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LineageOS: Installation und erste Infos zum CyanogenMod-Nachfolger

Tipps und Wissenswertes zum Custom-ROM für Android

CyanogenMod ist als alternatives Betriebssystem für Android-Smartphones bekannt. Doch im Dezember 2016 hat das Unternehmen Cyanogen die Unterstützung für das Projekt beendet. Dessen ehrenamtlichen Entwickler haben nun das Custom-ROM LineageOS herausgebracht. Ich gehe im Blog auf die Turbulenzen ein und zeige, was es mit LineageOS auf sich hat.

Die Nachricht vom Aus für CyanogenMod dürfte für viele ein Schock gewesen sein. Schließlich war das Custom-ROM eine beliebte Alternative für ein vorinstalliertes Android auf dem Smartphone oder Tablet. Denn die Hardware-Herstellern verändern das Original-Android von Google und einige liefern zudem Werbe-Apps mit, die sich nicht einfach deinstallieren lassen und so den ohnehin knappen freien Speicherplatz des Smartphones weiter verkleinern. Mit CyanogenMod konnte man solche Laster umgehen.

Ein Custom-ROM wie CyanogenMod und das neue LineageOS ist im Prinzip nichts weiter als ein Betriebssystem, das auf Android basiert, aber nicht vom Hersteller des Mobilgerätes herausgegeben wird, sondern von einem Dritthersteller. Dritthersteller sind entweder Unternehmen oder Entwickler-Communities mit ehrenamtlichen Mitstreitern. Man kann ein Custom-ROM auch als eine Art Android-Distribution betrachten, wie es sie auch bei Linux gibt. Zumal jede Linux-Distribution auf dem Linux-Kernel basiert, den Android ebenfalls nutzt. Und die Custom-ROMs für Android-Geräte verwenden den Open-Source-Code von Android.

Eines der Custom-ROMs ist CyanogenMod, das von freiwilligen Entwicklern programmiert und bis Ende 2016 durch das Unternehmen Cyanogen unterstützt wurde. CyanogenMod unterstützt zahlreiche Geräte und bot immer wieder Funktionen, die der aktuellen Android-Version voraus waren. So begrenzt CyanogenMod zum Beispiel die Zugriffsrechte von einzelnen Apps. Dieses führte Google erst später mit der Version Android 6.0 Marshmallow ein. Damit war CyanogenMod beim Datenschutz voraus und verbot einzelnen Apps schon früher den unnötigen Zugriff auf die eigenen Kontakte.

Zudem bietet CyanogenMod eine umfangreichere Format-Unterstützung für Videos, Audios und Musik. Die Oberfläche lässt sich anpassen und der Sperrbildschirm ist mit Gesten steuerbar. Allerdings bringt das Open Source Projekt keine Google-Apps wie Google Play oder Google Maps mit. Wer diese benötigt, muss sie nachinstallieren. Alternativ lässt sich auch ein anderer App-Store wie F-Droid.org nutzen, sodass ihr prinzipiell auf Google verzichten könnt.

Ein großes Plus für CyanogenMod war die Versorgung mit Sicherheits-Updates, die Sicherheitslücken schließen. Dieses ist bei den vorinstallierten Android-Versionen der Smartphone-Hersteller leider selten der Fall. Denn die von Google herausgegebenen Sicherheits-Updates für Android müssen von den Hardware-Herstellern für die einzelnen Modelle angepasst und als Firmware-Updates bereitgestellt werden. Je älter ein Gerät ist, desto unwahrscheinlicher ist es leider, dass der Aufwand betrieben wird und man Updates erhält.

Dieses ist er kürzlich wieder deutlich geworden, als eine Lücke namens Dirty-Cow unter Linux bekannt wurde. Sie bedroht ebenfalls Android-Geräte, da Android den Linux-Kernel 2.6.25 von 2008 nutzt. Der Patch von Google für die Dirty-Cow-Lücke ist seit November 2016 da, kommt aber nur dann auf ein Android-Gerät, wenn dessen Hersteller ihn anpasst, testet und in ein Firmware-Update packt. Bei älteren Geräten ist das nur selten der Fall. In der letzten CyanogenMod-Version ist der Patch hingegen enthalten und das System somit gegen Hacker geschützt, die diese Lücke ausnutzen wollen.

Wie ich oben bereits erwähnte, wurde CyanogenMod als Open Source Projekt von freiwilligen Entwicklern gepflegt, wobei es jahrelang Unterstützung durch Cyanogen gab. Von dem Unternehmen gab es auch eine kommerzielle Variante, die sich nicht durchsetzte, sodass im Dezember 2016 alle Dienste eingestellt wurden und auch CyanogenMod vor dem Aus stand.

Aber dies bedeutet nicht das grundsätzliche Ende, was den Vorteil von Open Source zeigt. Denn der Code wird weiter genutzt und CyanogenMod lebt unter dem neuen Namen LineageOS weiter. Die Entwickler-Community übertrug den Quelltext zu GitHub und entwickelt hier den CyanogenMod Nachfolger weiter.

Entsprechend ist LineageOS der nahtlose Anschluss an CyanogenMod, was die Versionsnummer 14.1 für die erste Version von LineageOS deutlich macht, die der letzten Version von CyanogenMod entspricht. Zudem gibt es weiterhin die vorletzte Version von CyanogenMod 13, die ebenfalls umbenannt wurde und als LineageOS 13 erhältlich ist.

Im Wiki von LineageOS findet ihr Informationen für die unterstützen Mobilgeräte.

Da LineageOS als Fork aus CyanogenMod hervorgegangen ist, unterstützt es weiterhin Geräte von LG, Samsung, HTC, Motorola, Lenovo, Asus, BQ, Google, Huawei, Nextbit, OnePlus, Oppo, Sony, Wileyfox, Wingtech, Xiaomi und YU. Auf der offiziellen Website findet ihr die ZIP-Dateien mit den passenden Custom-ROMs für die einzelnen Modelle. Ein Blick auf die Downloads für einige Modelle zeigte nur Nightly Builds und experimentelle Varianten, was sich wohl demnächst ändern dürfte, wenn LineageOS die Anfangsphase hinter sich lässt. Dann könnt ihr sicher auch ZIP-Dateien mit dem Status Stable herunterladen, die sich für vorallem Custom-ROM-Anfänger eignen.

Die Installation selbst ist nicht ganz einfach und geht mit Risiken einher. So mussten wir bei einem Test schon mal das Ableben eines Smartphones mitansehen. Allerdings zeigen tausende laufende CyanogenMod Installationen, dass es in der Regel klappt.

In unserem Special Android rooten - Vorteile, Nachteile und CyanogenMod ist Tao bereits auf die Installation von CyanogenMod eingegangen, die das Entsperren, also Rooten des Android-Geräte voraussetzt. Hierfür gibt es Installer, die den Vorgang erleichtern sollen. Aber diese sind recht geräteabhängig und können Probleme verursachen, wie unser einstiger Test mit dem geschrotteten Handy zeigte.

Besser ist das Rooten ohne Installer, wobei das Vorgehen modellabhängig ist. Allgemein lässt sich dazu sagen, dass ihr euer Smartphone oder Tablet via USB-Kabel mit Computer verbinden müsst. Zudem braucht ihr noch das Google-Entwicklungs-Tool Fastboot oder bei Samsung-Geräten das Tool Odin sowie die für euer Gerät gedachte ZIP-Datei mit LineageOS.

Zuerst wird der Bootloader entsperrt, um das Original-Recovery-System des Smartphone-Herstellers durch ein Custom-Recovery-System wie TWRP oder CWM zu ersetzen. Hier hilft bei vielen Geräten Fastboot beziehungsweise Odin bei Samsung. Anschließend schiebt ihr die ZIP-Datei mit LineageOS auf das Mobilgerät, schaltet es aus und bootet danach das Recovery-System, um die LineageOS-ZIP-Datei zu installieren, was man flashen nennt.

Das Booten des Recovery-Systems ist nicht mit dem üblichen Start des Mobilgeräts zu verwechseln. Also nicht einfach die Power-Taste drücken. Das Recovery-System wird je nach Modell durch gleichzeitiges Drücken der Tasten Lauter, Leiser, Power und/oder Home gestartet. Guckt am besten im Internet nach, was für euer Modell zutrifft. Bei Motorola sind es zum Beispiel die Tasten Leiser und Power. Zur Probe könnt ihr dies vorher beim normalen Einschalten ausprobieren und wählt dann im angezeigten Menü den Punkt zum normalen Starten aus – ist ja nur ein Test.

Im Wiki von LineageOS findet ihr Vorgehensweisen für einige Smartphone- oder Tablet-Modelle. Zudem solltet ihr beachten, dass die Installation eines Custom-ROMs eure Daten auf dem Smartphone vernichtet und zu Garantieverlust führen kann. Deswegen ist ein Backup vor dem Flashen Pflicht. Hilfreich kann es sein, das Smartphone oder Tablet auf den Werkszustand zurückzusetzen, bevor ihr mit dem Rooten und Flashen beginnt.

Mit dem Ende für CyanogenMod hat sich durch den Nachfolger LineageOS für Anwender prinzipiell erst einmal nichts geändert. Der CyanogenMod Nachfolger ersetzt ein vorinstalliertes Android-System auf den unterstützten Geräten und befreit diese so von Werbe-Apps und gegebenenfalls unnötigen Google-Diensten. Diese lassen sich aber nachinstallieren, sodass ihr nicht auf Google Play verzichten braucht, um Apps zu suchen und zu installieren.

Mit der Migration des Projektes auf GitHub, der als Dienst zur Verwaltung quelloffener Software für zahlreiche Projekte verwendet wird, dürfte das Projekt zur Entwicklung des CyanogenMod Nachfolgers LineageOS auf dem richtigen Weg sein.

➤ LineageOS herunterladen

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