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Katwarn und NINA: mehr Sicherheit durch Terror-Warn-Apps?

Wie Katwarn und NINA in Gefahrensituationen wirklich helfen

Mit den Apps Katwarn und NINA wollen deutsche Behörden ihre Bürger vor terroristischen Bedrohungen, Naturkatastrophen und anderen Gefahren schützen. Um herauszufinden, ob die Apps in solchen Fällen wirklich helfen können, habe ich sie mal etwas genauer unter die Lupe genommen.

Was in Frankreich rechtzeitig zur EM 2016 mit SAIP auf die Mobilgeräte kam, wollen Katwarn und NINA nun in Deutschland leisten: die Bevölkerung mit Informationen und Hinweisen zum richtigen Verhalten versorgen, wenn eine besondere Gefahrenlage droht oder nachdem ein schlimmes Ereignis eingetreten ist. Früher wurden dazu Autos mit Lautsprechern durch die Straßen geschickt, heute kontaktieren die Behörden über die beiden Dienste die Bürger direkt auf dem Smartphone - sofern sich diese im betroffenen Postleitzahlengebiet aufhalten und bei einem der Dienste registriert sind.

Im Jahr 2016 gab es in Deutschland bereits vier Vorfälle mit eindeutig terroristischem Hintergrund - in ganz Europa waren es bis Anfang August 26. Dass der Terrorismus in Form von Anschlägen und Amokläufen nun auch hierzulande angekommen ist, weiß also jeder der nicht mit verschlossenen Augen und Ohren durch den Alltag geht. Und das zeichnet sich nicht nur anhand der teilweise dramatischen Berichterstattung in allen Medien ab. Es sind, vor allem bei Großveranstaltungen, mehr Polizisten unterwegs, man wird vielerorts häufiger kontrolliert, die Leute reagieren sensibler auf laute Ereignisse - der Reifenplatzer wird zum Schuss, kreischende Jugendliche zur vermuteten Massenpanik. Aber irgendwie muss man Ruhe bewahren und normal weiterleben, sonst wird man wohlmöglich noch paranoid - und füttert indirekt den Terror. Panik in Gefährdungssituationen ensteht oft durch reine Unwissenheit. Unwissenheit darüber, was eigentlich geschehen ist, aber auch darüber, wie man sich in einer solchen Situation am besten verhält. Gegen eben diese Unwissenheit und die damit verbundene Unsicherheit sollen die umgangssprachlich als "Terror-Warn-Apps" bezeichneten Dienste helfen.

Diese Terror-Warn-Apps werden ihrem Namen nicht ganz gerecht. Sie warnen nicht wirklich vor terroristischen Anschlägen, denn es liegt ja leider in der Natur dieser schrecklichen Ereignisse, dass sie in der Regel nicht vorhersehbar sind. Diese Apps sind also weniger eine Glaskugel für das Handy, sondern mehr ein Warnsystem, das sich zu Wort meldet, wenn bereits etwas geschehen oder ein Gefahrenfall eingetreten ist. Einen etwas "hellseherischen" Charakter weisen Katwarn und NINA tatsächlich dann auf, wenn es um andere Katastrophen als Terrorismus geht. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst werden Katastrophenwarnungen wie Unwetterwarnungen über die Apps bekanntgegeben - beispielsweise wenn ein Hochwasser oder Wirbelsturm im Anmarsch ist. Außerdem gibt es zu Bombenfunden und Großbränden für die betroffene Gegend Informationen und Warnungen in Echtzeit.

Die Katwarn-App wurde vom Fraunhofer Institut FOKUS entwickelt und dient als Warn-Service für Katastrophen und Unglücksfälle jeglicher Art. Die App verschickt Benachrichtigungen zu Gefahren in Form von Push-Meldungen, SMS und E-Mails für bis zu acht wählbare Orte. Die Warnungen werden dabei postleitzahlgenau als Warntext ausgegeben und weisen eine farbliche Kennzeichnung auf, welche für die Höhe der Warnstufe steht - je höher diese Stufe ist, desto größer ist die Gefährdung. Für den aktuellen Standort bietet Katwarn einen sogenannten Schutzengel. Dieser überwacht den eigenen Aufenthaltsort in einem festgelegten Umkreis in Echtzeit und "begleitet" den App-Nutzer so. Für diese Funktion aktualisiert Katwarn automatisch fortlaufend die Standort-Informationen, sodass kein weiterer Handlungsbedarf durch den Nutzer notwendig ist - zudem erfolgt die Aktualisierung dieser Daten laut Hersteller anonymisiert. Katwarn nutzt die Daten des Deutschen Wetterdienstes, um Meldungen und Warnungen zu wetterbedingten Gefahren liefern zu können - hier werden unter anderem Ereignisse wie bevorstehende Hochwasser und herannahende Wirbelstürme berücksichtigt. Für den Fall, dass man einen gefährdeten Bereich betritt, der nicht von den festgelegten acht Orten abgedeckt wird, erhält man ebenfalls eine Benachrichtigung und wird somit vor dem Betreten dieses Gefahrenbereichs gewarnt. Um die ordnungsgemäße Funktion der App selbst testen zu können, verfügt Katwarn über einen integrierten Probealarm. Dieser kann für einen Standort per Fingertipp ausgelöst werden und gibt einen Ausblick darauf, wie eine "echte" Warnmeldung aussieht. Darüber hinaus bietet Katwarn auch die Möglichkeit, Fehler und Unstimmigkeiten per Feedback-Funktion direkt an die Betreiber der App melden zu können.

Leider ist die örtliche Abdeckung von Katwarn noch begrenzt: in manchen Städten und Regionen ist keine örtliche Leitstelle für Gefährdungssituationen mit dem Dienst verknüpft. Für einige Regionen gibt es deshalb keine Ausgabe von Warnungen. Laut Hersteller-Informationen wird die Verbreitung dieses Services jedoch stetig ausgebaut.

Die Warn-App NINA wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zur Verfügung gestellt und steht für Notfall-Informations- und Nachrichten-App. Technisch baut NINA auf das modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS). Die App bietet ein Katastrophenwarnsystem und gibt Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes zu unterschiedlichen Gefährdungssituationen aus. Gleichzeitig stellt sie auch, je nach Gefahrensituation, Handlungsempfehlungen zur Verfügung. In Verbindung mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) informiert NINA unter anderem über die aktuelle Wetterlage und setzt Wetterwarnungen für alle Landkreise und Städte innerhalb Deutschlands ab. Zudem warnt die App auch deutschlandweit vor bevorstehendem Hochwasser und informiert über die jeweiligen Eckdaten wie Zeitraum und betroffene Region.

Da NINA mit dem MoWaS - das dem Bund sowie den Innenministerien der Länder erlaubt Warnmeldungen zu verschicken - verknüpft ist, versorgt es Nutzer der App auch im Falle eines Terroranschlags oder Amoklaufs mit Informationen und Verhaltenshinweisen. Unabhängig von aktuellen Geschehnissen hält NINA aber auch allgemeine Notfall-Tipps zu unterschiedlichen Gefahren bereit. Diese Tipps dienen als jederzeit abrufbarer Ratgeber für Hochwasser, Stromausfälle, Unwetter und Brände. Außerdem kann man über die App Checklisten für Notvorräte, Hausapotheken und die Sicherung wichtiger Dokumente einsehen und abarbeiten.

Das die beiden vorgestellten Apps keine Garantie für die eigene Sicherheit sind, versteht sich von selbst. Wenn eine der Apps Gefahrenmeldungen aufgrund von Unglücksfällen herausgibt, dann steht das Fabrikgebäude bereits in Flammen, eine Explosion hat bereits stattgefunden und der Stromausfall hat die Elektrik im Haus schon zum Erliegen gebracht. Katwarn und NINA zeigen ihre wahren Stärken eher dann, wenn es um Katastrophenschutz geht. Die Apps warnen, falls es einen Großbrand oder einen Bombenfund in der Nähe des eigenen Standortes gibt oder falls eine Region von Unwetterwarnungen betroffen ist. Bei Unglücksfällen wie einem Terroranschlag gibt es aber auch Unterstützung. In so einem Fall wird man per Push-Benachrichtigung über das jeweilige Ereignis informiert – vorausgesetzt, die Funktion ist aktiviert. Dann bekommt man Informationen darüber, wo das Unglück passiert ist, was genau geschehen ist und wo man sich aufhalten beziehungsweise nicht aufhalten sollte. Darüber hinaus stellen die Apps Verhaltenshinweise zur Verfügung - NINA hält zudem jederzeit abrufbare Notfalltipps bereit, die für unterschiedliche Gefahrenlagen die richtige Verhaltensweise aufzeigen. Da beide Apps in ihrer Anschaffung kostenlos sind und auch keinerlei In-App-Käufe anbieten, ergibt es durchaus Sinn, sie in Kombination auf dem eigenen Smartphone oder Tablet einzusetzen. So können sich die Warnsysteme gegenseitig ergänzen und bieten den bestmöglichen Informationsfluss, wenn es um behördliche Warnungen und Meldungen zu Gefahrensituationen geht.

Die Katwarn-App jetzt herunterladen

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