SSD Lebensdauer verlängern - mit diesen Tipps klappt's

Der Mythos, dass SSDs in wenigen Wochen kaputt gehen können, wenn man sie falsch nutzt, gehört in die Mottenkiste. Falsch nutzen kann man sie aber dennoch und somit auch die Lebenszeit verkürzen. Hier finden Sie alles Wichtige, um Ihre SSDs zu schützen und die Restlaufzeit abzufragen.

Warum gehen SSDs überhaupt kaputt?

Als SSDs vor ein paar Jahren groß auf den Markt kamen, gab es schnell Berichte über Festplatten, die schon nach wenigen Monaten den Betrieb einstellten. Und daraus entwickelte sich schnell der Mythos, dass SSDs bei unsachgemäßer Benutzung eine extrem kurze Lebensdauer hätten. Und tatsächlich: In den ersten Generationen ließen sich einige der extrem teuren SSDs recht schnell "kaputt schreiben" - wenn man es denn darauf anlegte!

Heute ist die Situation deutlich entspannter, sowohl Hard- als auch Software haben sich enorm weiterentwickelt. Als normaler Nutzer müssen Sie sich im Grunde keine Sorgen machen. Selbst wenn Sie viel zocken und jeden Tag am Rechner sitzen, spielt das Problem keine Rolle mehr. Aber es gibt es noch: SSDs, beziehungsweise die zum Speichern genutzten Flash-Zellen, vertragen nur eine bestimmte Anzahl von Schreibvorgängen. Auch wenn SSDs ohne bewegliche Teile auskommen: Die Hardware nutzt sich ab.

Technisch bedingt wird auf SSDs intern sehr viel geschrieben - und hier lässt sich optimieren. Vorher aber noch ein Beispiel, an dem Sie sehen, von welchen Größenordnungen hier die Rede ist. Die SSD des hiesigen Rechners ist eine Kingston SSDNow V300 mit 480 Gigabyte Speicher. Hersteller geben meist Garantien in der Form "3 Jahre oder 256 Terabyte TBW". TBW heißt Total Bytes Written, also wieviele Bytes insgesamt geschrieben wurden. Die V300 läuft nun seit vier Jahren auf einem Produktivsystem, das weit über Durchschnitt genutzt wird, sieben Tage die Woche. Die Garantie ist somit ob der Zeit abgelaufen, aber wenn es nach den TBW ginge: Bei 36,3 TBW bis zum heutigen Tag, würde es bei gleichbleibender Nutzung noch 24,2 Jahre dauern, bevor die garantierte Schreibmenge erreicht wird.

Aber natürlich: Die V300 ist korrekt eingerichtet und wird auch wegen folgender Tipps wohl noch lange laufen.

Laut Hersteller-Tool liegt die V300 noch bei 100 Prozent Lebenszeit - das wäre wohl arg optimistisch.

SSD-Lebenszeit auslesen

Wie lange die SSD gemäß des TBW-Werts noch laufen sollte, können Sie recht einfach auslesen oder minimal weniger einfach berechnen. Vermutlich läuft auf Ihrem Rechner bereits ein Verwaltungs-Tool des SSD-Herstellers. Falls nicht, installieren Sie eines von dessen Homepage - jeder Hersteller bietet entsprechende Software an. In der Software werden Sie sehr häufig (leider nicht immer) direkt auf der Startseite eine Anzeige bekommen, wie viel bislang geschrieben wurde und dazu eine Prognose über die Restlaufzeit.

Ein Weg, der immer funktioniert: Starten Sie das kostenlose Tool SSD-Z und wechseln Sie dort auf den Reiter "S.M.A.R.T.". SMART steht für Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology und liefert Werte zum "Gesundheitszustand von Festplatten" (wie übrigens auch schon bei den alten HDDs). Ganz unten finden Sie den Wert "Lifetime Writes from Host". Zum Rechnen benötigen Sie noch zwei weitere Werte: Die garantierten TBW des Herstellers und die Laufzeit der SSD. Der Rest ist ein wenig Mathegrundlagen:

Garantierte TBW geteilt durch "Lifetime Writes from Host" mal Laufzeit.

Und je nachdem, wie dieser Wert aussieht, sollten Sie mehr oder weniger dringend mit der Optimierung anfangen.
Übrigens: Ganz wichtig ist das Thema, wenn Sie mit Ihrem Windows von einer alten HDD umgezogen sind - dann sind nämlich gegebenenfalls einige Einstellungen nicht optimal!

SSD-Z ist das vielleicht beste Info-Tool für SSDs.

Speichermanagement für längere Laufzeit

TRIM-Befehl

Die vielleicht wichtigste Funktion ist der so genannte TRIM-Befehl von Windows selbst. TRIM sorgt für optimiertes Speichermanagement, sprich auch weniger Schreibzugriffe. Wenn Sie Windows direkt auf die SSD installiert haben, sollte TRIM bereits laufen - aber überprüfen schadet nichts: Rufen Sie die Eingabeaufforderung mit dem Befehl "cmd" im Ausführen-Dialog (Tastenkombination [WIN]+[R]), auf. Über
fsutil behavior query DisableDeleteNotify
wird eine "1" ausgegeben, wenn TRIM deaktiviert ist. Aktivieren Sie es in dem Fall mit:
fsutil behavior set DisableDeleteNotify 0
Und auch die SSD-Hersteller bieten häufig eine optionale Optimierung an: Over Provisioning. Dabei wird etwas vom SSD-Speicher für das Speichermanagement abgezwackt, was für weniger Schreibzugriffe und insgesamt besseren Betrieb sorgen soll. Aber natürlich verlieren Sie etwas Speicherplatz für Dateien. Das Feature können Sie nur über die Hersteller-Software aktivieren - wenn Sie die Funktion nicht finden, wird sie von der SSD schlicht nicht unterstützt. Samsungs Software Magician bietet Over Provisioning zum Beispiel unter "System Management".

Ordner auslagern

Eine ganz einfach Variante zum Reduzieren von Schreibzugriffen: Lagern Sie Ordner auf andere Festplatten aus. Ordner, die einfach nur Dateien bereithalten, etwa "Downloads", "Meine Bilder" oder ähnliches, sollten Sie auf eine zweite HDD-Festplatte auslagern, sofern das möglich ist. Die Dateien profitieren nicht von der SSD-Geschwindigkeit und belegen nur teuren Platz. Bei Bibliotheksordnern wie "Meine Dokumente" funktioniert das übrigens ganz einfach über das Kontextmenü: Im Reiter "Pfad" lässt sich der zugehörige Speicherort festlegen.

Noch interessanter sind die Profil-Ordner von Browsern, da hier am laufenden Band geschrieben wird! Um beispielsweise einen Firefox-Profil-Ordner zu verschieben, kopieren Sie zunächst den Ordner an seinen neuen Bestimmungsort. Dann müssen Sie den neuen Pfad in der Datei "BENUTZERNAME/AppData/Roaming/Mozilla/Firefox profiles.ini" eintragen. Sofern alles klappt, können Sie den alten Profil-Ordner löschen.

Unter Windows nutzen Programme die Standard-Ordner "TMP" und "TEMP" für temporäre Dateien - auch die können Sie auf eine andere Festplatte verlegen. Geben Sie einfach die gewünschten Pfade im Dialog für die Umgebungsvariablen ein, den Sie unter "Systemsteuerung/System/Erweiterte Systemeigenschaften/Umgebungsvariablen/Benutzervariablen" finden.

Windows-Einstellungen optimieren

Ein paar Einstellungen können Sie noch in der Windows-Registry vornehmen. Falls Sie die nicht kennen: Die Registry ist eine riesige Datenbank, in der Windows alles Mögliche abspeichert, beispielsweise die Inhalte von Kontextmenüs. Allerdings müssen Sie nicht selbst in der Datenbank herumpfuschen, die kostenlosen Funktionen des Tools SSD Tweaker erledigen das viel einfacher: Über den Button "Start Auto Tweaks" auf der Startseite werden die Tweaks angewandt, die anschließend im Reiter "Standard Tweaks" aktiviert sind. Das sind zum einen Einstellungen für Arbeits- und Zwischenspeicher, zum anderen Kleinigkeiten wie das Abstellen von 8.3-Dateinamen oder erweiterten Zeitstempeln. Und das Gute ist: Wenn Ihnen diese Dinge nichts sagen, stehen die Chancen verdammt gut, dass Sie nichts davon vermissen werden, wenn der SSD Tweaker sie abstellt - soweit kann man dem Tool durchaus vertrauen.

Der SSD Tweaker kann in der Gratisversion nicht viel, spart aber umständliche Registry-Anpassungen.

Zu guter Letzt hat auch die Systemsteuerung noch eine sinnvolle Einstellungen zu bieten: Hier können Sie den Indexierungsdienst von Windows abschalten. Die Suche nach Dateien ist zwar mit Index schneller, aber SSDs sind auch so schnell genug. Abwägen müssen Sie selbst, die Einstellung finden Sie im Kontextmenü der SSD im Arbeitsplatz: "Zulassen, dass Dateien auf diesem Laufwerk ...".

Wenn Ihnen aber der ganze Aufwand zu viel ist, können Sie sich getrost auf das Wichtigste beschränken: TRIM sollte aktiviert sein, Defragmentierung deaktiviert und das Auslagern von Browser-Profil-Ordnern wäre obendrauf eine runde Angelegenheit. Alles andere ist eh nur Kleinkram.