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Youtube Gaming vs. Twitch TV

Kann Google Twitch den Garaus machen?

Pünktlich zur Gamescom 2016 hat Youtube sein Spiele-Portal Youtube Gaming auch in Deutschland verfügbar gemacht. Was der Youtube-Ableger zu bieten hat und ob er andere Streaming-Portale wie Twitch ergänzen oder ersetzen kann, habe ich für euch zusammengetragen.

Das traditionelle Fernsehen ist für mich schon lange keine Unterhaltungsform mehr, der ich besonders viel Zeit widme. Für gute Filme und Serien zahle ich gern ein paar Euro und verzichte dafür auf nervige, nicht enden wollende Werbepausen und erkaufe mir damit gleichzeitig die Möglichkeit, Inhalte dann ansehen zu können, wann es mir am besten passt. Von der Qualität der im herkömmlichen Free-TV ausgestrahlten Sendungen möchte ich gar nicht erst anfangen. So bin ich schon vor Jahren dazu übergegangen viel zu streamen - über HDMI-Kabel oder Fire-Stick auf dem Fernseher oder auch gerne mal auf dem Rechner. Und so stieß ich eines Tages auch auf Twitch und das Thema Livestreaming.

Anderen Leuten beim Zocken zuzusehen fand ich zunächst etwas befremdlich, schließlich zocke ich ja selbst gerne und könnte einfach eines der 150 Spiele aus meiner Steam-Bibliothek anwerfen. Aber genau darum geht es bei den Gaming-Streams: die eigenen Lieblingsspiele werden von anderen, teilweise professionellen Spielern gespielt und wir können dabei zusehen ohne selbst aktiv werden zu müssen - und können dabei noch etwas lernen. Gerade bei kompetitiven Spielen wie Multiplayer-Shootern kann man sich bei erfahrenen Zockern so einiges abschauen. Darüber hinaus sind einige Streamer nicht nur verdammt gute Spieler, sondern auch großartige Entertainer, die für eine witzige und abwechslungsreiche Show in Verbindung mit der Community sorgen.

Optisch und technisch unterscheiden sich die beiden Live-Streaming-Dienste vor allem durch die Vereinsfarben sowie das User Interface. Während Twitch in moderatem Lila gehalten ist und mit einer aufgeräumten statischen Menüleiste glänzt, setzt Youtube Gaming auf das bekannte Youtube-Rot in Verbindung mit einem Pixelherz und versteckt Leisten und Menüs zunächst. Diese werden durch Aktionen des Nutzers sichtbar - soweit alles keine Hexerei. Die Benutzeroberfläche von Twitch wirkt aber insgesamt übersichtlicher und benutzerfreundlicher.

Bei der Konkurrenz aus dem Hause Google war ich mir teilweise selbst nicht ganz sicher, was mir da gerade angezeigt wird - Livestream, Aufzeichnung, aufgezeichneter Livestream oder ein ganz normales Youtube-Video? Auch die mir vorgeschlagenen Inhalte waren teils nicht nachvollziehbar. Youtube Gaming übernimmt offensichtlich die persönlichen Vorlieben des eigenen Youtube-Kontos und überträgt diese auf die Startseite von Youtube Gaming. Einige Vorschläge haben indes nicht im geringsten etwas mit meinen tatsächlichen Interessen zu tun. Minecraft etwa hat mit meinen Favoriten außer der Tatsache, ein Videospiel zu sein, nichts gemeinsam; weder besitze ich dieses Spiel, noch habe ich es jemals gestreamt oder ein Video dazu angesehen - ich bekomme aber auf der "Live"-Startseite mehr als 20 Minecraft-Kanäle vorgeschlagen.

Twitch hingegen schlägt unter "Entdecken" Streams vor, die anhand meines Nutzerverhaltens ermittelt wurden und gibt auch an, aufgrund welcher Präferenz mir welcher Stream vorgeschlagen wird. Zudem ist die Aboverwaltung bei Youtube Gaming nicht ganz nachvollziehbar. Entferne ich ein Abo aus meinem Youtube-Account, tauchte er auch Tage später noch in der Liste meiner abonnierten Inhalte auf, ohne eine Möglichkeit zum Entfernen zu bieten. Auch wirkt das Gesamtbild bei Youtube Gaming etwas überladen.

Youtube Gaming bietet ansonsten die beliebten und bekannten Funktionen, die auch schon der große Bruder Youtube im Gepäck hat. Die Livestreams lassen sich abonnieren, liken und disliken, teilen oder auch melden. Außerdem lässt sich die Wiedergabequalität auswählen und die Wiedergabegeschwindigkeit ändern. Twitch bietet eine ganz ähnliche Auswahl an Möglichkeiten, um das Streaming-Erlebnis anzupassen. Neben den auch bei Youtube vorhandenen Funktionen, bietet Twitch zudem die Möglichkeit, Teile des Streams mit einer Aufnahme-Funktion zu speichern, um Clips zu erstellen. Beide Streaming-Plattformen verfügen außerdem über einen Theater- (Twitch) beziehungsweise Kino-Modus (Youtube), der es ermöglicht, den Stream inklusive Chat auf den gesamten Bildschirm zu erweitern.

Was Amazon Video, Netflix und Co für Filme und Serien sind, sind Twitch und Youtube Gaming für alles rund um das Thema Computerspiele. Neben den inhaltlichen Unterschieden, stellt aber vor allem das Bezahlsystem den größten Kontrast zwischen den Diensten dar. Während man bei Netflix und Amazon das Portemonnaie schon zücken muss, bevor man überhaupt irgendetwas ansehen kann, bieten Youtube Gaming und Twitch die Möglichkeit, alle Inhalte kostenlos anzusehen. Kosten enstehen bei letzteren Plattformen erst dann, wenn man sich für ein Abo entscheidet. Dafür gibt es bei Twitch den Abonnieren-Button und bei Youtube Gaming die VIP-Mitgliedschaft. Twitch verlangt für diese Option monatlich 4,99 US-Dollar (ca. 4,50 Euro), Youtube Gaming ist mit 3,99 Euro pro Monat rund 50 Cent günstiger. Erfreulich ist, dass beide Abo-Modelle jederzeit und ohne jegliche Frist kündbar sind.

Aber was bekommt man eigentlich für sein Geld? In erster Linie unterstützt man damit den jeweiligen Inhaber des Kanals, sprich den oder die Streamer. Dieser erhält bei Twitch 50% der Abo-Einnahmen, Youtube hält sich mit Angaben zu diesem Thema bisher noch zurück. Neben dem Support des Kanals bekommt man im Fall von Twitch Zugriff auf einzigartige Abonnenten-Emojis und man erhält ein besonderes Chat-Icon. Zudem bieten die Streamer teilweise zusätzliche Vorteile und Features an.

Einige gewähren Zugang zu Voicechat-Servern wie Teamspeak oder Discord und bevorzugen ihre Abonnenten bei Gewinnspielen und Verlosungen. Andere wiederum haben einen eigenen Snapchat-Account, der ausschließlich den zahlenden Zuschauern vorbehalten ist oder sie veranstalten regelmäßig Viewer-Games, bei denen der Streamer mit den Zuschauern gemeinsam zockt. Youtube Gaming investiert die Abo-Kosten auf den ersten Blick recht ähnlich. In erster Linie unterstützt man auch hier den Inhaber des jeweiligen Kanals, man bekommt ein Abonnenten-Icon das im Chat sichtbar ist sowie ein Emoji-Paket. Darüber hinaus erhält man Zugang zu exklusiven Livechats und zukünftigen Features wie einer Multicam-Funktion, VR-Unterstützung sowie 360°-Kameras und Streams in 4K-Auflösung.

Im Jahr 2013 traf es own3d.tv, die Streaming-Plattform musste sich der zu starken Konkurrenz geschlagen geben - Twitch war damals im Aufwind und übernahm die Alleinherrschaft im Livestreaming-Bereich. Ob Twitch nun durch Googles Gaming-Plattform das Gleiche droht, bleibt abzuwarten. Im Moment sieht es aber tatsächlich so aus, als könnten Twitch und Youtube Gaming parallel existieren - zumindest mittelfristig. Dafür spricht, dass Twitch mit 100 Millionen Nutzern nicht gerade ein kleiner Fisch im Geschäft ist. Und diese Nutzer sind eine eingeschworene Community, die nicht immer ganz einfach ist, aber im Ernstfall doch sehr eng zusammensteht. Zudem sind viele "große" Streamer und ihre Kanäle in eben dieser Twitch-Community etabliert und es ist durchaus fraglich, ob sie in einem anderen Mikro-Kosmos so gut funktionieren würden. Zum Vergleich: die reddit-Gemeinde einfach zum Wechsel auf eine andere Plattform, beispielsweise Facebook, zu bewegen - nur weil diese nun auch ein Forum anbietet - dürfte ähnlich schwer oder gar unmöglich sein. Außerdem zeichnet sich bereits jetzt ab, dass sich auf beiden Plattformen die Präferenzen bezüglich der Spiele-Genres unterscheiden. Bei Twitch war und ist das MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) League of Legends der stärkste Vertreter was Kanäle und Zuschauer angeht. Auf den etwas abgeschlagenen Plätzen dahinter, tummeln sich Titel wie World of Warcraft, DOTA 2, Hearthstone, Counterstrike und Overwatch. Die favorisierten Spiele bei Youtube Gaming hingegen, sind Call of Duty: Black Ops III, Minecraft, GTA V, Battlefield und Counterstrike - es kommt also in den "Top 5" der beliebtesten Spiele auf beiden Plattformen nur zu einer einzigen Überschneidung.

Auf Twitch ist zur Zeit außerdem ein interessantes Phänomen zu beobachten: neben den unzähligen Gaming-Streams, gibt es immer mehr Livestreams, die sich mit anderen Themen beschäftigen, unter anderem Kochen, Kunst oder Musik. Ähnliche Inhalte gibt es bei Youtube auch - allerdings bisher nur in VoD-Form (Video on Demand) und nicht als Livestream. Wenn Triple-A-Titel veröffentlicht werden oder in die offene Beta-Phase gehen - wie jüngst Battlefield 1 - dann kann man auf beiden Video-Plattformen aber auch ein vollkommen identisches Verhalten beobachten: die Anzahl der Livestreams des Titels sowie die Anzahl der Spielefans, die sich diese Streams ansehen, schießen markant in die Höhe. Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Livestreaming-Dienste: sie ermöglichen euch, selbst einen Stream zu starten. Wenn ihr also das Bedürfnis habt, anderen eure Skills bei eurem Lieblingsspiel zu zeigen sowie mit anderen Gamern zu interagieren, dann steht diesem Vorhaben auf beiden Plattformen nichts im Wege. Es bleibt also spannend, was den Kampf um die Gunst der Gamer betrifft - und das wird vermutlich nicht zu unserem Nachteil ausgehen. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß beim Zocken und Streamen.

Welche Plattform nutzt ihr am liebsten für das Streamen von Spiele-Inhalten? Schaut ihr überhaupt Livestreams? Teilt eure Meinung doch in den Kommentaren.

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