Dual Boot: Zwei Windows-Systeme parallel nutzen

Windows kann auf einem Rechner auch in unterschiedlichen Versionen laufen - beim Start wählen Sie einfach aus, welches Ihnen gerade lieber wäre. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie auch für beide eine Seriennummer haben.

Vorbereitung

Wenn man mit dem Betriebssystem herumspielt, sollte man vorher Backups machen - diese Binsenweisheit können wir auch Ihnen nur empfehlen. Es besteht immer die Möglichkeit, dass etwas schief geht und wichtige Daten fehlen. Allerdings ist das hier sehr sehr unwahrscheinlich. Wie Sie ein Windows-Backup erstellen, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

Zum anderen benötigen Sie natürlich einen Ort, wo Sie das zweite Windows installieren können, also eine eigene Festplatte oder zumindest eine eigene Partition. Windows bietet beim Setup leider keinen vollwertigen Partitionsmanager an, daher sollten Sie vorab eine Partition erstellen. Ein einfaches, kostenloses Werkzeug dafür wäre etwa der Easus Partition Master Free. Wenn Windows eine eigene, neue Platte bekommt, können Sie alles im Windows-Setup selbst erledigen. Tipp: Notieren Sie sich die Bezeichnungen der Datenträger und Partitionen - das wird später noch nützlich!
Wie Sie unter Windows eine Festplatte partitionierst, erklären wir Ihnen in dieser Anleitung.

Mit Partion Master Free lässt sich schnell eine Partition finden oder anlegen.

Boot-Medium erstellen

Natürlich benötigen Sie ein Boot-Medium, um den Rechner davon starten zu können. Entweder haben Sie bereits eine Windows-DVD, oder Sie laden das gewünschte Windows als ISO-Datei von Microsoft herunter und spielen es auf einen USB-Stick. Am einfachsten erledigen Sie das mit dem kostenlosen Programm Unetbootin: Unter "Abbild" geben Sie die ISO-Datei an und unter "Laufwerk" den eingesteckten USB-Stick, über "OK" wird das ISO dann boot-fähig auf den Datenträger geschrieben. Vorsicht: Passen Sie bei der Auswahl des USB-Stick aus - wählen Sie das falsche Laufwerk, wird es komplett gelöscht!
Eine ausführliche und bebilderte Anleitung zum Erstellen eines Bootsticks mit dem Media Creation Tool finden Sie hier.

Alternativ können Sie natürlich auch eine DVD brennen. Bei einem USB-Stick kann es unter Umständen sein, dass der Rechner nicht direkt davon bootet. In dem Fall müssen Sie ins BIOS/UEFI und die Boot-Reihenfolge ändern. Dahin gelangen Sie, indem Sie nach dem Rechnerstart, kurz nach dem Einschalten, auf eine bestimmte Taste drücken - meistens ist das [ENTF]. Die Mainboard-Hersteller blenden aber auch meist kurz ein, über welche Taste Sie in die Firmware-Verwaltung kommen. Allerdings ist das nur ein ziemlich kurzer Zeitraum. Eine Tabelle mit Tastenkombinationen für den BIOS-Zugang finden Sie hier. In diesem UEFI/BIOS müssen Sie nach Boot-Optionen und dort nach der Reihenfolge suchen, das ist leider je nach Hersteller unterschiedlich. Einmal gefunden, setzen Sie den USB-Stick einfach ganz nach oben. Entfernen Sie den Stick wieder, bootet der Rechner wie gewohnt.

Mit Unetbootin erstellen Sie das Boot-Medium.

Windows installieren

Booten sIE also den Rechner von Stick oder DVD; sofern Ihr Boot-Medium erkannt wird, taucht auf dem Monitor die Frage auf, ob Sie davon starten wollen, was Sie mit beliebiger Taste bestätigen. Bestätigen Sie den anschließenden Windows-Screen und starten Sie die Installation. Hier im Beispiel wird etwa Windows 7 neben ein vorhandenes Windows 10 auf eine separate Festplatte installiert. Es folgt die Frage, welche Installationsart Sie wünschen: Upgrade oder Neuinstallation. Ein Upgrade würde das alte Windows überschreiben, also wird frisch installiert.

Die nächste wichtige Frage: Wohin soll Windows installiert werden? Hier wählen Sie nun die gewünschte Partition oder Festplatte. Bei einer Standardinstallation wird Ihr altes Windows vermutlich auf "Datenträger 0 Partition 2" liegen (Partition 1 ist vom System reserviert). Zur Auswahl der richtigen Partition sind nun die Notizen aus dem Partitionsmanager nützlich. Sofern sich eine neue, nicht partitionierte Festplatte im Rechner befindet, können Sie über den "Neu"-Link eine neue Partition gewünschter Größe anlegen und diese anschließend auch formatieren.

Die Windows-Installationsroutine listet alle verfügbaren Partitionen und Laufwerke auf.

Es folgt die übliche Windows-Installationsroutine mit Fragen nach Nutzernamen, Rechnerbezeichnung, Netzwerk und so weiter - hier warten keinerlei Dual-Boot-spezifischen Einstellungen auf Sie.

System starten

Nachdem die Installation komplett durchgelaufen ist, starten Sie den Rechner neu. Dabei müssen Sie entweder das Boot-Medium entfernen oder die Frage, ob Sie davon booten wollen verneinen. Sie werden sehen: Es startet kein Windows von allein, stattdessen kommt eine Abfrage, welches Windows Sie denn starten möchten - und das war es auch schon mit der Einrichtung. Die beiden Installationen haben nichts miteinander zu tun, außer, dass sie gemeinsam im Boot-Manager auftauchen.

Bevor Sie so ein System einrichten, sollten Sie aber überlegen, ob Sie es wirklich brauchen - denn häufig ist eine Virtuelle Maschine die einfachere Lösung. Wenn Sie zum Beispiel ein zweites Windows brauchen, um bestimmte Programme laufen lassen zu können, um gefahrlos Software zu testen oder weil Sie ein separates System für die Arbeit haben wollen, ist eine VM einfach komfortabler. Lediglich wenn Sie auf beiden Systemen die volle Hardware-Leistung benötigen oder schlicht zwei Nutzer jeweils ihr eigenes Windows brauchen, ist das Dual-Boot-System die erste Wahl.

Am Ende haben Sie die Wahl - neu oder alt?