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Unterwegs Sprachen lernen mit Anki

Der handliche Lernkartei fürs Smartphone

Anki hilft dabei, beliebiges Wissen durch gezieltes und wiederholtes Abfragen im Langzeitgedächtnis zu speichern. Tao zeigt euch die wesentlichen Funktionen der App, stellt nützliche Erweiterungen vor und erläutert, wie Anki ihm effektiv beim Lernen von Chinesisch und Japanisch geholfen hat.

Wer eine Fremdsprache lernen möchte, der kann heutzutage aus einem vielfältigen Angebot an Smartphone-Apps auswählen, die das bequeme Sprachenlernen unterwegs ermöglichen wollen. Bekannte Vertreter sind etwa Duolingo oder Babbel. Diese Sprachlern-Apps haben allerdings einige Nachteile: Zum einen ist das Angebot an Sprachkursen meist sehr beschränkt, vor allem für Deutsch als Ausgangssprache. Klar, wer Englisch, Spanisch oder Französisch lernen will, der wird auf jeden Fall fündig, auch Chinesisch ist oft dabei. Wer allerdings eine weniger populäre Sprache lernen möchte, hat bei diesen Apps meist kein Glück. Zudem sind diese Apps in der Regel nur verkappte Webdienste. Zum Sprachenlernen unterwegs eignen sie sich also nur, solange man auch mobiles Netz hat. Bei Fahrten mit der Deutschen Bahn oder in den meisten U-Bahn-Tunneln schaut man da schnell in die Röhre.

Einen anderen Ansatz bietet hier Anki. Im Grunde ist Anki kein konventioneller Vokabeltrainer zum Lernen einer Fremdsprache, sondern nichts anderes als eine digitale Lernkartei. Es eignet sich also nicht nur zum Sprachenlernen, sondern zum Auswendiglernen von Informationen beliebiger Art. Die App fällt in die Kategorie der sogenannten Spaced Repetition Software (SRS), was bedeutet, dass die Karteikarten, die man lernen möchte nach bestimmten Abständen immer wiederholt werden. Die genauen Abstände berechnet Anki mit einem komplexen Algorithmus, der auf SM2 basiert. Ursprünglich wurde Anki entwickelt, um Hersteller Damien Elmes beim Japanischlernen zu helfen (anki ist Japanisch und bedeutet auf deutsch soviel wie 'auswendig lernen').

Vor der Kür aber kommt auch bei Anki die Pflicht: man muss alle Inhalte, die man lernen möchte, bei Anki zunächst selbst erstellen. Das klingt aufwendig, bietet aber den Vorteil, die Inhalte an sein persönliches Lernmuster anpassen zu können. Außerdem speichert Anki alle Lernkarten lokal ab und benötigt deshalb keine ständige Internetverbindung, um es zu benutzen.

Anki ist für Windows, OS X und Linux kostenlos erhältlich. Alleine die App für iOS erfordert den Griff ins Portemonnaie, der bei einem Preis von knapp 25€ dann gleich recht tief ausfällt. Für Android existiert mit AnkiDroid eine kostenlose App, die auf der Desktop-Version basiert, aber von einem anderen Entwickler-Team stammt. Um seine Daten zwischen den Geräten zu synchronisieren, bietet Elmes mit Ankiweb einen kostenlosen Webdienst an, der zusätzlich die Möglichkeit bietet, online seine Karteikarten zu lernen.

Ankiweb wäre somit für iOS-Nutzer eine Möglichkeit die Basis-Funktionalität auch kostenlos zu nutzen, allerdings wird hierfür natürlich eine permanente Internetverbindung benötigt. Bei Ankiweb kann man außerdem seine Lernstapel mit der Community teilen oder Lernstapel von anderen Nutzern herunterladen und eine Vielzahl an nützlichen Plug-ins durchsuchen. Karten erstellt man am besten in der Desktop-Version. Möglich ist das zwar auch mit der Android-App, dort gelingt dies allerdings weniger komfortabel. Außerdem lässt sich die Desktop-Version durch nützliche Plug-ins ergänzen, die zum Erstellen von Karten zusätzliche Funktionalität bieten.

Zunächst möchte ich einige grundlegende Begriffe aus Anki erläutern:

  • Karte
    Eine Karte repräsentiert in Anki die Einheit, die das Programm abfragt. Jede Karte hat ganz klassisch eine Vorderseite mit der Frage und eine Rückseite mit der Antwort. Beim Lernen bietet Anki für jede Antwort mehrere Optionen zur Selbsteinschätzung (Nochmal, Schwer, Gut, Einfach), nach denen berechnet wird, wann die Karte erneut abgefragt wird.
  • Stapel / Deck
    Ein Stapel in Anki ist die primäre Instanz um seine Karten zu organisieren. Typischerweise kann etwa für jede zu lernende Sprache ein Stapel erstellt werden. Stapel können zusätzlich noch Unterstapel beinhalten. Ich habe das beispielsweise genutzt um die japanischen Kana-Schriften getrennt vom Vokabular zu lernen.
  • Notiz
    In einer Notiz werden mehrere Karten gruppiert, die logisch zusammengehören. Typischerweise wird man eine Notiz mit zwei Karten haben, bei Vokabelkarten etwa um sich in beide Richtungen abfragen zu lassen. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass man bestimmte Informationen immer auf die Antwortseite der Karte schreiben kann. Bei Sprachen mit anderem Schriftsystem etwa die Umschrift in die lateinische Schrift.
Anki-Desktop Hauptfenster

Wie bereits gesagt sollte man Notizen und Karten möglichst mit der Desktop-Version erstellen, es sei denn die Karten sind so einfach gestaltet, dass sie nur aus Text bestehen. Eine Notiz definiert sich durch mehrere Felder. Das sind für Sprachen typischerweise die Vokabeln jeweils in der Ziel- und in der Ausgangssprache. Zusätzlich denkbar sind Felder für Beispielsätze und Umschrift zu einer Vokabel, aber auch Bilder oder Audio-Dateien können auf Karteikarten platziert werden. Der Vorteil von Audio liegt beim Lernen einer Sprache auf der Hand und viele Menschen können sich Dinge leichter merken, wenn sie sie mit einem Bild assoziieren.

Um Notizen in Anki zu bearbeiten wählt man das Menü "Werkzeuge Notiztypen verwalten". Anki bietet vier verschiedene Notiztypen als Vorlage und unterscheidet intern zwischen zwei Kategorien: normale Texte und Lückentext. Leider ist diese Unterscheidung nicht sehr offensichtlich. Notiztypen der Kategorie "Lückentext" bieten zusätzlich die Möglichkeit, Eingabefelder in Sätze einzubauen, die einen bestimmten Wert erwarten. Ich habe diese Funktion zwar selbst noch nicht genutzt, aber beim Lernen von Sprachen wären sie beispielsweise für Grammatik-Karten sinnvoll, bei denen grammatikalisch entscheidende Wörter im Satz fehlen oder Endungen bei Konjugation oder Deklination ergänzt werden. Die Lückentext-Funktion wird ausführlich in der Anki-Anleitung erläutert, die auch auf deutsch zu finden ist.

Felder definieren sich durch ihren Namen und ihre Position, wobei letzteres nur für das Feld an erster Stelle relevant ist, denn dieses definiert die Eindeutigkeit der Notiz, das heißt, dass es keine zwei Notizen gleichen Typs mit dem gleichen Wert in Feld 1 geben kann. Ein anderes beliebiges Feld kann ausgewählt werden, nach dem die Karten in der Übersicht sortiert werden sollen. Hinweis: Die Auswahl von Schriftart und -größe bezieht sich an dieser Stelle nur auf die Eingabemaske zum Erstellen konkreter Karten und nicht auf die Anzeige der Karten im Lernmodus!

Neben den Feldern lassen sich hier auch die Kartentypen bearbeiten, also Anzahl der Karten und Platzierung der Felder auf der Vorder- und Rückseite jeder Karte.

Kartentypen bearbeiten

Das Layout der Karten wird per HTML definiert und mit CSS gestylt. Auf der linken Seite sieht man den Quelltext und auf der rechten das Ergebnis. Das vorgegebene Styling sollte für die allermeisten Zwecke vollkommen ausreichen und wer kein HTML beherrscht, findet unten am Fenster den Button "Feld hinzufügen", der an der aktuellen Cursor-Position ein beliebiges Feld der Notiz mit wählbarer Schriftart und -größe als HTML-Schnipsel einfügt. Generell können Felder im HTML-Code platziert werden, indem der Name des Feldes in zwei paar geschweifte Klammern gesetzt wird. Das spezielle Feld {{FrontSide}}, das bei allen Vorlagen als erstes im Quelltext für die Rückseite steht, steht für den kompletten Inhalt der Vorderseite. Ein weiteres Feature, das ich sehr praktisch finde, findet man unter dem Button "Mehr": die feste Stapelzuweisung. Damit lässt sich für jede Karte der Notiz ein individueller Lernstapel definieren, in dem sie erscheinen soll. Somit können also verschiedene Karten einer Notiz auch auf verschiedene Stapel aufgeteilt werden.

An dieser Stelle noch ein Hinweis für Nutzer, die mit AnkiDroid Japanisch lernen möchten: Das Japanische wird auch mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben und einige Zeichen werden im Chinesischen etwas anders geschrieben als im Japanischen. Diese Varianten stehen in Unicode trotzdem am gleichen Codepoint, sodass in der Regel verschiedene Schriftsätze für die beiden Sprachen genutzt werden müssen. Android nutzt standardmäßig die chinesische Variante der Schriftzeichen, außer man stellt das Telefon in den Einstellungen komplett auf Japanisch. Es gibt verschiedene Möglichkeiten die japanischen Varianten trotzdem zu erzwingen, allerdings geht es nicht ohne HTML oder CSS. Die einfachste Möglichkeit ist es beispielsweise ein Feld, das "Japanisch" heißt mit folgendem Code einzusetzen.

	<span lang="ja">{{Japanisch}}</span>

Damit wird dem System gesagt, für dieses Feld die Standard-Systemschrift für Japanisch zu verwenden. Eine andere Möglichkeit wäre es eine beliebige Schrift, die Japanisch unterstützt, per CSS einzubinden. Wie das geht und weitere Tipps zur Verwendung von HTML erläutere ich im Abschnitt "Fortgeschrittenes" am Ende des Beitrags.

Um nun Lernkarten mit konkreten Daten zu erstellen, geht man im Hauptfenster von Anki oben auf den Button mit der fetten Aufschrift "Hinzufügen". Hier lässt sich zunächst der entsprechende Notiztyp auswählen sowie der Stapel, dem die Karten des Notiztyps hinzugefügt werden sollen. Bei fester Stapelzuweisung kann diese Option ignoriert werden.

Die Daten in den Feldern lassen sich durch die Rich-Text-Möglichkeiten auch zu gewissem Grad stylen, was anschließend auch beim Lernen sichtbar ist. Zusätzlich können hier Lückentext-Elemente sowie Audio-, Video- und Bilddateien eingefügt werden. Audio-Dateien können auch direkt aufgenommen werden, dazu sollte man aber natürlich in der Aussprache der Zielsprache schon sehr sicher sein und ist das der Fall, ist es fraglich, ob man in seinen Lernkarten überhaupt noch Audio braucht. Mit den Schlagworten können Karten mit weiteren Informationen verknüpft werden, beispielsweise welche grammatikalische Funktion das Wort besitzt. So lassen sich auch alle Karten mit einem bestimmten Schlagwort lernen.

Beim Lernen eines Stapels unterscheidet Anki die Karten nach drei Kriterien und bietet je nachdem verschiedene Möglichkeiten zur Selbsteinschätzung:

  • neue Karten ➤ Nochmal - Gut - Einfach
  • gelernte Karten ➤ Nochmal - Schwer - Gut - Einfach
  • Nochmal-Karten ➤ Nochmal - Gut

Durch die Selbsteinschätzung berechnet Anki nach wieviel Tagen die Karte spätestens wieder abgefragt werden soll, wobei einem die Tage bei jeder Auswahlmöglichkeit auch angezeigt werden. Nochmal-Karten werden auf jeden Fall in der gleichen Sitzung nochmal wiederholt und kommen anschließend zunächst wieder öfter. Die Auswahl "Einfach" habe ich persönlich fast noch nie genutzt, da dort die Karten wirklich sehr weit in die Zukunft katapultiert werden. An diesem Punkt lassen sich in Anki viele Parameter einstellen, die ich allerdings größtenteils nicht verändert habe. Lediglich die Einstellung zu "Lernbremsen" habe ich so angepasst, dass Karten die oft mit "Nochmal" bewertet wurden nicht ausgesetzt werden.

Links: AnkiDroid / Rechts: Ankiweb unter iOS

AnkiDroid besitzt ein zusätzliches Feature, das vor allem für Sprachen mit anderem Schriftsystem besonders nützlich ist, das sogenannte "Whiteboard". Damit lässt sich direkt auf dem Smarthpone kritzeln und so auch die Fähigkeit das gefragte Wort auch schreiben zu können abgefragt – ohne dabei einen Notizblock mit Stift bereit halten zu müssen. Selbstverständlich sollte man beim Schreiben mit dem Finger keine allzu ansehnlichen Ergebnisse erwarten und die Grundlagen der Schrift auch ohne Anki mit dem Stift trainieren. Da ich ausschließlich die Android-Version zum Lernen verwende, kann ich über die anderen leider nicht so viel sagen. Ein kurzer Test mit Ankiweb auf dem iPhone zeigte, dass die grundlegende Lernfunktion problemlos arbeitet, allerdings scheinen einige Styling- und Layout-Informationen nicht übernommen zu werden, beispielsweise die Schriftgröße.

Während des Lernens speichert Anki eine Vielzahl an Daten über das eigene Lernverhalten, die man sich als übersichtliche Statistik anzeigen lassen kann. Dabei kann man sich die Daten von allen oder von einzelnen Stapeln anzeigen lassen, sowie die Daten des letzten Monats, des letzten Jahres oder seit Erstellen des Stapels.

Statistiken in Anki-Desktop

Auf Ankiweb kann man viele nützliche Plug-ins für Anki entdecken. Auf jeder Seite eines Plug-ins steht ein spezieller Code, den man in Anki-Desktop eingeben muss, um das Plug-in zu installieren. Anschließend können die Plug-ins sich selbst aktualisieren, sobald eine neue Version verfügbar ist. Da die Plug-ins allerdings nur die Funktionalität der Desktop-Version erweitern, sollte man darauf achten, dass man die Funktionalität unterwegs nicht vermissen würde – natürlich unter der Voraussetzung, dass man nur mit dem Smartphone lernen möchte.

Ein Plug-in, dass ich für alle meine Vokabel-Karten verwende ist "AwesomeTTS", das eine Schnittstelle zu zahlreichen Text-to-Speech-Diensten bietet, also Diensten für synthetische Stimmerzeugung. Wer hier an roboterhaftes und holpriges Vorlesen einer Computerstimme denkt, hat die Entwicklung der letzten Jahre in dem Bereich verpennt. Viele Stimmen sind von sehr guter Qualität und jeder Dienst bietet in der Regel sowohl männliche als auch weibliche Stimmen für verschieden Sprachen an.

Ich persönlich nutze für Chinesisch und Japanisch die Stimmen von NeoSpeech, die wirklich ausgezeichnet sind. Dabei probiere ich ein Wort oft mit verschiedenen Sprechern aus, um zu sehen welche mir am besten gefällt. Außerdem versuche ich die Sprecher möglichst oft abzuwechseln, damit man sich nicht so sehr an eine einzelne Stimme gewöhnt. Bei NeoSpeech liegt unter der Aufnahme immer ein ganz leises akustisches Wasserzeichen, dass ich aber beim Lernen überhaupt nicht als störend empfinde.

Ein Nachteil der Dienste ist natürlich, dass die Auswahl an Sprachen begrenzt ist und viele Dienste oft die gleichen Sprachen anbieten. Außerdem muss die eigene Hörfähigkeit der Zielsprache entwickelt genug sein, um einschätzen zu können, welche Stimmen natürlich klingen und welche zu künstlich.

An dieser Stelle möchte ich näher auf die großartige Flexibiltät von Anki eingehen und ein paar fortgeschrittene Möglichkeiten zur Nutzung erläutern.

Medienordner: Anki speichert alle seine Mediendateien nach Nutzerprofilen getrennt in einem Unterordner namens "collection.media". Unter Windows findet man den etwa unter "HOMEPATH\Documents\Anki\<benutzer>\collection.media". Hier findet man alle Dateien wieder, die man im Laufe der Zeit in seinen Karten gespeichert hat. Dabei unterscheidet Anki zwischen zwei Arten von Dateien: permanenten und solchen, die von Karten referenziert werden. Der Unterschied ist, dass man sich um die permanenten selbst kümmern muss, das heißt, wenn man alle Karten löscht, die auf eine permanente Datei zugreifen, muss man diese auch selbst löschen, wenn man sie nicht mehr verwenden will. Der Vorteil von permanenten Dateien ist, dass sie Redundanz vermeiden können, indem man die gleiche Datei für mehrere Karten verwendet. Die Gefahr ist alledings, dass man sich seinen Medienordner mit permanenten Dateien zumüllt und irgendwann den Überblick verliert. Dennoch können permanente Dateien durchaus nützlich sein, wie wir gleich sehen werden. Anki identifiziert alle Dateien, deren Dateiname mit einem Unterstrich "_" beginnt als permanent.

Systemunabhängige Fonts einbinden: Wie bereits erwähnt, kann für das Styling auch eine systemunabhängige Schrift genutzt werden. Das bietet einem mehr Kontrolle über das Aussehen der Lernkarten. Ich nutze das beispielsweise um für die chinesischen Schriftzeichen eine Standard-Pinselschrift zu nehmen, die einem etwas besser die Handschrift vermitteln kann und trotzdem nah genug an der Druckschrift ist um diese lesen zu lernen. Dafür muss die Schrift-Datei im Medienordner permanent abgelegt werden (also mit "_" beginnen), da sie natürlich von sehr vielen Karten genutzt werden soll. Wenn man auch unter Windows lernen möchte, sollte man nach Möglichkeit eine TTF-Datei nehmen anstelle von OTF.

Anschließend muss die Schriftdatei per CSS eingebunden werden. Das geht mit dem folgenden Schnipsel:

@font-face {
font-family: customFont;
font-style: normal;
font-weight: normal;
src: url('_custom-font.ttf');
}

Nun kann die kann im HTML ganz gewöhnlich die Schriftfamilie im Style-Attribut angegeben werden. Das kann natürlich auch über eine definierte CSS-Klasse geschehen.

Ein Hinweis noch für Leute, die gerne die Noto-Schrift von Google für Japanisch einbinden wollen. Hier muss man aufpassen, dass man nicht die große CJK-Datei nimmt, die Chinesisch, Koreanisch und Japanisch in einer Datei unterstützt, sonst passiert das gleiche wie zuvor beschrieben: die chinesischen Varianten bekommen ohne lang-Attribut den Vorzug. Auf GitHub stellt Google die Noto-Schriften auch in länderspezifischen Varianten zur Verfügung. Für Japanisch müsste man dann nach Dateien suchen, die mit "NotoSansJP" beginnen.

CSS- und JavaScript-Dateien lassen sich auch aus permanenten Dateien im Medienordner einbinden. In der Anki-Anleitung steht zwar, dass dies nicht funktionieren würde, ich hatte damit allerdings noch keine Probleme. Das Einbinden geschieht dann in Anki in der HTML-Box mit entsprechendem Link- oder Script-Tag, genauso wie man es für reguläres HTML auch tun würde. Der Vorteil ist, dass man so die Dateien mit einem Text-Editor viel komfortabler bearbeiten kann, als in Anki selbst.

Nun mag sich einer fragen, was man in Anki mit JavaScript anfangen möchte. Tatsächlich nutze ich das für alle meine Stapel in verschiedener Form, was ich hier mit einem Beispiel erläutern möchte. Man darf bei Anki allerdings keinen vollwertigen Browser erwarten, es kann also durchaus sein, dass manche Dinge mit JavaScript in Anki ganz einfach nicht funktionieren. Auch kann es sein, dass manche Funktionen in AnkiDroid funktionieren und auf dem Desktop nicht oder anders herum.

Ich selbst nutze beispielsweise ein Skript für alle meine chinesischen Karten um für jedes Zeichen in einem Wort ein Animiertes GIF mit der Strichreihenfolge des Zeichens aus dem Medienordner zu laden. Die GIFs beziehe ich alle von der Seite LearnChineseEZ, und das wiederum automatisiert mit Hilfe eines Python-Skripts, das mir gleiche alle Dateinamen mit einem "_" versieht. Anschließend verschiebe ich die GIFs in meinen Medienordner sodass sie dann per JavaScript von jeder Karte, die das Zeichen enthält, eingebunden wird.

Anki bietet großen Nutzen beim Sprachenlernen, vor allem als Vokabeltrainer. Man sollte nur nicht erwarten, dass Anki einem von Geisterhand eine neue Sprache beibringt. Im Idealfall nutzt man Anki parallel zu einem Kurs, sei es an der Volkshochschule oder mit einem Buch im Selbststudium. Letztlich muss jeder selbst diejenige Lernmethode finden, die am besten zu ihm passt. Anki kann jedoch eine große Unterstützung sein.

Der einzige Nachteil, den ich bei Anki sehe, ist die recht hohe Einstiegshürde. Besonders die nicht ganz intuitive grafische Oberfläche schreckt anfangs ab und erschwert die ersten Schritte. In vielen Fällen hilft auf jeden Fall die offizielle Anleitung zu Anki und wenn man sich erstmal an die Nutzung gewöhnt hat, kann man sehr schnell Fortschritte erzielen. Ich war selbst überrascht, wie gut ich mir die Vokabeln mit Anki merken konnte, und auch die chinesischen und japanischen Schriftzeichen.

Ich wünsche allen viel Erfolg – und vor allem Spaß – beim Sprachenlernen!

がんばって!

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