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Formatierte Festplatte wiederherstellen - so geht's

Wenn Sie versehentlich die falsche Festplatte formatiert oder Partitionen gelöscht haben, ist der Schock meist groß - aber unnötig. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Dateien von formatierten Partitionen und gelöschte Partitionen wiederherstellen können.

Partitionen und Formatierung

Zunächst mal müssen ein paar Begriffe klar sein. Man spricht immer von formatierten Festplatten, aber eigentlich werden Festplatten partitioniert und Partitionen formatiert. Es gibt hier also zwei mögliche Problemquellen. Das Formatieren einer Partition erledigt man unter Windows meist über einen Rechtsklick auf das Laufwerk und die Option "Formatieren" aus dem Kontextmenü - da liegt man schnell mal daneben, wenn viele Festplatten und Partitionen im System hängen. Um eine Partition zu löschen, müssen Sie schon einen Partitionsmanager oder die Tiefen der Windows-Systemsteuerung bemühen - aber auch das kann vorkommen. Gerade für Laien sieht ein Partitionsmanager nicht unbedingt übersichtlich aus.

Partitionsmanager verwalten die Aufteilung von Festplatten.

Gelöschte Partitionen lassen sich in den meisten Fällen wiederherstellen. Anschließend ist der Zustand wie vorher - die Partition ist beispielsweise als Laufwerk "D:" im System und die Dateien und Ordner sind auch wieder da. Nach dem Formatieren einer Partition lassen sich ebenfalls meist alle Dateien wiederherstellen - allerdings nicht immer mit den korrekten Dateinamen und Ordnerstrukturen. Es kann also sein, dass Ihre geretteten Fotos einfach 000001.jpg, 000002.jpg und so weiter heißen.

Es gibt viele Tools, die diese Aufgaben erledigen können - und wir schlagen Ihnen ausgerechnet eines ohne grafische Oberfläche vor. Genau genommen sogar zwei Tools, die allerdings gemeinsam kommen: TestDisk und PhotoRec. Bemessen Sie den Namen nicht allzuviel bei, TestDisk stellt Partitionen wieder her und PhotoRec stellt so ziemlich alles an Datien wieder her, was es zu wünschen gibt. Beide Tools laufen im Terminal, also der Windows-Eingabeaufforderung, sind Menü-geführt, sehr einfach aber vor allem extrem zuverlässig. PhotoRec verfügt mittlerweile sogar über eine kleine GUI. Es gibt wie gesagt auch "modernere" Programme mit schickeren grafischen Oberflächen, aber bei Problemen landet man erfahrungsgemäß doch immer wieder bei diesen beiden Tools. Da können Sie auch gleich die richtigen Werkzeuge kennenlernen.

Dennoch: Einen ersten Versuch können Sie auch mit der Freeware Recuva von Piriform (bekannt für den Ccleaner) durchführen: Starten Sie das Programm und nutzen Sie einfach den Assistenten oder geben Sie im Hauptfenster das Laufwerk an und klicken Sie auf "Scan" - oft genügt das bereits und Sie können sich weiteren Aufwand sparen.

Recuva macht Dateirettung einfach und häufig erfolgreich.

Dateien nach Formatierung wiederherstellen

Der häufigere Fall ist das Wiederherstellen von Dateien nach einer Formatierung. Meistens werden Sie die von Windows vorgegebene "Schnellformatierung" nutzen - das macht die Rettung von Dateien einfach und schnell. Wenn Sie das Häkchen entfernt haben, wird der Rettungsversuch Stunden in Anspruch nehmen - und in der Regel erfolglos bleiben. Bei alten 32-Bit-Betriebssystemen bis Windows Vista sah das noch deutlich besser aus. Laden Sie zunächst also die beiden Programme herunter:
- TestDisk
- PhotoRec

Entpacken Sie das Archiv und wechseln Sie in den Ordner.

Die grafische Variante von PhotoRec können Sie über "gphotorec_win.exe" starten: Wählen Sie einfach das gewünschte Laufwerk, einen Ordner für die gerettete Dateien (PhotoRec schreibt nie auf den Datenträger, von dem gerettet wird!) und starten Sie die Suche.

Wenn Windows korrekt funktioniert, arbeitet PhotoRec auch mit einer GUI.

Leider ist Dateirettung etwas, was immer wieder vorkommt, wenn das System nicht mehr sauber läuft, die Windows-Anmeldung vielleicht sogar komplett fehlschlägt. Dann landen Sie vielleicht in Microsofts Rettungskonsole oder müssen sogar ein Live-Linux nutzen. Daher im Folgenden die Rettung auf der Kommandozeile Schritt für Schritt:

Gelöschte Partitionen wiederherstellen

Im Grunde läuft TestDisk genauso ab wie PhotoRec: Rufen Sie auch hier die Eingabeaufforderung auf und starten Sie das Programm über "testdisk_win.exe". Im ersten Screen bestätigen Sie die vorgegebene Option "Create", um eine neue Analyse zu starten. Im zweiten Screen müssen Sie einmalig "kreativ" werden, nämlich die gewünschte Festplatte auswählen. Wenn Sie nicht sicher sind, welche die Richtige ist, hilft vielleicht ein Blick in die "Computerverwaltung" von Windows: Unter "Datenträgerverwaltung" sind alle Laufwerke mit Namen, Laufwerksbuchstaben und eben auch den von TestDisk genutzten Datenträgernummern aufgelistet.

Die Datenträgerverwaltung von Windows zeigt auch die Datenträgernummern.

Die nächsten drei Menüs bestätigen Sie einfach: Die Art der Partition (Intel), die Art des Auftrags (Analyse) und letztlich wird die Suche über die Option "Quick Search" gestartet. Die eigentliche Suche dauert dann wieder einige Zeit. Ist die Suche erfolglos, können Sie über die Option "Deeper Search" noch gründlicher suchen lassen. Wenn alles klappt, landen Sie irgendwann bei einer Liste mit Partitionen - und diese Struktur können Sie dann wiederherstellen lassen. Zugegeben, das ist alles nicht sonderlich intuitiv oder hübsch, aber TestDisk ist seit Ewigkeiten erfolgreich im Einsatz und eben auch unter Linux verfügbar.

Bei TestDisk beschränkt sich die "Kreativität" auf die Auswahl der Festplatte - der Rest ist simples "weiter".

Wenn Sie es unbedingt grafisch versuchen möchten: Der EasUS Partition Master Free bietet die Funktion "Partition wiederherstellen" direkt über das Kontextmenü nicht zugeordneter Bereiche. Und auch hier gibt es eine schnelle Suche und eine exakte Sektor-für-Sektor-Suchen ("Komplett"). Allerdings konnte das ansonsten sehr gute Partitionierungswerkzeug hier im Test bislang nichts wiederherstellen.

EasUS macht den Rettungsversuch auf jeden Fall sehr einfach.

Ob Partitionen und ganze Partitionierungen von Festplatten gefunden und wiederhergestellt werden könnnen, gleich mit welchem Programm, hängt auch davon ab, mit welchem Programm ursprünglich partitioniert und was genau wohin geschrieben wurde - eine Erfolgsgarantie gibt es da leider nicht.

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