsweise werden Sie in aller Regel selbst updaten müssen. Wenn Sie den Rechner als Komplettsystem gekauft haben, sollten Sie irgendwo eine entsprechende Verwaltungssoftware des Herstellers finden. Ansonsten müssen Sie eben jenen herausfinden, zum Beispiel mit CPU-Z, und das passende Werkzeug von dessen Homepage herunterladen. Führen Sie, sofern nötig, ein Update durch, starten Sie bei Aufforderung neu und prüfen Sie erneut.

Nutzen Sie den Updater Ihres Mainboards, um die Treiber der Netzwerkkarte zu aktualisieren.

Konflikte mit Netzwerk-Elementen: Software und Netzwerkgeräte könnten auf die Idee kommen, Netzwerk-Elemente zu installieren, die gegebenenfalls unerwünschte Nebeneffekte haben. Oben haben Sie etwa gelesen, dass das aktivierte IPv6 den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass der Internet-Zugriff trotz verkorkster IPv4-Konfiguration klappte - das kann aber auch mal umgekehrt sein. Schauen Sie daher mal ganz gründlich in die Eigenschaften des Adapters unter "Systemsteuerung/Netzwerk und Internet/Netzwerkverbindungen". Entfernen Sie die Häkchen von suspekten Einträgen (zweifelfalls googeln) und starten Sie den Adapter neu. Führt das nicht zum Ergebnis, setzen Sie das Häkchen ruhig wieder und entfernen Sie das Nächste - immer eins nach dem anderen.

Beim Netzwerkadapter, hier unter Win 7, können sich unerwünschte Einträge einschummeln.

Die Fehlermeldung "Nicht identifiziertes Netzwerk" ist leider ziemlich indifferent und daher nicht zu 100 Prozent auf einem fixen Weg lösen - selbst Windows eigene Problemlösungsfindungsfarce identifiziert bestenfalls Standardfehler. Funktioniert alles hier vorgeschlagene nicht, bleiben hier und da noch Lösungsvorschläge in Foren: Häufig ziemliche Nischenlösungen, aber vielleicht haben Sie ja Glück!

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