Linux neben Windows installieren

Linux und Windows auf demselben Rechner zu betreiben ist ziemlich einfach - du wählst beim Booten einfach aus, welches System starten soll. Alle dafür notwendigen Schritte findest du hier einfach erklärt.

Wie funktioniert Dual-Boot?

Wenn du den Rechner einschaltest, startet normalerweise einfach Windows. Der Vorgang lässt sich aber durchaus abbrechen, indem du zu Anfang irgendwann [Shift] + [F8] drückt (ab Windows 8; bei älteren Versionen nur [F8]). Es erscheint ein Menü mit Boot-Optionen, beispielsweise für den sicheren Betriebsmodus. Wenn du später ein Linux installierst, wird auch darüber ein solcher Boot-Manager installiert - und dieser erscheint nach dem Einschalten immer.

Und an dieser Stelle wählst du dann das gewünschte Betriebssystem. Alternativ startet nach ein paar Sekunden das Standardsystem, in der Regel also dein Windows. Auf welchen Datenträger du das Linux installierst, spielt dabei keine Rolle. Bei genügend Platz, kann das auch die selbe Platte sein, auf der auch Windows läuft.

Das Endergebnis: Der Boot-Manager Grub fragt, welches System starten soll.

Boot-Medium erstellen

Zunächst benötigst du ein Boot-Medium, in aller Regel einen USB-Stick. Es genügt aber nicht, ein heruntergeladenes Linux einfach auf den Stick zu kopieren, die ISO-Datei muss mit einem speziellen Programm entpackt werden. Wenn du ein typisches Linux, also beispielsweise Ubuntu, installieren möchtest, geht das am einfachsten mit Unetbootin, das auch gleich die ISO-Datei herunterladen kann.

  1. Unetbootin besteht aus nur einem Fenster. Zunächst bestimmst du das zu installierende Linux. Entweder wählst du oben aus dem Bereich "Distribution" eines der angebotenen Systeme (Vorsicht: Nicht immer auf dem neuesten Stand!) oder du gibst unten unter "Abbild" eine selbst heruntergeladene ISO-Datei an.
  2. Wähle nun unten im Fenster den gewünschten USB-Stick. Aber Vorsicht: Die Laufwerke werden hier nur mit Laufwerksbuchstaben aufgelistet, da ist schnell mal das Falsche ausgewählt. Und damit würden alle Daten auf dem Datenträger gelöscht. Anschließend bestätigst du mit [OK] und wartest den Schreibvorgang ab. Wenn Linux auf demselben Rechner installiert werden soll, kann der Stick eingesteckt bleiben. Andernfalls solltest du ihn nicht einfach ausziehen, sondern über das USB-Icon in der Taskleiste "auswerfen".

Mit Unetbootin lassen sich Boot-Medien besonders einfach erstellen.

Boot-Reihenfolge konfigurieren

Nicht alle Rechner starten ein eingelegtes Boot-Medium sofort, meistens wird trotzdem von der Festplatte beziehungsweise SSD gebootet. Daher musst du aller Wahrscheinlichkeit nach die Boot-Reihenfolge im BIOS/UEFI (die Firmware des Rechners) ändern. Das brauchst du übrigens nur einmal machen: Wenn kein boot-fähiger USB-Stick eingesteckt ist, startet der Computer ohne Nachfrage von der Platte.

  1. Starte den Rechner neu. Um auf älteren Rechnern ins BIOS und auf neueren Rechnern ins UEFI zu kommen, musst du direkt nachdem der Rechner neu startet, auf eine Taste klicken - leider ist das nicht immer dieselbe. Wenn der Rechner angeht, erscheint meistens ein kurzer Splash-Screen mit einem Logo des Mainboard- oder Rechnerherstellers. Dort steht in der Regel auch die gewünschte Taste. In den meisten Fällen sollte es aber mit [ENTF] funktionieren, teils mit [F2] oder [F12] oder [ESC].
  2. Im BIOS musst du nun mit der Tastatur navigieren, im UEFI gibt es auch Mausunterstützung. Da BIOS/UEFI nicht immer identisch aussehen, musst du ein wenig suchen. Irgendwo gibt es einen Eintrag zu "Boot-Optionen", "Startoptionen" oder etwas in der Art. Darunter findet sich immer auch die Boot-Reihenfolge. Lege hier den eingesteckten USB-Stick ganz nach oben.
  3. Beende BIOS/UEFI und speichere die Einstellungen. Anschließend startet der Rechner automatisch neu und du landest beim Willkommensbildschirm von beispielsweise Ubuntu. Weiter geht es mit der Installation.

Um einen Eingriff im BIOS/UEFI kommst du leider nicht herum, der USB-Datenträger muss vor der internen Festplatte booten.

Linux installieren

Die Installation ist ziemlich simpel, im Grunde musst du Dinge wie Nutzername, Passwort, Ländereinstellungen und so weiter eingeben. Es gibt aber auch ein paar wichtige Optionen, die nicht ganz selbstverständlich sind, etwa wo das Linux, hier am Beispiel Ubuntu, installiert werden soll.

  1. Wähle im ersten Screen die gewünschte Sprache und die Option "Ubuntu installieren".
  2. Im nächsten Schritt wirst du gefragt, ob Ubuntu während der Installation aktualisiert werden soll und ob Software von Drittherstellern installiert werden darf. Beide Optionen solltest du aktivieren. Bei der Drittherstellersoftware handelt es sich um Nicht-Open-Source-Tools wie zum Beispiel einen MP3-Codec oder Grafikkartentreiber, die für einen reibungslosen Betrieb unerläßlich sind.
  3. Im folgenden Dialog teilt dir der Installer mit, dass ein Windows gefunden wurde und sollte standardmäßig die Optionen "Ubuntu neben Windows (10) installieren" anbieten. Nimm diese an, um das Windows-System nicht zu verändern.
  4. Nun kommt die Frage, wohin Ubuntu installiert werden soll. Wenn nur eine Festplatte installiert ist, kannst du die vorgeschlagenen Einstellungen vermutlich einfach aktzeptieren. Der Installer legt dann eine weitere Partition für Ubuntu an. Deren Größe kannst du mit der Maus verändern. Wenn Ubuntu aber auf eine zweite Festplatte installiert werden soll, klicke auf die Schaltfläche "erweiterte Partitionierungswerkzeuge". Für das Beispiel handelt es sich um eine neue, leere, unformatierte Festplatte.
  5. Standardmäßig wirst du nun eine Festplatte namens "sda" sehen und eine zweite namens "sdb". "sda" ist die erste Festplatte mit Windows, "sdb" die noch leere Zweite. Rufe mit einem Doppelklick die Eigenschaften der Platte auf und lass eine Partition erstellen. Die Vorgaben können so bleiben, du musst lediglich den "Einbindungspunkt" auf "/" stellen. Der Slash steht stellvertretend für das unterste Verzeichnis. In der Windows-Welt würde das einfach heißen, dass Windows ganz normal unter "C:\" installiert werden soll. Und gegebenenfalls solltest du die Größe der Partition einschränken. Es macht wenig Sinn, das Betriebssystem auf einer 3-Terabyte-Partition zu installieren. Bestätige nun die Partitionierung und führe die Installation über die Schaltfläche "Jetzt installieren" fort.
  6. In den folgenden beiden Installationsschritten bestätigst du lediglich die Lokalisierungseinstellungen, also Tastaturlayout, Zeitzone, Sprache und so weiter.
  7. Zu guter Letzt vergibst du Nutzernamen und Passwort. Und du kannst festlegen, ob deine persönlichen Dateien verschlüsselt werden sollen. Praktisch ist das bei Laptops. Denn auch, wenn sich niemand ohne Passwort am Rechner anmelden könnte, könnte man doch den Speicher ausbauen und die Dateien darauf ganz normal auslesen. Bestätige den Dialog, entferne nach Aufforderung den USB-Stick und starte den Rechner danach neu.
  8. Du bist nun also im eingangs erwähnten Boot-Manager gelandet. Vermutlich gibt es hier einen Eintrag zu "Windows XXX", zwei mal "Memory Test XXX" (Tests für den Arbeitsspeicher) sowie "Ubuntu" und "Erweiterte Optionen für Ubuntu". Ubuntu startet nach etwa zehn Sekunden automatisch, Windows musst du manuell auswählen. (Die Reihenfolge lässt sich natürlich ändern.)

Die Partitionierung ist der einzige Stolperstein bei der Linux-Installation - aber die Standardvorschläge sind in der Regel sehr gut.

Wie du Ubuntu ohne Dual-Boot installierst, erklären wir dir in diesem tipps+tricks-Artikel.