Ein Heimnetzwerk einrichten - so geht's

Jeder von uns nutzt tagtäglich ein Netzwerk: Das Internet, ein riesiger Rechnerverbund, der alle Computer der Welt, ob Smartphone, Tablet oder PC, mit einander vernetzt. Allerdings hat das Internet einen großen Haken: Der Zugang ist zumeist vergleichsweise langsam, vor allem das Hochladen von Dateien dauert durch geringe Upload-Bandbreiten oft sehr lange. Außerdem musst du deine Dateien ja nicht immer über das Internet schicken, wenn du sie nur von einem Deiner Computer zum anderen schicken willst: Dafür kannst du ein schnelles Heimnetzwerk einrichten und Dateien und Medien ganz ohne USB-Sticks oder externe Festplatten austauschen.

Vorbereitung

  1. Logistik planen: Bevor du mit dem Aufbau deines Heimnetzwerk loslegst, solltest du zunächst eine Bestandsaufnahme machen: Welche Geräte besitzt du und wie sollen sie miteinander Daten austauschen? Ein typisches Setup wäre zum Beispiel ein PC, ein Mac, ein iPad und ein Android-Smartphone, dazu Drucker, NAS und Smart-TV. Welche Geräte nutzen WLAN, welche können auf Kabel zurückgreifen (etwa der Desktop-PC neben dem Router)? Der Hintergrund: Kabelverbindungen sind fast immer schneller als WLAN-Verbindungen.
  2. Der Router hat schon Vorarbeit geleistet: Jetzt kommt die gute Nachricht: Wenn du zuhause bereits einen modernen Router mit WLAN stehen hast, musst du dich um die technischen Details nicht mehr kümmern. Alle Router – etwa eine FritzBox – richten automatisch Netzwerkverbindungen der Geräte untereinander automatisch ein. Alle Geräte, die über den gleichen Router laufen, können grundsätzlich miteinander kommunizieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie per WLAN oder per Ethernet-Kabel angeschlossen sind, der Router spannt für alle Geräte ein großes Heimnetzwerk auf. IP-Adressen musst du zunächst nicht vergeben: Das sogenannte DHCP-Protokoll ist in allen modernen Routern ab Werk aktiv und vergibt selbstständig IP-Adressen.
  3. Verkabeln, wenn möglich: Wie bereits erwähnt, sind Kabelverbindungen bei stationären Geräten in aller Regel besser als WLAN-Verbindungen. Voraussetzung dafür ist aber, dass du einen modernen Router mit Gigabit-Anschlüssen und entsprechende Endgeräte besitzt. Alle besseren Router der letzten Jahre besitzen eine oder mehrere solche Gigabit-Ethernet-Anschlüsse. Bei der FritzBox müssen sie für maximale Geschwindigkeit gegebenenfalls auf den „Power Mode“ umgestellt werden. Öffne dazu die FritzBox-Oberfläche und setze unter Heimnetz -> Heimnetzübersicht bzw. Heimnetz -> Netzwerk im Tab „Netzwerkeinstellungen“ alle LAN-Anschlüsse auf „Power Mode (1 GBit/s)“. WLAN reicht jedoch in aller Regel aus, wenn du es bequem haben willst.
  4. Auf die Geschwindigkeit der Endgeräte achten: Die Endgeräte müssen diesen Standard ebenfalls unterstützen. Grundsätzlich gibt bei einer Netzwerkverbindung nämlich das langsamere Gerät den Ton an. Sprich: Wenn du einen alten Rechner mit langsamen 100 MBit/s-Anschluss an den 1000-MBit-Anschluss des Routers hängst, läuft die Verbindung mit 100 MBit, nicht mit 1000 MBit. Gleiches gilt für WLAN: Ist das Endgerät lahm, ist auch die Verbindung zwischen Router und Gerät lahm – ganz egal, wie schnell das WLAN eigentlich ist.
  5. Die Sache mit den Freigaben: Wenn alle Geräte mit dem Heimnetzwerk verbunden sind, musst du sie füreinander sichtbar und nutzbar machen. Dafür gibt es sogenannte Netzwerk-Freigaben, die du definieren musst. Damit gibst du den PC oder Mac im Netzwerk frei. Anschließend kannst du dich mit deinem Benutzerkonto von anderen Rechnern im Netzwerk aus einloggen. In den folgenden Schritten stellst du deinen Windows-PC, Mac oder Ubuntu-Linux-Rechner so ein, dass du von jedem Rechner auf den anderen zugreifen kannst.

Freigabe unter Windows 10 aktivieren

  1. Um die Freigabefunktion eines Windows-10-PCs zu aktivieren, musst du die Systemeinstellungen öffnen (z.B. über die Tastenkombination [Windows] + [I]) und „System“ wählen.
  2. Klicke im Menü unten links auf „Info“ und gib dem Windows-PC einen eindeutigen Netzwerk-Namen, indem du auf „Diesen PC umbenennen“ klickst. Damit wird der PC eindeutig erkennbar.
  3. Öffne jetzt „Einstellungen -> Netzwerk“ und wähle unter „Status“ den Punkt „Verbindungseigenschaften ändern“ an.
  4. Schalte hier „Dieser PC soll gefunden werden“ ein. Der PC ist jetzt für andere Rechner im Netzwerk sichtbar, du kannst dich mit seinen Login-Daten von jedem anderen Rechner im Netzwerk einloggen.

Freigabe unter MacOS aktivieren

  1. Öffne die Einstellungen über das Zahnrad-Icon im Dock und wähle „Freigaben“.
  2. Vergib unter „Gerätenamen“ einen eindeutigen Netzwerk-Namen für den Mac.
  3. Hake „Dateifreigabe“ an, um den Dateiaustausch zu ermöglichen. Anschließend kannst du dich von anderen Rechnern im Netzwerk mit Deinen Mac-Logindaten anmelden und auf Dateien in Deinem Benutzerordner zugreifen.

Freigabe unter Ubuntu-Linux aktivieren

  1. Öffne ein Dateimanager-Fenster und klicke einen Ordner mit der rechten Maustaste an und wähle „Eigenschaften“.
  2. Klicke ins Tab „Freigabe im lokalen Netzwerk“ und hake „Diesen Ordner im Netzwerk freigeben“ an.
  3. Jetzt kannst du dich von einem anderen Computer auf dem Linux-Rechner einloggen. Wenn du in der Freigabeeinstellung zusätzlich „Gastzugriff“ anhakst, klappt das sogar ohne Login. Allerdings solltest du das höchstens machen, um einen Austauschordner einzurichten, sonst hast du ein riesiges Sicherheitsloch.

Was tun, wenn der Rechner nicht auftaucht?

Normalerweise tauchen die Rechner dank des Samba-Protokolls automatisch bei allen anderen Rechnern im Dateimanager auf. Ist das nicht der Fall, musst du sie manuell ansteuern:

  • Windows: Unter Windows gibst du oben im Explorer //(Freigabename) ein, also etwa //LINUX-PC.
  • MacOS: Unter MacOS drückst du im Finder die Tastenkombination (cmd)+(K) und gibst smb://(Freigabename) ein, also etwa smb://LINUX-PC.
  • Ubuntu-Linux: Unter Ubuntu-Linux kannst du einfach im Dateimanager „Andere Orte“ anklicken und unten bei „Mit Server verbinden“ ebenfalls SMB://(Freigabename), also etwa SMB://WINDOWS-PC eingeben.

Tipp: Falls das auch nicht klappt, solltest du die IP-Adressen des jeweiligen Rechners verwenden, also etwa SMB://192.168.178.22. Diese IP-Adresse erhältst du, indem du unter MacOS oder Linux ein Terminal-Fenster öffnest und ifconfig eingibst. Auf Windows-Rechnern lautet der Befehl ipconfig. Auf diese Weise kannst du zum Beispiel einen PC verwenden, um MP3s und Videos abzulegen – und diese von allen anderen Rechnern abrufen.

Weitere Freigabeoptionen

Natürlich bist du in einem Heimnetzwerk nicht darauf beschränkt, Dateien auszutauschen: du kannst auch angeschlossene Drucker gemeinsam verwenden („Druckerfreigabe“) oder den Computer von einem anderen Computer aus Fernsteuern („Bildschirmfreigabe“ bzw. „Remote-Steuerung“). Das ist praktisch, wenn du zum Beispiel einen Media-Center-PC einsetzt. Gegebenenfalls musst du dafür aber eine zusätzliche VNC-Software, etwa von RealVNC installieren. Dazu muss sowohl auf dem Rechner, der steuert, ein VNC-Client laufen, auf dem Rechner, der gesteuert wird, ein VNC-Server.

Apps für Mobilgeräte

Und zu guter Letzt noch ein Hinweis, wenn du Mobilgeräte benutzen willst: Diese können nur unter bestimmten Bedingungen selbst Freigaben erstellen, erlauben aber gegebenenfalls die Nutzung der Freigaben. Ein schönes Tool für iPhone/iPad sowie Android-Geräte ist FileExplorer von Skyjos, das in der Grundversion mit dem orangenen Icon kostenlos ist: