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Ratgeber Computerspiel- und Internet-Abhängigkeit

Reale Sucht nach Virtuellem: Ursachen, Auswirkungen und Abhilfe für Betroffene

Das Phänomen viel Zeit vor dem PC oder Smartphone zu verbringen, ist gesellschaftlich fast soweit verbreitet wie die Endgeräte selbst. Doch ab wann besteht eine Abhängigkeit und wodurch entsteht sie? Mit dieser Fragestellung im Hinterkopf habe ich mir die relativ neuen Süchte mal etwas genauer angesehen und die wichtigsten Aspekte für euch zusammengetragen.

Einen Raucher als Abhängigen oder Süchtigen zu bezeichnen ist - trotz der unumstrittenen Gefahr des grauen Qualms für die Gesundheit - doch eher unüblich. Beim Thema Alkohol trauen wir uns schon eher das Kind beim Namen zu nennen, obwohl unsere Gesellschaft auch bei dieser Alltagsdroge zur Verharmlosung neigt. Natürlich ist man "passionierter Trinker" und kein Alkoholiker, wenn man sich allabendlich ein paar Flaschen Bier oder einige Gläser Wein gönnt - Alkoholismus wird erst mit dem täglichen Vollrausch aus der Wodkaflasche zur (Drogen-)Sucht. Zumindest ist das die landläufige Meinung, der man immer wieder begegnet. Eigentlich ist es aber nicht viel mehr, als sich den eigenen Konsum schön zu reden, um nicht vor sich selbst und anderen als "krank" dazustehen. Bei Drogen wie Heroin oder Kokain, die keinen Platz in unserem alltäglichen Leben haben und nicht gesellschaftlich anerkannt sind, sind sich dann aber doch die Meisten einig: wer Selbige konsumiert ist süchtig, ist abhängig.

Aber wie ist das mit Abhängigkeiten, die ihre Wurzeln in nicht verzichtbaren Konsumgütern haben? Was ist mit Computern, Tablets und Smartphones, die die Quelle von Internetsucht, Computer- oder Computerspielesucht sowie Smartphonesucht sind? Diese Begriffe sind Phänomene des 21. Jahrhunderts und laden mitunter erst einmal zum Schmunzeln ein. Tatsächlich sind diese relativ jungen Abhängigkeiten aber ernstzunehmende Probleme, die mit wachsender Häufigkeit auftreten - und das nicht nur bei Kindern und Jugendlichen. Wie diese Süchte entstehen können, was sie im Einzelnen bedeuteten und wie man gegebenenfalls Hilfe erhält, habe ich in meinem Beitrag für euch zusammengefasst.

"Sucht" ist aus medizinischer Sicht ein veralteter Begriff, welcher bereits in den 1960er Jahren durch den Begriff "Abhängigkeit" ersetzt wurde. Trotzdem werden beide Bezeichnungen auch heute noch in unserem alltäglichen Sprachgebrauch für dasselbe Verhalten verwendet. Als Abhängigkeit bezeichnet man im Allgemeinen das Verlangen nach - beziehungsweise Abhängigsein von - einer bestimmten Substanz oder einer Verhaltensweise. Laut dieser Definition hat die Abhängigkeit auch immer psychische und/oder physische Beeinträchtigungen der Gesundheit zur Folge, und auch das soziale Umfeld wird häufig in Mitleidenschaft gezogen. Abhängigkeiten entstehen häufig aus Ängsten, Unsicherheiten oder Defiziten heraus. Das können Ängste im Umgang mit dem eigenen sozialen Umfeld, Unsicherheiten aufgrund eines mangelhaften Selbstwertgefühls oder auch Defizite im Bezug auf emotionale Grundbedürfnisse sein. Der Gegenstand der jeweiligen Abhängigkeit, sprich die Droge oder die zwanghafte Verhaltensweise, wird von Betroffenen zum Ausgleich oder Ersatz für die unterschiedlichen Mißstände benutzt und nimmt somit eine lebensbestimmende Position ein.

Substanzabhängigkeiten, wie eine Alkohol- oder Drogensucht, sind im Gegensatz zu Abhängigkeiten von Verhaltensweisen eindeutiger und fassbarer. Die Pathologisierung einer herkömmlichen Drogensucht fällt also leichter - umso schwerer ist es, ein Verhalten wie das regelmäßige Spielen eines Computerspiels als krankhaft einzustufen. Das zeichnet sich unter anderem auch in unserem Gesundheitssystem ab, denn bis heute wird das Phänomen der Internet-/Computerspielsucht von deutschen Krankenkassen nicht offiziell als Krankheit anerkannt. Auf der anderen Seite neigt unsere Gesellschaft leider aber auch dazu, ungewöhnliches oder unerwünschtes Verhalten vorschnell als krank zu bewerten.

Unter Computerspielsucht versteht man das zwanghafte Verlangen danach, sich zeitlich sowie inhaltlich intensivst mit einem Computerspiel zu beschäftigen. Dabei dient das Spiel meist als Kompensation für nicht befriedigte emotionale Bedürfnisse, einschneidende negative Lebenserfahrungen oder auch berufliche Erfolglosigkeit. Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte der Begriff Computerspielsucht vor allem dank der starken Medienpräsenz des Online-Multiplayer-Rollenspiels World of Warcraft (WOW). Auch andere Vertreter des Genres werden immer wieder mit dem Thema Computerspielabhängigkeit in Verbindung gebracht, etwa Guild Wars. Rollenspiele bieten das größte Potenzial, dem Alltag zu entfliehen, um in der virtuellen Welt das zu sein, was man in der realen Welt vielleicht nicht sein kann: besser, schöner, stärker, heldenhafter als andere. Somit bieten Online-Rollenspiele auch das größte, aber nicht einzige Suchtpotenzial. Ego-Shooter wie Counter Strike sind gleichermaßen für exzessives Spielverhalten und Abhängigkeiten bekannt.

Internetsucht oder auch Onlinesucht beschreibt ebenfalls ein zwanghaftes Nutzungsverhalten virtueller Konsumgüter. Das Suchtverhalten zeigt sich im Umgang mit unterschiedlichen Plattformen im Internet, etwa Chats, Foren und Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter.

Eine Schwierigkeit beim Erkennen einer Abhängigkeit ist allerdings die Ähnlichkeit zu leidenschaftlichem Verhalten. Ein Computerspiel immer wieder und lange zu spielen bedeutet nicht in jedem Fall, dass der passionierte Gamer ein Suchtproblem hat. Ein Sportler, der tagtäglich seine Sportart trainiert um besser zu werden, ist schließlich auch nicht immer gleich ein "Sport-Junkie", jedenfalls nicht im negativen Sinne. Der Grad ist jedoch schmal. Ist der übermäßige Internetgebrauch oder das Zock-Verhalten ein Ersatz für zwischenmenschliche Kontakte und dient vor allem der Flucht aus der realen Welt, so liegt in den meisten Fällen eine Abhängigkeit vor. Abhängigkeiten wie Internetsucht oder Computerspielsucht können mitunter ähnliche Auswirkungen auf die Lebensumstände des Betroffenen haben wie eine Drogensucht, nicht umsonst tauchen diese Abhängigkeiten auch im Drogenbericht der Bundesregierung auf. Sie sind also nicht zu unterschätzen. Betroffene vernachlässigen zwischenmenschliche Kontakte zu ihrer Familie und Freunden, bekommen Probleme in der Schule, mit dem Studium oder auch im Beruf und machen das Abhängigkeitsverhalten zum absoluten Lebensmittelpunkt.

Die Smartphonesucht ähnelt im Prinzip der Internet- und Computerspielsucht, nur dass die zwanghafte Nutzung von Spielen, Chats, Social Media und anderen Inhalten eben auf dem Handy oder Tablet stattfindet.

Nicht jeder der uns auf der Straße mit gesenktem Blick auf das Handy-Display begegnet, ist gleich smartphoneabhängig. Trotzdem lässt sich ein gewisses gesundheitsgefährdenes Potential dieses Verhaltens nicht von der Hand weisen. Diejenigen unter den exzessiven Smartphone-Nutzern, die nur gegen den nächsten Briefkasten laufen, sind noch einigermaßen unterhaltsam. Kritisch wird es jedoch dann, wenn jemand schnurstracks auf eine rote Ampel zusteuert und droht von einem herannahenden Auto erfasst zu werden. Und abgesehen von der drohenden Gefahr im öffentlichen Straßenverkehr, kann auch die Smartphoneabhängigkeit die gleichen Folgen für die Lebensumstände wie Internet- und Computerspielabhängigkeit haben.

Im Idealfall kommt es erst gar nicht zur Abhängigkeit. Um dieser Problematik vorzubeugen, gibt es einige Hilfsmittel in Form von Kinderschutz-Software, mit der sich die Nutzung von Computer und Smartphone einschränken und kontrollieren lässt. Mit etwas Aufwand lassen sich diese kleinen Helfer aber auch austricksen, schließlich wissen die meisten - auch Kinder und Jugendliche - wie man via Google an Problemlösungen gelangt. Tritt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen aber doch eine Abhängigkeit auf, gilt es sich selbst oder anderen Betroffenen zu helfen.

Der einfachste Weg sich selbst zu helfen, ist die Selbsterkenntnis. Sieben Stunden ununterbrochen Angeln in Dalaran (WoW) ist ebenso wenig ein normales Spielverhalten, wie die Tatsache, dass man zehn Matches in Folge bei einem Online-Multiplayer-Shooter gewonnen haben muss, bevor man ruhig schlafen kann. Häufig gelangen Betroffene aber nicht von selbst an diesen Punkt. Da kann etwas Unterstützung von außerhalb durchaus hilfreich sein. Eine Konfrontation mit dem problematischen Verhalten, wenn auch nur in Form von behutsamem Aufmerksammachen, könnte der erste Schritt sein. Oft hilft auch das Voraugenführen von Konsequenzen - hier sind vor allem Partner und Eltern gefragt. Falls Gespräche im Familienkreis nicht helfen, kann auch die Hilfe verschiedener Einrichtungen in Anspruch genommen werden. In Berlin gibt es zum Beispiel die Beratungsstelle Lost In Space, die sich ganz dem Thema Computerspiel- und Internetsucht verschrieben hat. Ähnliche Anlaufstellen gibt es auch in anderen deutschen Städten, beispielsweise STEP in Hannover oder Parcours in Köln. Auf der Seite Spielsucht-Therapie findet ihr außerdem ein Verzeichnis mit über 50 Beratungsstellen in ganz Deutschland. Außerdem hilft bei Bedarf auch die Seite gamesucht.com mit Infos und Beratung zum Thema Computerspielsucht. Wenn ihr speziell auf der Suche nach Möglichkeiten zur Restriktion von Zeiten und Inhalten für Kinder seid, dann solltet ihr mal einen Blick auf unseren Beitrag zum Thema Kinderschutzsoftware werfen.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein gutes Händchen beim verantwortungsvollen Gebrauch virtueller Annehmlichkeiten.

Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit Internet- oder Computerspielabhängigkeit gemacht? Teilt eure Erlebnisse doch in den Kommentaren!

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