Linux Mint upgraden - so geht's

Linux Mint gehört neben Ubuntu zu den beliebtesten Desktop-Linux-Distributionen, insbesondere bei Windows-Umsteigern. Anders als bei Windows, kommt hier jedoch ungefähr alle sechs Monate eine neue Version auf dem Markt. Hier findest du alle notwendigen Schritte inklusive Datensicherung.

Daten und Software sichern

Es gibt, wie üblich unter Linuxen, mehrere Möglichkeiten, ein Upgrade durchzuführen. Entweder du erledigst das über den Paketmanager oder über ein neues Installationsmedium. Die Paket-Variant klingt zunächst einfacher, weil im Grunde alles im Terminal stattfindet - aber sobald etwas nicht klappt, wird es kompliziert. Die sicherere Methode läuft über ein Bootmedium - mit dem großen Vorteil, dass du die neue Version erstmal ausprobieren kannst, bevor du sie wirklich installierst. Zudem ist dies auch die offiziell empfohlen Variante - also gehen wir diesen Weg. Bevor du anfängst: Starte den Update-Manager und aktualisiere gegebenenfalls das System.

Als erstes solltest du deine persönlichen Daten sowie deine Software-Zusammenstellung speichern. Dafür liefert Linux Mint das hervorragende "Backup Tool", welches du im Startmenü im Bereich "Administration" findest.

  1. Klicke zunächst auf die Schaltfläche "Backup files", um die Datensicherung zu starten. Als Quelle (Source) könntest du hier das ganze System (root) oder bestimmte Ordner wählen, sinnvoll wäre in der Regel einfach dein Nutzerordner. Als Backup-Ziel (Destination) eignet sich dann eine externe Festplatte oder ein Netzlaufwerk. Im Feld "Output" solltest du ".tar.gz file" wählen, um das Backup als komprimiertes Archiv anzulegen. Alle weiteren Einstellunge können so bleiben.
  2. Im nächsten Dialog kannst du Ausnahmen hinzufügen, sprich Ordner und Dateien, die nicht mitgesichert werden sollen. Hier bieten sich etwa große Mediendateien an oder Verzeichnisse, die nur zum Herumspielen gedacht waren.
  3. Starte nun das Dateibackup und rufe das Backup Tool anschließend erneut auf.
  4. Dieses Mal wählst du die Funktion "Backup sofware selection" und legst dann wieder den Zielort fest. Im folgenden Fenster siehst du eine lange Liste mit allen installierten Paketen - nicht nur die, die du selbst manuell installiert hast, sondern alle. Soll irgendetwas nicht gesichert werden, entferne einfach das Häkchen.

Mit dem Mint-eigenen Backup Tool ist sichern und wiederherstellen ein Kinderspiel.

Mint-Startmedium erstellen

Nun musst du ein Startmedium erstellen, von dem du die neue Linux Mint-Version booten kannst. Dafür benötigst du einen USB-Stick mit mindestens 2 Gigabyte Speicherplatz und das Programm Unetbootin.

  1. Lade zunächst das gewünschte Linux-Mint-Image herunter.
  2. Nun musst du Unetbootin und den benötigten Dienst extlinux (ansonsten nervt Unetbootin mit einer Fehlermeldung) installieren: sudo apt-get install externe unetbootin
  3. Rufe nun Unebootin auf. In dem einzigen Fenster gibst du unter "Disk Image" die heruntergeladene ISO-Datei an und darunter wählst du den eingelegten USB-Stick. Vorsicht: Hier tauchen keine Namen auf, nur die systeminternen Kürzel. Ist nur ein USB-Datenträger mit einer Partition eingelegt, sollte dieser als "sdb1" auftauchen. Im Zweifelsfall kannst du im Terminal mit dem Befehl "lsblk" nachschauen. Starte anschließend den Schreibvorgang.

Unetbootin schreibt Images auf USB-Sticks, inklusive eigenen Boot-Menü.

Alternativ kannst du das Image auf eine DVD brennen und von dieser booten.

Mint testen und installieren

Jetzt kannst du das neue Linux Mint starten, ausprobieren und wenn es dir gefällt, installieren. Voraussetzung: Der Rechner bootet auch wirklich von dem Stick. Und dafür muss eventuell die Boot-Reihenfolge umgestellt werden, was du im EFI beziehungsweise bei älteren Rechnern im BIOS erledigst. Wenn du eine DVD gebrannt hast, entfällt dieser Schritt.

  1. Zunächst musst du sicherstellen, dass der Rechner vom Stick bootet und gegebenenfalls die Boot-Reihenfolge einstellen. Das BIOS lässt sich bei fast allen Rechnern direkt beim Rechnerstart mit [ENTF] aufrufen - in einem recht kurzen Zeitfenster. UEFIs erreicht man ebenfalls über ein Kürzel an der Stelle, meist [F2]. Normalwerweise zeigt der Mainboard-Hersteller das Kürzel auch, ganz kurz, im Bild. Such hier nach den Boot-Optionen und dort nach der Reihenfolge und setze den USB-Stick dort ganz nach oben. Ist kein Stick eingesteckt, bootete der Rechner wie gehabt.
  2. Sobald der Rechner vom Stick startet, erscheint ein Unebootin-eigenes Startmenü und du kannst Mint booten.
  3. Schau dich nun im Live-Linux um - funktioniert alles? Gefällt es dir überhaut? Falls ja, starte die Installation über die Verknüpfung auf dem Desktop.
  4. Bei der Installation wird standardmäßig vorgeschlagen, das neue Mint neben dem vorhandenen Mint zu installieren - ändere dies auf "Festplatte löschen und Linux Mint installieren". An dieser Stelle wird klar: Dieser offizielle Upgrade-Weg ist eine reine Neuinstallation mit anschließender Wiederherstellung von Daten und installierter Software. Mint hält diesen Weg für Nicht-Linux-Fachleute für zuverlässiger.
  5. Die Installationsroutine kannst du weitestgehend einfach durchklicken und die Standardoptionen aktzeptieren - aber genau durchlesen und gegebenenfalls anpassen solltest du natürlich schon! Daneben muss nur der Nutzeraccount erneut eingerichtet werden. Hier bietet sich der alte Nutzername an, für den Fall, dass du ihn in irgendwelchen Konfigurationen verwendet haben solltest.

Unetbootin bringt einen eigenen Boot-Manager mit, was die Installation erleichtert.

Daten und Software wiederherstellen

Nach der Neuinstallation fehlt noch die Wiederherstellung - ansonsten wäre es ja noch kein wirkliches Upgrade. Der Vorgang ist denkbar einfach: Öffne wieder das Backup Tool und nutze dieses Mal nicht die Backup- sondern die Restore-Schaltflächen.

Damit ist Mint auf dem neuesten Stand, deine Software ist wieder vorhanden und alle Daten ebenfalls - immer vorausgesetzt, du hast beim Backup auch wirklich nichts vergessen.

Über die gesicherten Software-Quellen stellst du das alte System komplett wieder her.